
Es war ihre liebende Zuwendung zu den Menschen, die Schwester Euthymia für viele zu einer herausragenden Person des Glaubens machte.
Selige Schwester Maria Euthymia
"Ein Sonnenstrahl, der alle Tage leuchtet"
Für große Schlagzeilen stand sie nicht. Unscheinbar ihr Leben. An Höhepunkten arm. Und doch: Ein Heer von Kerzen weist Besuchern des münsterischen Zentralfriedhofs den Weg zu ihrem Grab - Schwester Euthymia.
Direkt nach ihrem Tod begann die Verehrung dieser Ordensfrau; das Volk hat sie zu einer Heiligen erklärt. Am 7. Oktober 2001 wurde ihr Lebensbeispiel nun auch offiziell durch die Seligsprechung herausgestellt.
Fünftes von zehn Kindern
Die Geschichte der Schwester Euthymia ist schnell erzählt: 1914 in Hopsten-Halverde im heutigen Kreis Steinfurt als fünftes von zehn Kindern geboren. Sie ist schwächlich, kann schlecht laufen. In Hopsten macht sie eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin. 1934 tritt die 20-Jährige bei den Clemensschwestern in Münster ein.
Als Krankenschwester arbeitet die 1,56 Meter große Ordensfrau im St.-Vinzenz-Hospital in Dinslaken. Während des Krieges pflegt sie Kriegsgefangene und Fremdarbeiter auf einer Isolierstation. "Engel der Liebe" nennen sie die Patienten.
Versetzung ins Waschhaus
Am Ende des Krieges versetzt man sie in die Wäscherei. Zunächst in Dinslaken und dann ab 1948 im Mutterhaus in Münster hat sie dort die Leitung. 1955 stirbt Euthymia an Krebs - gerade einmal 41 Jahre alt.
Es ist nicht das "Was", das ihr Leben geprägt hat. Nichts Außergewöhnliches findet sich in ihrem kurzen Lebenslauf. Es ist das "Wie", das ihr Leben von dem anderer unterscheidet.
"... wie eine Mutter"
Die Kriegsgefangenen in Dinslaken sagten: "Sie war so gut zu uns, wie eine Mutter." Sichtbar werde an ihr die Kraft christlicher Versöhnung und christlicher Liebe über alle Grenzen und Schranken unter den Menschen hinweg, meinte der münsterische Bischof Reinhard Lettmann einmal.
Eine tiefe Frömmigkeit prägte diese Frau; was sie im Gebet erfuhr, lebte sie: Güte, Milde, Liebe. Für andere ungeteilt da sein, sich selbst und sein Leben verschenken – das hatte sie im Gebet erfahren und sie verwirklichte es in ihrem Leben. Die Menschen, die mit ihr zu tun hatten, spürten dies. "Der Herr soll mich brauchen, ein Sonnenstrahl zu sein, der alle Tage leuchtet, das möchte ich lernen", hatte sie einmal geschrieben.
Verbrennungen und Quetschungen
Am Tag nach ihrem Tod ereignete sich etwas, das im späteren Seligsprechungsverfahren als Wunder anerkannt wurde: Eine Schwester, deren Hand zwischen die Walzen einer Bügelmaschine gekommen war und dadurch schwere Verbrennungen und Quetschungen erlitt, bat am offenen Sarg von Schwester Euthymia um Fürsprache.
Innerhalb kürzester Zeit und für Mediziner unerklärlich wurde die Schwester geheilt. Immer wieder und bis in diese Tage hinein erbitten Menschen die Fürsprache von Schwester Euthymia. Und viele sehen sich erhört.
150.000 Briefe
Mehr als 150.000 Briefe im Mutterhaus der Clemensschwestern geben Zeugnis davon. So erhielt diese Frau nach ihrem Tod eine Popularität, die ihr während ihres Lebens wahrscheinlich peinlich gewesen wäre.
Text: Norbert Göckener | Foto: Archiv
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