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Seite: Aktuelles  >  Predigt Bischof Genn anlässlich der Bischofsweihe Bahlmann
11.02.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn anlässlich der Bischofsweihe von Johannes Bahlmann

Bistum. Am Samstag (09.05.2009) hat Bischof Felix Genn Pater Bernardo Johannes Bahlmann im münsterschen St.-Paulus-Dom zum Bischof für Brasilien geweiht. In dem Weihegottesdienst predigte er. kirchensite.de dokumentiert die Vorlage seiner Predigt.

Verehrte, liebe Mitbrüder im Bischöflichen-, Priesterlichen- und Diakonenamt, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, lieber Mitbruder Bernardo Johannes! Gerne greife ich die Begrüßung unseres Dompropstes auf, mit der er Sie alle willkommen geheißen hat und füge sie ein in den franziskanischen Gruß: "Pax et Bonum", "Pace e Bene", "Friede und alles erdenklich Gute". Das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen. Es ist der Gruß der franziskanischen Gemeinschaft, der Gruß des Ordensgründers Franziskus. Dieser Gruß gilt besonders den Mitbrüdern im Bischofsamt und allen, die aus Brasilien hier anwesend sind. Wir spüren sehr, wie tief wir als Weltkirche in dieser Stunde verbunden sind: Von Visbek bis Obidos, vom Oldenburger Land bis nach Brasilien. Hier wird deutlich, dass Kirche Globalisierung lebt, wie tief wir Weltkirche sind, wie das Wort von der Globalisierung, das heute in vielerlei Weise gebraucht wird, bei uns in der Kirche die lebendige Wirklichkeit des Glaubens zum Ausdruck bringen kann.

Liebe Schwestern und Brüder, vor allem liebe Mitbrüder im Bischofsamt, es ist mir eine ganz große Freude, in dieser Stunde einen Sohn des heiligen Franziskus zum Bischof zu weihen, einen Sohn unseres Bistums Münster. Ich trage an diesem Tag einen Stab, der in der Krümme das dichteste Bild des Lebens dieses großen Ordensgründers enthält: Franziskus schaut auf den gekreuzigten Herrn - ein franziskanisches Bild. Diesen Stab trug im 19. Jahrhundert ein Sohn des Münsterlandes, der in den Vereinigten Staaten und später in Italien tätig gewesen ist - auch damals schon Weltkirche, verbunden mit der Heimat hier. Das Brustkreuz, das ich trage, wurde dem Bekennerbischof Johannes Bernhard Brinkmann von Papst Pius IX. geschenkt, der es wiederum erhalten hatte von Bischof Gonzales in Olinda im Nordosten Brasiliens. Vom 19. Jahrhundert bis zur Stunde Weltkirche, verbunden in dem Frieden und in den Wegen, die der Herr uns schenkt: "Pax et Bonum – Friede und alles erdenklich Gute."

Wer sich nur oberflächlich das bisherige Lebenswerk des neu erwählten Bischofs anschaut, spürt, wie sehr sein Leben durchdrungen ist von diesem Anliegen, den Menschen in Brasilien, gerade den Ärmsten der Armen, das Beste zu bringen und Frieden zu stiften im Dienst an den Armen. Er kann es nur aus der tiefen Verbundenheit und im Aufblick zum gekreuzigten Christus, ganz so, wie es ihm sein Ordensvater Franz von Assisi vorgezeichnet hat.

Als der heilige Franz von Assisi diesen Gruß sich zu Eigen machte, griff er zurück auf die Aussendungsrede Jesu an seine Jünger und Apostel. Sie sollten den Menschen, denen sie begegnen, als erstes sagen: "Der Friede sei mit Euch" (vgl. Mt 10, 12).

Als Pater Johannes mich anrief und mir mitteilte, dass er Bischof von Obidos werde und mich bat, am heutigen Tag seine Weihe vorzunehmen, fragte ich ihn, wie er sich denn angesichts dieser Ernennung fühle. Dann sagte er: "Ich kann jetzt Missionar sein." Das ist genau die Linie, die von jenem Augenblick ausgeht, als Jesus seine Apostel aussandte, den Menschen Frieden zu bringen und sie fügt sich gut ein in die Linie Deines Werkes bisher. Jetzt kannst Du im amtlichen Auftrag den Herrn vergegenwärtigen und Seinen Frieden stiften und zu den Menschen bringen als Verkünder des Evangeliums, als Nachfolger der Apostel, ganz in der Linie des Erlösers Jesus Christus.

