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Seite: Aktuelles  >  Predigt Bischof Genn Christi Himmelfahrt 2009
23.05.2012
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Dokumentiert:

Predigt von Bischof Genn zu Christi Himmelfahrt

Bistum. Am Hochfest Christi Himmelfahrt (21.05.2009) feierte Bischof Felix Genn im münsterschen St.-Paulus-Dom einen Gottesdienst worin er auch predigte. kirchensite.de dokumentiert die Vorlage seiner Predigt.

Liebe Mitbrüder im Bischöflichen-, Priesterlichen- und Diakonenamt, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, liebe Mitglieder der verschiedenen Chöre, die heute morgen hier in unserem Dom das Lob Gottes erklingen lassen! Es ist, so denke ich, ein sehr schönes Zusammentreffen: Die Gründung der "Capella Ludgeriana" als Knabenchor am Münsteraner Dom mit dem heutigen Fest "Christi Himmelfahrt". Was berechtigt uns, das Lob Gottes so kraftvoll zu singen, wenn wir nicht glauben können, dass das, was wir bekennen, stimmt? Das bekommt heute, an diesem Hochfest, einen ganz besonderen Akzent. Wir bekennen, dass dieser Jesus von Nazareth die Schwelle des Todes nicht nur überschritten hat, sondern dass er dafür gesorgt hat, dass das nicht eine endgültige Grenze für uns ist. Wir bekennen, dass dieser Jesus von Nazareth zu Gott gehört, dass er zur Rechten des Vaters sitzt. Das bedeutet, dass ein Mensch, dieser Mensch Jesus von Nazareth, der ewige Sohn Gottes, in der Herrlichkeit Gottes lebt. Es beduetet, dass der Mensch erhöht ist.

Johann Sebastian Bach hat am Ende seines Weihnachtsoratoriums schon bekannt: "Bei Gott hat seine Stelle das menschliche Geschlecht." Erst recht gilt das heute, wenn wir den Aufstieg des Auferstandenen zum Vater feiern. Bei Gott hat der Mensch seinen Platz. Der Mensch in diesem Jesus von Nazareth ist in die Höhe gehoben. Welche Würde! Das bedeutet doch, liebe Schwestern und Brüder, dass auch wir, die wir uns zu Ihm bekennen, unseren Platz haben, dass die Schwelle des Todes auch für uns nicht eine endgültige Grenze ist, dass unsere Hoffnung berechtigt ist, dass unsere Geschichte nicht ein zielloser Lauf ist, der irgendwo einmal im Chaos oder, man weiß nicht wo, endet, sondern eine Zielgerade hat und dass der Mittelpunkt der Weltgeschichte nicht nur dort ist, wo man ihn sichtbar aufnehmen kann, sondern überall dort, wo Er als der Auferstandene durch das Wort der Verkündigung der Kirche hingelangt.

Liebe Schwestern und Brüder, wenn jemand sich diesem Jesus von Nazareth nähert, wenn er sich mit seiner Person beschäftigt und auseinandersetzt und den Glauben finden kann, dass das wahr ist mit Ihm, der kann gar nicht anders als jubeln, dass uns so etwas geschenkt ist, dass das möglich ist und dass es für mich Wirklichkeit wird und endgültig werden kann. In der Liturgie greift die Kirche am heutigen Tag einen Vers aus dem 47. Psalm auf: "Ihr Völker alle, klatscht in die Hände." Die Liturgie, vor allem der Gesang, ist dieser Applaus der Kirche, dass Gott das geschafft und so uns ermöglicht hat. Und zwar für alle Völker, nicht nur für Menschen, die in einer bestimmten Region oder zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern "ihr Völker alle klatscht in die Hände. Jauchzt Gott zu mit lautem Jubel."

– Sehr schön, hier vorne sitzt ein Kind, das in diesem Augenblick schon in die Hände klatscht. Auch Du hast es verstanden: "Ihr Völker alle klatscht in die Hände." –

