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23.05.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn in der Osternacht

Bistum. Bischof Felix Genn feierte in der Osternacht (12.04.2009) die Eucharistie im münsterschen St.-Paulus-Dom, in der er auch predigte. kirchensite.de dokumentiert die Vorlage seiner Predigt.

Liebe Mitbrüder im Bischöflichen-, Priesterlichen- und Diakonenamt, verehrte, liebe Schwestern und Brüder, die Sie unseren Dom so stark füllen in dieser Hochheiligen Nacht! Sind Sie mit mir der Meinung: "Es kann uns doch gar nichts Besseres passieren, als Christ zu sein!" Würden Sie das so sagen? Jedenfalls der Schwung, den die Liturgie in dieser Nacht verbreitet, ist ganz voll davon, dass uns das geschehen ist, dass wir Christen geworden sind. Welch ein Glück. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass mancher von Ihnen in diesem Augenblick hier etwas zurück schreckt oder skeptisch Fragen in Herz und Mund hat. Aber das, was die Kirche in dieser Nacht feiert, ist die tiefe Überzeugung, das beste Bekenntnis, die Klarsicht des Glaubens, dass das das Beste ist, was es auf der Welt gibt: Christ sein zu können, dass das unsere größte Würde ausmacht.

Liebe Schwestern und Brüder, der erste Bischof unseres Bistums, der heilige Liudger, hat den Apostel Paulus ausgewählt, damit er als Schutzpatron über die Kirche von Münster wachet. Das bedeutet, dass dieser Mann, dieser Völkerapostel, in ganz besonderer Weise leuchtendes Vorbild für alle Christen dieser Region sein soll. Genau das, was ich eingangs sagte, hat er erlebt. Er war fest davon überzeugt, dass das, was die Anhänger des Nazareners sagten, nicht in der Spur der Glaubensgeschichte Israels ist. Dass es so nicht sein kann mit dem, was Gott verheißen hat durch seine Propheten und worauf das ganze Sehnen Israels sich hingestreckt hat. Doch dann erfährt er: das was die Frauen damals - wir hörten es eben - am dritten Tag nach dem Tod erlebt hatten, ist  tatsächlich wahr.

Diese Frauen hatten einen Leichnam gesucht und erhielten die Botschaft, der gesuchte Leichnam ist der ewig lebende Herr. Und diesem Herrn begegnet Paulus. Das stürzt sein Leben um. Alles, was ihm vorher wichtig war, was große Bedeutung in seinem Leben ausmachte, erachtet er gewissermaßen als Kehricht (vgl. Phil 3, 8). Und er hat nur eine einzige Sehnsucht, nämlich diesen Christus noch tiefer zu erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinem Leiden (vgl. ebd. 10).

Liebe Schwestern und Brüder, diese innere Faszination hat Paulus zu den Völkern getrieben, damit alle es erfahren. "Hört, der Tod ist tot. Dieser Gekreuzigte lebt." Du hast Hoffnung. Nimm es an. Öffne dich der Erkenntnis dieses Herrn. Liebe Schwestern und Brüder, diese Nacht ist erfüllt vom Jubel über diese Botschaft. Was bietet die Kirche alles auf, um das zu feiern, um Gott zu loben, dass er das in seinem Christus fertig gebracht hat. Dass der Mensch nicht zerstört werden kann durch die Macht des Todes, sondern dass jeder von uns, der sich diesem Christus öffnet, erfahren darf, dass es die Macht der Auferstehung gibt. In dieser Nacht nimmt sie alle Elemente der Erde zusammen: Das Feuer aus Stein geschlagen - normalerweise hat man das früher so gemacht -  wird zum Licht, das die Finsternis vertreibt. Gott ist Licht. Er ist Licht auch im Dunkel des Todes. Unsere Erde ist erfüllt von dieser Luft und Atmosphäre des Lebens. Das Wasser bringt uns in Verbindung mit der heilenden, erneuernden und reinigenden Kraft, die davon ausgeht, wenn ein Mensch diesem Christus glaubt. Der Lobgesang der Osterkerze überschlägt sich förmlich vom Jubel darüber, was in dieser Nacht geschehen ist: "O unfassbare Liebe des Vaters, den Knecht zu erlösen, gabst du den Sohn dahin. Dies ist die Nacht, die Himmel und Erde versöhnt, die Gott und die Menschen verbindet".  Ja, die Kirche wagt es sogar, die Schuld glücklich zu preisen: "O felix culpa!" Ein Wort, das ich natürlich aufgrund meines Namens besonders liebe und vielleicht wenige Tage nach meiner Einführung noch etwas naiv und ohne falsche Demut aussprechen kann. "O Glück verheißende Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden!"

Dies ist die Nacht, liebe Schwestern und Brüder, in der das geschehen ist. Und jeder von uns, der getauft worden ist, ist genau mit diesem Geschehen tief verbunden worden. Zusammengepflanzt, sagt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer, die er noch einmal daran erinnern muss, was in der Taufe geschehen ist: "Wisst ihr denn nicht, dass wir alle die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?" (Röm 6, 3). Wisst Ihr denn nicht, dass alle, die mit diesem einmaligen Geschehen mit einer fortdauernden Wirkung verbunden wurden - Sie und ich -  Dank sagen können, weil wir  getauft sind? Man kann nur dankbar sein, dass man getauft ist, tief verbunden mit diesem Lebensgeschehen, das den Tod des Sohnes gekostet hat.

Liebe Schwestern und Brüder, oft wird heute gesagt: Wie kann die Kirche weiter leben? Bei so vielen Meinungen, Ideologien, bei einem solch großen Markt an Sinnangeboten. Es braucht die Frauen und Männer wie Paulus und die Frauen damals am Grab, die einfach und tief darüber froh sind, dass sie diesem Christus begegnen durften, dass sie mit Ihm zusammengebunden wurden und deshalb von dieser Verbindung her die Kraft empfangen, eine neue Welt zu gestalten, die eben nicht mehr der Finsternis des Bösen, das nur zum Tod führt, verfällt, sondern aufbaut aus der Liebe, die unermesslich ist zum Leben.

Liebe Schwestern und Brüder, die Schöpfung beginnt mit der Scheidung von Licht und Finsternis. Wir sind neue Schöpfung und empfangen aus der Taufe und aus der Erinnerung an die Taufe in dieser Nacht die Kraft zu unterscheiden. Was alt ist, muss weg. Wir haben es nicht nötig zu hassen. Wir haben es nicht nötig, immer wieder auf dem herum zu hacken, der uns nicht so liegt. Wir haben es nicht nötig darauf zu beharren, der Beste zu sein, unsere Karriere zu bauen, weil wir meinen, damit den Raum des Lebens nur ein wenig zu vergrößern.

In Christus haben wir es nicht nötig; denn in Ihm haben wir das Leben, in Ihm haben wir die Hoffnung, in Ihm dürfen wir sagen: Ich weigere mich nicht zu hoffen. So fantasielos werde ich nicht über die Erde gehen. Lassen wir uns in diesen österlichen Festtagen neu den Geschmack daran geben wie kostbar es ist Christ zu sein, dass uns wirklich nichts Besseres passieren konnte!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen und Ihren Familien, allen, denen Sie verbunden sind - auch im Namen meines verehrten Vorgängers Bischof Reinhard, der Mitbrüder im Bischofsamt und im Domkapitel - eine erfüllende, glückselige, gnadenreiche Feier von Ostern. Amen.

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  1. Öffnet externen Link in neuem FensterFeier der Osternacht: Genn fordert mehr Mut zum Bekenntnis (12.04.2009)

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