Ein besonderes Zeichen Deiner Sendung wird sein, dass Du immer die Gläubigen bei der Feier der Liturgie  mit jenem Gruß begrüßt, den Jesus als erstes Wort seinen Jüngern schenkte, als er ihnen nach seiner Auferstehung begegnete, als er aus dem Tod zum Leben kam, da sagte er: "Der Friede sei mit Euch." Das ist das Beste, was er uns geben kann. Er weiß, wovon er spricht, wenn er als aus dem Tod Gekommener, als Auferstandener, als Erstes den Frieden kündet; denn jeder von uns weiß, wie sehr ihm der Tod Unruhe und Angst macht. All die Mächte des Todes, die gerade die Ärmsten der Armen erleben, lassen Frieden unmöglich sein, vielmehr zeigen sie von der Gegenseite, wie tief die Sehnsucht nach Frieden und nach Wohlergehen ist und sie offenbaren zugleich, wie machtvoll sich in ganz unterschiedlichen Formen der Tod in das Leben der Menschen hinein graben kann.

Liebe Schwestern und Brüder, der Dienst, den Pater Bernardo Johannes als Bischof übernimmt, kann gar nicht schöner ausgeleuchtet werden als durch die Texte, die wir eben aus dem Schatz der Heiligen Schrift vernommen haben. Dort können wir noch einmal in der ganzen Breite und Vielfalt einerseits und zugleich in der Tiefe und Dichte andererseits erfahren, was dieser franziskanische Gruß an Inhalt enthält: "Friede und alles Gute!"

Wir haben eben bei der Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja spüren dürfen, wie sehr diese Worte bis jetzt schon das Leben von Pater Bernardo Johannes geprägt haben, den Menschen, die zerbrochenen Herzens sind, Heilung zu bringen. Was hat er anderes getan in den zurück liegenden Jahren seines Dienstes in Brasilien als den Gefangenen die Fesseln zu nehmen! Welche Bilder können da in seinem Herzen aufsteigen, wenn er eine solche Verheißung des Propheten, Jahrhunderte vor Christus, hört? Es ist jetzt und hier in seinem Leben konkret geworden.

Und dann ein Blick nach der Auferstehung. In der zweiten Lesung aus dem 1. Petrusbrief deutet ein Verfasser am Ende des 1. christlichen Jahrhunderts den Dienst des Hirten aus dem Lichtkegel der Auferstehung aus. Er macht den Hirten in der Kirche deutlich, dass sie ihren Dienst nicht aus Gewinnsucht tun, sondern freiwillig, nicht als Beherrscher ihrer Gemeinden, sondern als Diener und Hirten für die Herde.

Nachher werde ich im Weihegebet um ein reines, gütiges und lauteres Herz für den Kandidaten bitten. Hat er das nicht jetzt schon? Bekommt es nicht durch die Weihe noch einmal eine neue Tiefe, weil es vom Herrn erbeten wird, im Aufblick zum Gekreuzigten geschenkt werden kann? Deshalb verdichtet sich das Wort aus dem Buch des Propheten Jesaja, Jahrhunderte vor Christus, das Wort, aus dem 1. Petrusbrief, Jahrzehnte nach Christus, in der Rede vom Guten Hirten, aus dem der neu erwählte Bischof seinen Wahlspruch genommen hat: Dieses Bild des Hirten, das Jesus sehr realistisch zeichnet, indem er auch das Gegenbild malt: Das Bild dessen, der sich nicht um die Herde kümmert, sondern der es aus Gewinnsucht tut, der die anderen für sich benutzt.

Da denke ich an ein Wort unseres neu erwählten Bischofs über die Würde gerade auch der Armen. Er hat mir gesagt, man kann den Armen nicht eine Würde geben, als ob ich sie ihnen geben könnte, als ob ich sie für sie hätte, sondern man kann ihnen nur helfen, dass sie die Würde, die sie haben, für sich selbst entdecken - und das macht sie frei: Dass sie spüren können, welche tiefe Würde ihnen, auch in ihrem größten Elend, nicht genommen werden kann. Wir tun den Dienst an den Menschen nicht herablassend, sondern weil wir in ihnen Menschen erblicken, die ganz tief von Gott geliebt, von Gott angeschaut sind und denen diese Anschauung durch Gott von keinem Elend genommen werden kann.

Liebe Schwestern und Brüder, das will Jesus mit dem Bild vom Guten Hirten zeigen. Er selber bezeichnet sich als der Gute Hirte. Ein Bild aus der Landwirtschaft, die der Biographie von Pater Johannes Bernardo nicht fremd ist. Denn der Hirt müht sich ja darum, dass die Schafe leben, dass sie eine gute und nicht eine karge Weide haben. Und der Hirt kennt seine Schafe. So spricht Jesus davon, dass er sie auf die gute Weide führt. Es ist das Leben, das sie mit ihm und in der Gemeinschaft mit ihm führen können. Wer mit diesem Jesus von Nazareth in Beziehung steht, der ist auf der guten Weide des Lebens, denn er steht in Beziehung mit dem, der das Leben selber ist. Wie wird diese gute Weide vom Bischof geschenkt? Durch den Tisch des Wortes Gottes. Immer wieder neu bereitet der Bischof durch die Verkündigung des Evangeliums diesen Tisch des Wortes.

