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18.01.2018
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Das Lampedusa-Kreuz im Jugendgottesdienst in Recklinghausen.

Kerzen als Zeichen des Mitgefühls: Das Lampedusa-Kreuz im Jugendgottesdienst in Recklinghausen.

Lampedusa-Kreuz erinnert an Flüchtlinge

Zwei Schiffsplanken, die Gott ins Boot holen

Recklinghausen / Bistum. Da steht es im Licht des blauen Scheinwerfers. Und es scheint an diesem Abend keinen besseren Ort zu geben. Die Jugendlichen in der St.-Paulus-Kirche in Recklinghausen entzünden Kerzen. Nach und nach wächst das Lichtermeer vor den schnörkellosen Holzbrettern. Jede Flamme soll erinnern. An Menschen, die ihr Leben ließen – auf der Flucht über das Mittelmeer nach Europa. Weil die Anschläge in Paris nur wenige Stunden zurückliegen, brennen sie auch für die Opfer des Terrors dort.

Was für eine Ausstrahlungskraft haben die Planken, die ein italienischer Künstler am Strand von Lampedusa aufsuchte, um daraus ein Kreuz zu fertigen! Es ist das Holz der Boote, die an den Felsen der Flüchtlingsinsel zerschellten. "Diese Menschen haben meist überlebt", sagt Stadtjugendseelsorger Holger Brox in der Jugendmesse des Projekts Areopag in Recklinghausen. "Viel zu viele andere nicht." Gestorben in den Fluten des Mittelmeers oder auf den Straßen von Paris. Sie alle nehmen die mehr als 500 Besucher in diesem Gottesdienst mit ins Gebet.

Beides habe einen Zusammenhang, sagt Brox in seiner Predigt. "Es ist dieser Terror, vor dem die Menschen, die zu uns kommen, flüchten." Erbost spricht er von dem Versuch, die Dinge gegeneinander auszuspielen. "Wie kann man es wagen, diese Attentate mit einer Verschärfung der Asylgesetze in Verbindung zu bringen!"

Intensive Begegnung

Die Begegnung mit dem Lampedusa-Kreuz ist intensiv – so unmittelbar ist seine Ausstrahlung. Die Not der Flüchtlinge wird greifbar und damit fühlbar. "Es zeigt ganz sachlich das Elend, erweitert es aber um eine spirituelle Dimension", sagt Christian Müller. Er ist im Franz-Hitze-Haus für das Projekt des Kreuzes zuständig. Wenn es nicht in der Kapelle der katholischen Akademie in Münster zum Innehalten einlädt, wandert es durch das Bistum. "Fakten und Zahlen sind uns allen aus dem Fernsehen und den Zeitungen bekannt – ein Kreuz aber ist etwas anderes als ein Medienbericht."

Denn wer sich das alles vor Augen führe, könne eigentlich nur verzweifeln. Nicht wenige würden das, wenn sie nicht einen Ort hätten, an dem sie Luft holen könnten. "Das Unfassbare der Situation einfach vor Gott bringen können", sagt Müller. "Sie holen ihn sprichwörtlich mit ins Boot." Das Mitgefühl für die Not der Flüchtlinge sei in Deutschland groß. Gerade die vielen ehrenamtlich Engagierten in den Hilfsprojekten bräuchten Raum, um ihrem Einsatz auch spirituellen Hintergrund zu geben.

Das Lampedusa-Kreuz ist dafür ein viel beachteter Impuls-Geber. Seit einigen Monaten wandert es durch Pfarrgemeinden, Verbände und Initiativen. Mal ist es im Foyer aufgestellt, mal wird es zum Mittelpunkt von Gottesdiensten. "Weil es emotional berührt, führt es zur intensiven Auseinandersetzung", weiß Müller. So habe er erlebt, wie vor der Kirche die Frage der Predigt weiter diskutiert wurde: "Wie viel Wohlstand dürfen wir uns leisten?"

Intensität auch in St.-Paulus in Recklinghausen. Dabei steht das Kreuz nicht im luftleeren Raum. Am Nachmittag hat das Team von Areopag gemeinsam mit den St.-Georg-Pfadfindern der Stadt mit Flüchtlingen gekocht. Der Duft der vornehmlich syrischen Leckereien zieht schon während des Gottesdienstes durch die Kirchenbänke.

Nähe, Verständnis und Mitgefühl werden zur sinnlichen Erfahrung. In kleinen Videos erzählen Flüchtlingskinder von dem Schrecken, den sie erlebten. Und von ihrer Dankbarkeit, endlich in Deutschland zu sein. Dann sind alle Besucher aufgefordert, sich vor einen der Spiegel zu stellen, die in der Kirche hängen. "Schaut euch an und fragt: Wie möchte ich empfangen werden, wenn ich der Fremde bin?", fordert Brox auf. Einen Geschmack, wie schön es wäre, willkommen geheißen zu werden, bekommen alle spätestens beim Verlassen des Gottesdienstes: Die am Nachmittag bereiteten Spezialitäten werden von den Flüchtlingen verteilt.

Reise durch das Bistum

Das Lampedusa-Kreuz steht in der Kapelle des Franz-Hitze-Hauses in Münster. Von dort können es Gemeinden, Verbände und Initiativen ausleihen. Im Dezember macht es Station in der Liebfrauen-Pfarrei in Münster und bei den Schönstatt-Schwestern in Borken.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Flüchtlinge

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.franz-hitze-haus.de

Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
25.11.2015

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