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11.12.2018
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Stefan Jürgens, Pfarrer an St. Otger (Stadtlohn), referierte beim Studientag der Ordensleute im Marienhaus der Mauritzer Franziskanerinnen über das Thema "Versöhntes Leben - geschenkte Freiheit".

Stefan Jürgens, Pfarrer an St. Otger (Stadtlohn), referierte beim Studientag der Ordensleute im Marienhaus der Mauritzer Franziskanerinnen über das Thema "Versöhntes Leben - geschenkte Freiheit".

"Christus schenkt uns Selbstvertrauen"

Studientag der Ordensleute mit Pfarrer Stefan Jürgens

Bistum. Beim Studientag der Ordensleute im Marienhaus der Mauritzer Franziskanerinnen hat der Pfarrer von St. Otger, Stadtlohn, zu einer "Spiritualität der Freiheit" aufgerufen. "Gottes Pastoral ist das Leben in Freiheit", ermutigte der Seelsorger am Samstag (12.11.2011) in seinem Vortrag die zahlreich erschienenen Ordensleute. Der Tag stand unter dem Motto "Versöhntes Leben - geschenkte Freiheit" und nahm auf ungewohnte Weise das Bußsakrament in den Blick.

Zu Beginn seines Vortrages bekannte Jürgens, er sei als Kind und Jugendlicher eher schüchtern gewesen; sein Selbstbewusstsein habe er buchstäblich erst durch Jesus Christus geschenkt bekommen. "Ich muss nichts aus mir machen, denn Christus macht mir Mut, das zu sagen, was ich denke", lautete die grundlegende Erkenntnis des Pfarrers. "Ich habe nichts zu verlieren, weil schon alles gewonnen ist." Wer erlöst sei, müsse sich nicht mehr rechtfertigen. Insofern könnten Christen die freiesten Menschen der Welt sein, so Jürgens. "Nur wer sich hat, der kann sich auch hingeben", betonte der Referent.

"Misstrauen gegenüber Gott ablegen"

Grundsätzlich unterschied Jürgens, der auch als geistlicher Begleiter, Exerzitienleiter und Buchautor bekannt geworden ist, zwischen der "Freiheit von" und der "Freiheit zu". Die Freiheit von etwas, die man sich selbst herausnehme, sei Willkür, so Jürgens. Sie enthalte, sich auf pubertäre Weise an Autoritäten abzuarbeiten oder in eine kindliche Versorgungsmentalität zu verfallen. "Gott lässt uns jede Freiheit, aber er befreit vor allem zur Freiheit", erläuterte der Vortragende. "Freiheit und Verantwortung brauchen einander. Es geht nicht ohne Bindung."

Viele Christen sähen sich selbst nicht als Kinder des einen Vaters und legten damit eine Haltung an den Tag, die Jürgens als "christlichen Aberglauben" bezeichnete. So könnten etwa auch viele Ordensleute nur mit Feinden leben statt das Positive, woran sie glaubten, richtig zu schätzen. "Legen wir unseren Aberglauben und unser Misstrauen Gott gegenüber ab und lassen wir uns befreien zum 'Abba'-Glauben", forderte der Pfarrer die Ordensleute auf.

"Himmel ist nicht Rendite eines moralisch einwandfreien Lebens"

Jürgens gab seiner mit großem Interesse folgenden Zuhörerschaft zu bedenken, der Himmel sei nicht "die Rendite eines moralisch einwandfreien Lebens". Niemand könne sich den Himmel verdienen, weil er bereits offen stehe. "Wer geliebt wird, tut das Gute aus Liebe", stellte der ehemalige Sprecher des "Worts zum Sonntag" klar. "Gott liebt mich bedingungslos und ohne Vorleistung, so dass es nicht darauf ankommt, alles richtig zu machen."

Zu Zeiten der Volkskirche sei das Christentum oft als Erziehungsmittel benutzt worden, bemängelte Jürgens. Die Freiheit des Glaubens und die Freude an der Erlösung seien dagegen nicht gepredigt worden. "Das ist eine griesgrämige Religion, ein Glaube als Versicherung für das Jenseits. Dass deswegen heute viele die Kirche verlassen, kann ich gut verstehen", kritisierte der Seelsorger diese Einstellung scharf und warf den "Angstrednern, Zeigefingern und Moralaposteln" vor, sie hätten das Evangelium nicht richtig verstanden. Letztlich bekämen alle Menschen denselben Himmel geschenkt, weil nicht Gott Unterschiede mache, sondern die Menschen.

"Selbstvergessen lieben"

Deswegen komme es nicht darauf an, auf den himmlischen Lohn zu schielen, sondern selbstvergessen zu lieben. Auf ähnliche Weise sei auch die Beichte im Laufe der Zeit zu einer Karikatur und zu einem "Tummelplatz von Skrupeln und Skrupulanten" geworden. Ziel des Bußsakraments sei aber nicht das Ausbügeln von Fehlverhalten, sondern der Zuspruch von Identität. Die Aufgabe des Seelsorgers bestehe dann darin, jemandem zu sagen, wer er sei, wenn er es vergessen habe.

Auch in den Orden gebe es eine subtile Form von Bevormundung, kritisierte Jürgens. "In vielen kirchlichen Gemeinschaften wird nicht auf die Subjektwerdung hingearbeitet, sondern auf Ein- und Unterordnung." Überhaupt werde in der Kirche häufig autoritär gehandelt und eine Ellenbogen- und Günstlingswirtschaft gefördert.

Inflationärer Gebrauch des Wortes "geistlich"

Insofern hätten die kirchlichen Strukturen großen Anteil an der derzeitigen Kirchenkrise. Auch werde mit dem inflationären Gebrauch des Wortes "geistlich" oft ein innerkirchliches Widerspruchsverbot und eine Selbstimmunisierung der Kirche verbunden, indem man den Reformern vorwerfe, sie seien noch nicht "geistlich" genug. Dagegen ermutigte der Pfarrer die Ordensleute, die evangelischen Räte - Armut, Keuschheit und Gehorsam - nicht nur als "lebendiges Manko" zu betrachten und nicht nur zu versuchen, den Oberen zu gefallen.

Jürgens´ Vortrag fand in der anschließenden Podiumsdiskussion große Zustimmung. Am Nachmittag trug der Autor eigene Geschichten und Gedichte vor und spielte am Klavier geistliche Musik, bevor der Ordenstag mit einer gemeinsamen Messe endete.

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Text: Gerd Felder | Foto: Gerd Felder
14.11.2011

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