Liebe Schwestern und Brüder, vielleicht ist mancher unter Ihnen, der das soziale Wirken von Pater Johannes in den zurückliegenden Jahren sehr zu schätzen gelernt hat, der aber spürt, dass hier eine Grenze ist. Warum soll ausgerechnet das Evangelium die Not dieser Menschen beheben? Ich lade Sie ein, einen Spalt Ihres Herzens zu öffnen, vielleicht durch die Feier dieser Liturgie erahnen zu können, welcher Wert im Wort des Lebens steckt. Ich kann es Ihnen versuchen zu öffnen, wenn ich auf das Wort zugehe, das Jesus von den Hirten sagt: "Ich kenne die Meinen. Und die Meinen kennen mich" (Joh 10, 24). Er behauptet uns zu kennen. Das kann er nur aus der ihm von Gott gegebenen Fülle. Weil er nicht ein einzelner Mensch ist, sondern weil er Gott-Mensch ist. Er kennt uns von innen her. Wer sich in die Beziehung mit Ihm begibt, der wird spüren, welche magnetische Kraft aus der Liebe seines Herzens strömt. Der wird spüren, dass ihm das Herz aufgehen kann.

Vielleicht kann ich es Ihnen dadurch noch verständlicher machen, dass ich auf eine Charakterisierung von Rheinländern zurückgreife, die Ihnen aus dem Oldenburger Land und dem Münsterland vielleicht auch nicht unvertraut ist. Es gibt ja Menschen, da steht man davor und weiß kaum, wie man sie charakterisieren soll. Dann hilft sich der Rheinländer und sagt: "Der ist eigen." Es gibt Menschen, die sind wirklich eigen. So kennt Er auch uns, wenn wir eigen sind. Er kennt jede Eigenheit, auch von denen, die in den Favelas leben. Auch von denen, die Pater Bernardo betreut hat in seinen unterschiedlichen Sozialwerken, und denen er begegnen wird, wenn er nach Obidos kommt. Deshalb sind sie jetzt schon mit uns verbunden, diejenigen, die ihm damals anvertraut waren und die ihm jetzt anvertraut werden, weil der Herr jede Eigenheit kennt.

Können Sie sich das vielleicht zu Eigen machen? Das Experiment wagen, in die Kenntnis Jesu einzutreten? Dann dürfen Sie auch erfahren, dass der zweite Teil des Satzes stimmt: "Und die Meinen kennen mich." Dazu ist der Bischof da. Den Menschen zu helfen, dass sie Ihn kennen, dass sie Ihn kennen lernen. Dabei wird er in eine Bewegung hinein gestellt, die in den göttlichen Ursprung selber reicht: "Wie mich der Vater kennt und wie ich den Vater kenne" (ebd. 14). So tief kennt er mich, so tief kann ich ihn kennen lernen!

Liebe Schwestern und Brüder, viele von Ihnen kennen diese Erfahrung. Es gibt eine untrügliche Sicherheit, sozusagen ein Gespür in der Nase: Das kommt vom Herrn, und das kommt nicht von Ihm. Zu dieser Unterscheidung zu verhelfen ist der Dienst der Verkündigung da. Zu dieser Unterscheidung zu verhelfen wird uns die Feier der Sakramente geöffnet. Zu dieser Unterscheidung zu verhelfen hat der Bischof den Auftrag, immer wieder Verkünder des Wortes im Diakonat und im Priesteramt auszusenden und zu weihen.

Liebe Schwestern und Brüder, "für alle das Leben in Fülle" (ebd. 10). Das will unser Mitbruder Bernardo Johannes bringen. Er kann es nur, weil er vom Herrn her kommt. Aber darin bringt er Frieden und alles Gute. Darin liebt er die Menschen am meisten, weil er ihnen diese Dimension nicht vorenthält und sie so ganz ihre Würde entdecken und finden können.

Ich wünsche Dir, lieber Mitbruder, dass Dir immer wieder neu geschenkt ist zu spüren, wie Du den Menschen das Leben bringst, weil Du Christus bringst. Und ich wünsche Dir, dass Du das Bild aus der Krümme des Bischofsstabes, mit dem ich Dich heute weihen darf, in Deinem Herzen bewahrst: Auf den Herrn zu schauen, ganz gleich, in welchen Wirbel der Liebe er Dich hinein zieht. Amen.

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  1. Öffnet externen Link in neuem FensterEinsatz im Norden Brasiliens: Johannes Bahlmann zum Bischof geweiht (09.05.2009)

Text: Bischof Felix Genn
09.05.2009

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