Deshalb unterstützt uns die Musik mit diesem Applaus und in diesem Applaus. Wir danken, dass Er seinen Platz bei Gott hat und dass wir dort für uns einen Platz finden können. Deshalb können wir unsere Herzen erheben, ohne den Blick ständig unverwandt dem Himmel empor zu halten, sondern gerade deshalb, weil wir aus einer solchen Hoffnung leben, können wir den Auftrag des Herrn aufnehmen, den er uns durch das, was wir in der Apostelgeschichte gehört haben und durch den Text des Markusevangeliums überträgt: "Ihr sollt meine Zeugen sein" (Apg 1, 8). Dafür sind wir Zeugen, für diese Hoffnung, für diese Glaubenswirklichkeit. Das tragen wir zu den Menschen bis an die Grenzen der Erde, d. h. bis in alle Dimensionen unseres Menschseins, bis an alle jene Punkte, wo wir denken, das sei nun außerhalb der Wirklichkeit Gottes. Auch dort können wir es hin tragen. Wir brauchen dazu nicht bis Alaska oder Australien zu gehen, obwohl wir uns freuen dürfen, dass die Botschaft auch bis in die fernsten Regionen der Erde gekommen ist. Wir brauchen nur an unsere Lebensumfelder zu denken, die noch nicht von dieser Botschaft des Auferstandenen berührt sind.

Freilich, liebe Schwestern und Brüder, gehört es dazu, dem zu folgen, was der Apostel Paulus im Epheserbrief sagt Dass wir das ganz tief in uns aufnehmen. Von uns aus schaffen wir das nicht. Deswegen formuliert Paulus das in der Weise eines Gebetes: "Der Gott der Herrlichkeit, der Vater Jesu Christi, gebe Euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid und welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Gläubigen schenkt" (Eph 41, 17-18).

Ich wünsche Ihnen, dass Sie das immer tiefer in Ihrem Herzen aufnehmen, dass Sie sich, nicht nur von der Musik des heutigen Tages, sondern von der Botschaft im Alltag innerlich erfüllen lassen, die uns Jesus geöffnet hat. Dann können wir Zeugen sein. Wir können es. Natürlich sollen wir es, wenn er es uns sagt, aber wir können es auch, wir dürfen es, Seine Zeugen sein. Überall da z. B., wo dämonische Kräfte sich ausbreiten. Dabei brauchen wir nicht an irgendwelche exotischen Wirklichkeiten zu denken. Ist nicht eine Situation des Hasses, der Rachsucht eine dämonische Kraft? Und wie zerstörerisch kann das sein, wenn Beziehungen ein für alle mal ungeheilt bleiben, wenn Menschen nicht davon weg kommen, hassen zu müssen. "Treibt Dämonen aus" (vgl. MK 16,17). Wenn wir erfüllt sind von dieser Hoffnung und von diesem Reichtum seines Erbes, dann ist die Kraft der Liebe so stark, dass sie das ausbrennen kann, vielleicht nicht auf einmal, aber deshalb, weil wir unermüdlich dran bleiben, uns nicht von der Liebe abbringen zu lassen.

Dann können wir auch Kranke heilen (vgl. ebd. 18), kranke Situationen, kranke Beziehungen, kranke Herzen. Wenn Menschen einem Christen begegnen, kann davon eine heilende Kraft ausgehen. Das meint Er, wenn Er sagt: "Treibt Dämonen aus." Oder wenn berichtet wird, sie heilten Kranke. Wir denken dann gleich an Mirakel und ganz wunderbare, außergewöhnliche Ereignisse und schreiben diesen Satz schon einmal für uns ab. Aber vielleicht könnten manche heute Morgen von Ihnen erzählen, wie durch Ihre Anwesenheit, durch Ihr Wort des Trostes, Heilung passiert. Trauen Sie ihr, der Zumutung und Zusage des Auferstandenen, dass wir, wenn wir in seinem Namen gehen, das vermögen, Zeugen zu sein.

In einer Untersuchung, wie das Christentum in den Anfängen sich ausbreitete, las ich einmal, dass das nicht durch irgendwelche außergewöhnliche Events oder Aktionen geschah, sondern vor allem durch zwei Dinge: Dass Menschen Christen begegneten und spürten: Da sitzt was, das zur Frage anregt. Und deswegen passt die Bemerkung in diese Stunde, dass die Christen gesungen haben. Sie, die Mitglieder dieser Chorgemeinschaft, sind auf diese Weise Zeugen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie immer tiefer erfassen, was Sie singen. Dass das nicht einfach vom Blatt gelesen wird, sondern das Herz erfüllt, dann wird Ihre Musik doppelt reicher und Sie werden auf diese Weise Zeugen, dass man Gott zujubeln kann, weil er von uns Menschen in seiner Treue nicht ablässt. Lasst uns also an diesem Morgen beten, dass wir dem treu sind, der uns so treu ist. Amen.

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  1. Öffnet externen Link in neuem Fenster"Bei Gott hat der Mensch seinen Platz" (21.05.2009)

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