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26.08.2016
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Gottesdienst

Viele Besucher des Gottesdienstes am Sonntag blieben zum Mittags-Mahl auf dem Domplatz.

Pontifikalamt und Mahl beim Domweihjubiläum in Münster

Genn: "Jetzt und hier paradiesische Zustände ermöglichen"

Münster. Bischof Felix Genn hofft, dass die Feiern zum 750-jährigen Weihejubiläum des St.-Paulus-Doms ins ganze Bistum ausstrahlen. Die Christen und die Kirche seien dazu da, "paradiesische Zustände zu ermöglichen – im Jetzt und Hier, in den Gemeinden vor Ort", sagte Genn in der Predigt beim zentralen Pontifikalamt des Jubiläumswochenendes am Sonntag (28.09.2014) auf dem Domplatz in Münster.

Der Bischof bezog sich auf das Leitwort der Feiern, "Willkommen im Paradies". Das Domjubiläum werde von einer Kirche gefeiert, "in der es nicht nur paradiesische Zustände gab und gibt". Genn sagte, viele Skandale, Missbräuche, Fehler und Sünden hätten das Licht des Glaubens "verdeckt". Mit Nachdruck ergänzte er: "Ja, so ist es." Dennoch müsse es das Ziel der Gemeinden – Genn nannte beispielhaft ein Dutzend Ortsnamen aus dem Bistum – sein, den Menschen zu vermitteln: "Ich bin willkommen. Zwar nicht im Paradies, aber hier tönt es danach."

"Gott will bei dieser Kirche zu Gast sein"

Aufgaben der Pfarreien seien die Verbreitung des Glaubens, die Feier der Gottesdienste "und nicht zuletzt, sondern zuerst" der Dienst "an der Versöhnung, dem Frieden und den Ärmsten der Armen", sagte der Bischof. Gelinge das, dann könnten die Menschen sagen: "Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, Gott ist mit euch." (Sach 8,23)

"Gott will bei dieser Kirche zu Gast sein, auch wenn ihr Gewand viel weniger schön ist als das unseres Doms", unterstrich Genn. Er verwies auf das Tagesevangelium, wo Jesus dem Sünder Zachäus sagt: "Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein." (Lk 19,5)

Rund 5.000 Gläubige feierten die Eucharistie mit.

"Willkommen bei Jesus, der uns sucht"

Jesus sehne sich nach dem Menschen, der suche. Jesus sei der, der glaubhaft sagen könne: "Willkommen im Paradies." Der Bischof ergänzte: "Wir sind willkommen bei dem, der uns sucht. Der gekommen ist, zu retten, was verloren ist." Dieser Ton gehe aus vom Dom: "Welch ein Ton!" Genn bezog sich auf die Ton- und Lichtinszenierung "Son et Lumière", die beim Domjubiläum zu erleben war. Der St.-Paulus-Dom könne "nach Jesus tönen und sein Licht vermitteln".

Mit Blick auf das Weltgeschehen bat der Bischof die Gläubigen, für die Menschen in den Krisenregionen zu beten. In der Predigt und bei den Fürbitten wurden die Ukraine, Irak, Syrien, Israel und der Gaza-Streifen genannt, ferner der von einer Ebola-Epidemie geplagte Westen Afrikas.

Aufruf zum Einsatz für den Lebensschutz

In Bezug auf Deutschland rief Genn zum Einsatz für den Lebensschutz auf, etwa in der Frage der Zulässigkeit des assistierten Suizids. Dazu müssten die Christen Nein sagen, "denn wir verteidigen Gottes Ja zum Leben". Der Bischof verwies darauf, dass Gläubige durch Zuwendung – etwa in der Hospizarbeit – selbst in ausweglosen Situationen Hoffnung schenkten.

Dompropst Kurt Schulte nannte die Kathedrale ein "Zeichen für das, was wir als Christen dieser Welt zu geben haben". Die Gläubigen seien "beauftragt, der Welt ein menschlicheres Antlitz zu geben". Alles, was man beim Domjubiläum "auf großartige Weise" habe erleben können, die Begegnungen und Gespräche, das Beten und Lachen – "ist das nicht ein Stück Paradies?", rief Schulte aus.

Lewe: "Das Herz unserer Region"

Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) sagte in einem Gruß am Ende des Pontifikalamts, die Glückwünsche zum Domjubiläum würden "uns allen" gelten. Denn der Dom sei "das Herz unserer Region. Und ohne den Dom und das Kloster, das dort früher stand, gäbe es diese Stadt nicht." Der Dom sei ein "offener Ort" für Gläubige wie Nichtglaubende, der "Würde" ausstrahle.

"Das war Aufbruch", bilanzierte Lewe das Wochenende. Es habe zudem gezeigt: "Münster kann Katholikentag. Ich hoffe, dass wir ihn auch bekommen." Die formelle Entscheidung dazu ist noch nicht gefallen. Derzeit diskutieren die münsterschen Parteien über die Höhe eines städtischen Zuschusses für das bundesweite Christentreffen 2018.

Bischof Felix Genn während der Predigt.

Kinder-Wortgottesdienst im Dom

Musikalisch gestalteten die Chöre der Dommusik unter Leitung von Domkapellmeister Andreas Bollendorf, das Bläserensemble "Blechgewand(t)" sowie Domorganist Thomas Schmitz die Messe.

Parallel fand ein Kinder-Wortgottesdienst im Dom statt, der für zwei besondere Momente im Messablauf sorgte. Ein Katechet lud zu Beginn alle Kinder zu dem Gottesdienst ein, "die ihren Eltern zutrauen, dass sie mal eine halbe Stunde hier draußen alleine bleiben können".

Mahl auf dem Domplatz

Nach der Rückkehr des Nachwuchses auf den Domplatz unterbrach Bischof Genn das Orgelvorspiel zur Gabenbereitung: "Jetzt müssen wir erstmal die Kinder begrüßen. Schön, dass ihr dabei seid!" Während des Kindergottesdienstes hatten die Kinder ein Modell des Doms gebastelt, das in die Höhe gehalten wurde. "Und jetzt wollen wir unserem Dom applaudieren" – dieser Aufforderung Genns kamen die rund 5.000 Gläubigen gern nach.

An den Gottesdienst schloss sich ein Mittags-Mahl auf dem Domplatz an. Jeder Gast war eingeladen, etwas für die Tischgemeinschaft mitzubringen, das man "aus der Hand" essen kann: Kuchen, Gebäck, Obst, Gemüse oder Käse. Das Domkapitel stiftete Brötchen, Wein, Äpfel und alkoholfreie Getränke. Auch die Domkapitulare halfen beim Verteilen und schenkten Getränke ein.

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  6. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Bischof Felix Genn

Text: Jens Joest | Fotos: Michael Bönte
28.09.2014

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