
Ein historisches Kirchenbuch zeigt Bistumsarchiv-Mitarbeiterin Beate Sophie Fleck.
Digitalisierung in mehreren Stufen
Bistumsarchiv: Zukunftssichere Kirchen-Dokumente
Bistum. Im Bistumsarchiv Münster lagern die Bestände fast aller Pfarreien. Hinzu kommen weitere wertvolle Sammlungen und Nachlässe wie die Bestände der Fraterherren Münster aus der Zeit von 1318 bis 1777 oder die Sammlung des italienischen Priesters, Komponisten und Musik-Sammlers Fortunato Santini mit 1.500 Drucken, 4.500 Handschriften und 20.000 Titeln zur Kirchenmusik des 16. bis 19. Jahrhunderts, die die Diözesanbibliothek beherbergt.
Das Bistumsarchiv hat sechs Regalkilometer voller Dokumente. Ein Regalmeter entspricht dabei 2200 Blatt Papier. "Es wäre eine Jahrhundert-Aufgabe, den kompletten Bestand zu digitalisieren", sagt Gottfried Minkenberg, Leiter des Bistumsarchivs und der Diözesanbibliothek.
Einsehbar sind alte Kirchenbücher im Benutzungssaal. |
Die Digitalisierung und eine digitale Präsentation von Archivgut kann angesichts der erheblichen technischen, organisatorischen und finanziellen Probleme nur in verschiedenen Ausbaustufen realisiert werden. Die meisten der etwa 3.000 Kirchenbücher der Pfarreien sind bereits digitalisiert und an PCs im Benutzungssaal einsehbar. "Die digitale Bereitstellung von Archivgut im Lesesaal ist vergleichsweise einfach zu realisieren", sagt Beate Sophie Fleck, Mitarbeiterin im Bistumsarchiv und dort zuständig für die Pfarrarchive. Wesentlich aufwändiger sei die Bereitstellung im Internet aufgrund komplexer technischer Systeme, die beim derzeitigen technischen und finanziellen Stand von kirchlichen Einrichtungen wirtschaftlich kaum betrieben werden könne.
Ihr Kollege Heinz Mestrup, zuständig für die zentralen Archive der Diözese, betont, dass es Aufgabe der Archive sei, Dokumente sicher zu verwahren, dauerhaft zu sichern und sie – nach Wahrung rechtlicher Bestimmungen – interessierten Nutzern bereit zu stellen. "Die digitale Bereitstellung von kirchlichem Archivgut ist eine zeitgemäße Methode, der auch vom Kirchenrecht vorgeschriebenen Pflicht zu dessen dauerhafter Erhaltung durch Schonung besonders nachgefragter Originale nachzukommen", sagt Mestrup. Kriterien für das zu digitalisierende Archivgut seien der Quellenwert, die Nachfrage der wissenschaftlichen, genealogischen und sonstigen Benutzung sowie konservatorische Gründe und der Erschließungsstand der Archivalienbenutzung.
Wohl auch in naher Zukunft werden die historischen (und aktuellen) Kirchenbücher mit den Geburts-, Tauf- und Sterberegistern, für die sich besonders die Familienforscher interessieren, nicht im Internet einsehbar sein. Ausgeweitet werden aber im Internet die Service-Angebote, die die Suche erleichtern.
Vieles wird ohnehin nur in Kooperation mit anderen staatlichen und kommunalen Archiven umgesetzt werden können. Dazu gehört die jüngst entstandene Westfälische Urkunden-Datenbank mit mehr als 85.000 Urkundenregesten, die unter www.dwud.lwl.org öffentlich zugänglich ist.
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Text: Johannes Bernard | Fotos: Johannes Bernard in
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