Dokumentiert:
Predigt von Bischof Genn in der Vesper am Heiligabend 2011
Bistum. Bischof Felix Genn hat am Heiligabend (24.12.2011) der ersten Vesper zum Weihnachtsfest in der münsterschen St.-Lamberti-Kirche vorgestanden und darin gepredigt. - kirchensite.de dokumentiert die Vorlage seiner Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder!
Mit der Liturgie dieser 1. Vesper treten Sie in der Gemeinschaft der Kirche ein in das große Fest der Geburt Jesu Christi. In wenigen Stunden werden Sie sich in Ihren Familien und Gemeinschaften versammeln, um Weihnachten zu feiern und sich einander zu beschenken. Sie tauschen Geschenke, Gaben aus; das gehört einfach zu diesem Fest dazu. Es ist möglich, dass Sie dabei den Hinweis vernehmen, Sie könnten gerne auch umtauschen, weil das Geschenk nicht passt. Selbst dann, wenn Sie an diesem Abend allein sind, ist es durchaus möglich, dass Sie diesen Austausch der Geschenke schon in den vorweihnachtlichen Tagen vollzogen und dabei vielleicht auch diesen Satz gehört haben. Geschenke umzutauschen, das wird sicherlich in den Tagen nach Weihnachten den Betrieb in unseren Kaufhäusern bestimmen.
Das Bild vom Tausch gehört zur Liturgie der Weihnacht. Um das Geheimnis, das die Kirche in diesen Tagen feiert, tiefer zu verstehen, hat schon der Apostel Paulus das Bild vom Tausch gebraucht. In seinem zweiten Brief an die Gemeinde in Korinth spricht er davon: „Denn ihr wisst, was Jesus Christus, unser Herr, in seiner Liebe getan hat: Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen“ (2 Kor 8,9).
In einem Gebet der weihnachtlichen Liturgie spricht die Kirche Gott, den Vater, an mit den Worten: „Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen: Dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch, und wir sterbliche Menschen empfangen in Christus dein göttliches Leben“ (3. Weihnachtspräfation).
Papst Benedikt XVI. hat auf seiner Deutschlandreise in seiner letzten Ansprache in Freiburg dieses Bild vom wunderbaren Tausch im Anschluss an die Theologie der alten Kirche aufgegriffen und es so beschrieben: „Die Väter legen es so aus: Wir haben Gott nichts zu geben, wir haben ihm nur unsere Sünde hinzuhalten. Und er nimmt sie an und macht sie sich zu Eigen, gibt uns dafür sich selbst und seine Herrlichkeit. Ein wahrhaft ungleicher Tausch, der sich im Leben und Leiden Christi vollzieht. Er wird Sünder, nimmt die Sünde auf sich, das Unsrige nimmt er an und gibt uns das Seinige“ (Rede im Konzerthaus in Freiburg am 25.09.2011).
Indem Gott Mensch wird, also mit uns tauscht, schenkt er uns seine unfassliche Liebe. Obwohl wir ihm nichts Angemessenes anzubieten haben, kennt er keinen Umtausch. Er bleibt der, der mit uns geht. Dadurch aber ermöglicht er uns, so denkt Papst Benedikt XVI. diesen Gedanken weiter, wirklich zu Schenkenden zu werden. Indem Gott sich uns so gibt, eröffnet er uns den tiefen Sinn allen Schenkens, Zeichen selbstloser Liebe zu sein. So ermöglicht er uns, zu wirklich selbstlos Schenkenden zu werden.
Liebe Schwestern und Brüder, indem Sie durch die Tür dieser Liturgie gegangen sind, haben Sie den Raum des Geheimnisses betreten, das die Kirche an Weihnachten feiert. Ich möchte Ihnen von Herzen wünschen, dass Sie sich von dem erfüllen lassen, was in diesem Raum alles zu finden ist, dass Sie immer mehr durchdrungen werden von der Atmosphäre dieses Raumes, dieser umsonst sich verschenkenden göttlichen Liebe. So wünsche ich Ihnen, dass Sie zu schenkenden Menschen werden. Indem Sie erfahren, was Gott uns gibt, werden Sie spüren: Es ist ein Geschenk, das man nicht umzutauschen braucht, ein Geschenk, das kein Verfallsdatum kennt. In diesem Sinne darf ich Ihnen, Ihren Familien und allen, denen Sie verbunden sind, wünschen: Gnadenreiche Weihnachten! Amen.
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Text Bischof Felix Genn
24.12.2011
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