Dokumentiert:
Anregungen zur geistlichen Beratung von Bischof Felix Genn
Bistum. Bischof Felix Genn ruft Verbände, Gruppen und gewählte Gremien zu einem "Beraten im geistlichen Sinn" auf. Er ermuntert dazu, in kirchlichen Gremien und Gruppen mehr noch als bisher miteinander den Glauben zu teilen. – kirchensite.de dokumentiert Anregungen des Bischofs zur "Deliberatio communitaria" (Beratung in Gemeinschaft):
Haltungen zur Deliberatio communitaria
1. Bereitschaft, die Situation so anzuschauen, wie sie ist;
2. Bereitschaft, im Austausch mit den anderen an einem Projekt unseres Pfarrverbands geistlich zu arbeiten;
3. Bereitschaft, die Kirche als Ort der bleibenden Gegenwart Christi zu sehen und ihre Sendung mitzutragen;
4. Bereitschaft, anzuschauen, wie der einzelne / die einzelne Seelsorger/in Ziel und Entwurf von Kirche sieht:
5. Bereitschaft, wahrzunehmen, dass es hier große Unterschiede geben kann;
6. Bereitschaft, zu sehen, dass manche Spannung unüberbrückbar ist;
7. Bereitschaft, im Gebet zur eigenen Klarheit zu finden;
8. Bereitschaft, mich unabhängig zu machen gegenüber Alternativvorschlägen und den Personen, um nur dem Willen des Herrn den Vorrang zu lassen;
9. Bereitschaft, im Geist auch die Grenzen meiner Kompetenz zu erkennen und mir von außen Rat zu holen;
10. Bereitschaft, hinsichtlich der Entscheidungskompetenz die Grenzen zu akzeptieren und das Prinzip der Subsidiarität gelten zu lassen, das von oben nach unten und von unten nach oben gilt;
11. Bereitschaft, eine Entscheidung mitzutragen, wenn sie meinem Gewissen nicht widerspricht;
12. Bereitschaft zum Widerstand, wenn mir dies im Geist geboten erscheint.
Hinweise für eine Deliberatio communitaria
1. Voraussetzungen:
- Die Gruppe will sich als Glaubensgruppe verstehen;
- die Gruppe will nicht nur zusammenarbeiten, sondern diese Zusammenarbeit aus dem Glauben verstehen und zu Entscheidungen finden;
- die Gruppe kennt den Rahmen ihrer Entscheidungskompetenz.
2. Innere Voraussetzung für den einzelnen:
- Jede Form von Überredung der anderen vermeiden;
- Argumentieren, als seien alle Außenstehende, so dass Abhängigkeiten in den gegenseitigen Beziehungen vermieden werden;
- Bereitschaft, sich zu unbequemeren – wie es zunächst aussieht – Lösungen hinzuneigen;
- Fähigkeit zur persönlichen Entscheidung;
- Bereitschaft, im Gebet und Fasten auch zur Umkehr zu finden, zur Umkehr von der Fixierung auf das je Eigene.
3. Arbeitsschritte:
a) Darstellung der Sachlage
Klärung der Fragestellung;
Wahl einer sachgemäßen Verfahrensordnung, beziehungsweise Suche nach einem kompetenten Begleiter.
b) Erster Austausch und Beschreibung von Alternativen.
c) Beten, um zu klären, gegenüber der beratenden Sache, den vorgeschlagenen Alternativen und den Personen eine innere Unabhängigkeit zu gewinnen.
d) Einzelreflexion und Gebet, um sensibel zu werden, was bei den angebotenen Lösungen mehr zu Gott hinneigt oder eher von ihm wegführt.
e) Anhörkreis: Ohne Diskussion wird über die Regungen auf die einzelnen Lösungsvorschläge gesprochen;
nach einer kurzen persönlichen Reflexion werden Fakten ausgetauscht und weitere Sachfragen geklärt.
f) Sich noch einmal zurückziehen und bedenken.
g) Eine Lösung anzielen oder eine Reifung der Lösung abwarten.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Interview mit Bischof Genn: Wenn der Geist die Sitzung leitet (22.07.2010)
Dokumentiert: Impulsreferat von Felix Genn: Umgang mit den Umbrüchen unserer Zeit (22.07.2010)
Dossier: Bischof Felix Genn
Text: Bischof Felix Genn
22.07.2010
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