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30.05.2016
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Taliban

"Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet" steht auf dem Transparent dieses pakistanischen Talibans.

Fünf Behauptungen – sachlich geprüft

FAKTENCHECK (1): Ist der Islam demokratiefähig?

Attentate in Paris, vereitelte Anschläge in Belgien, Festnahmen von Verdächtigen in Deutschland: Nicht nur "Pegida"-Anhänger, auch Christen fühlen sich in ihrer Angst vor dem Islam bestätigt. Nüchterne Aufklärung tut Not: In einer Serie befasst kirchensite.de sich mit fünf gängigen Behauptungen gegen die Religionsgemeinschaft – und prüft sie sachlich.

Behauptung

Islam heißt Unterwerfung. Die Religion befürwortet Gewalt und ist nicht demokratiefähig.

Nachgeprüft

Das Wort Islam stammt vom Verb "aslama" ab und heißt "sich hingeben", "sich unterwerfen". Gemeint ist die Hingabe an Gott, das Ausrichten des eigenen Lebens auf Gott hin. Darin steckt kein Aufruf, anders- oder ungläubige Menschen zu beherrschen. Im Wort "Islam" ist auch die Wortwurzel "slm" enthalten, was auf das Wort "salam" für Frieden und Heil deutet. Für Muslime heißt das: In der Hingabe zu Gott, erfahre ich Heil und Frieden.

Johann Wolfgang Goethe, der sich viel und durchaus kritisch mit dem Islam beschäftigte, schrieb im "West-Östlichen Divan": "Wenn Islam Ergebung in Gottes Willen heißt, im Islam sterben und leben wir alle." In dem Sinn könnte jeder, der sein Leben auf Gott ausrichtet, darunter gefasst werden. So gelten im Islam etwa auch Abraham und Mose als Muslime.

Dass im Namen des Islams Gewalt verübt wird, ist unbestritten. Und es gibt Suren im Koran, die der Gewalt einen wichtigen Platz einräumen. Das heißt aber noch nicht, dass sie dadurch gerechtfertigt ist.

Der Islam besteht aus vielen Strömungen mit unterschiedlichen Auffassungen und Interpretationen des Korans, darunter auch fundamentalistischen. Wer Gewalt an Frauen rechtfertigen will, zitiert Sure 4,34: "Und wenn ihr fürchtet, dass Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie." Eindeutig ein Aufruf zur Gewalt – aus heutiger Sicht. Zur Entstehungszeit des Korans im siebten Jahrhundert war es modern: Gewalt als letzter Ausweg, wenn alle anderen Mittel versagen.

Sie wird hier graduell abgeschafft. Islamische Theologen wie der Münsteraner Professor Mouhanad Khorchide versuchen heute, eine historisch-kritische Exegese des Koran voranzutreiben. "Es ist eine schwierige Entwicklung, und es braucht Zeit. Aber wir sind auf dem Weg dahin", sagt Khorchide.

Die Schwierigkeit: Der Koran gilt als direktes Wort Gottes, dem Propheten Mohammed quasi in die Feder diktiert. So tun sich viele Muslime gerade in arabischen Ländern schwer mit einer Interpretation und fürchten Verfälschungen. Doch Khorchide ist zuversichtlich. In seinen Studenten, die später als Imame oder Islamlehrer arbeiten werden, sieht er einen neuen, reflektierten Islam.

Und wie steht es mit der Demokratie? In den wenigsten Ländern mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung gibt es eine stabile Demokratie. Der Koran besteht aus 6.236 Versen. Davon haben 80 Verse eine juristische Bedeutung – zu wenig, um aus dem Islam eine Gesetzesreligion zu machen, die der Demokratie widerspräche.

Im Gegenteil: Werte wie Gerechtigkeit, Verantwortlichkeit und Gleichheit der Menschen vereinen den Islam durchaus mit der Demokratie – und viele Muslime erkennen sie an, wie der christliche Islamexperte Pater Christian Troll von der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen sagt. Das Problem sind auch hier fundamentalistische Auslegungen, die etwa Gesetze von Gelehrten als göttlich gegeben ansehen oder die Bedeutung der Scharia missverstehen.

Aber so viele islamische Gelehrte es gibt, so viele Auslegungen der Scharia gibt es: von einem liberalen ethisch-spirituellen Weg zu Gott durch Gebet, Fasten und Nächstenliebe bis hin zum radikalen Gesetzesbuch, das Tötungen und Unterdrückung vorsieht. Im Koran existiert keine einzige Definition dazu.

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Text: Kerstin Ostendorf, CAP | Foto: Reuters
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