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28.09.2016
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Bischof Felix Genn.

"Gut zuhören, lange zuhören, genau hinschauen": Bischof Felix Genn während einer Konferenz.

"Zuhören, positionieren, reden"

Interview mit Bischof Genn zum "Gesprächsprozess"

Bistum/Mannheim. An diesem Freitag (08.07.2011) beginnt der von den Bischöfen angeregte "Gesprächsprozess" über die Zukunft der Kirche in Deutschland. Auch Münsters Bischof wird dabei sein. Was erwartet er?

Kirche+Leben: Mit welcher Grundstimmung werden Sie zur Auftaktveranstaltung nach Mannheim fahren?

Bischof Felix Genn: Mit Spannung und Zuversicht fahre ich nach Mannheim. Es ist klar, dass diese Auftaktveranstaltung ein zwar gut geplantes Forum sein wird, aber auch viele Unbekannte in sich enthält, die eine gewisse Spannung hervorrufen können: Wie wird es sein, eine Arbeitsmethode mit 300 Personen in Kleingruppen geistlich zu gestalten? Wie kann ein solches Miteinander geschehen bei Personen, die sich untereinander kaum kennen? Aber ich bin auch zuversichtlich, weil ich davon ausgehe, dass alle nicht nur einfach guten Willens sind, sondern auf dem gemeinsamen Fundament unserer Taufberufung und in der Sorge um unsere missionarische Aufgabe in der Kirche zu einem Miteinander finden werden, das sich vom Geist Gottes führen lässt.
 
Kirche+Leben: Das Bistum Münster wird neben Ihnen mit einer neunköpfigen offiziellen Delegation und weiteren Personen aus der Diözese am Dialogprozess teilnehmen und damit recht stark vertreten sein. Inwieweit wird es einen Austausch unter diesen münsterschen Delegierten geben?

Genn: Natürlich wird es Begegnungen geben. Ich kann mir vorstellen, dass sowohl die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Bistum Münster als auch der Bischöfe in der großen Kongresshalle Ausschau halten, um sich zu grüßen, um vielleicht zwischendurch Stimmungen auszutauschen, aber auf jeden Fall nicht, um zusammen an einem Tisch zu sitzen oder sich von den anderen abzusondern. Es ist nicht vorgesehen, dass die Delegierten der einzelnen Diözesen sich in ihrer Bistumsgruppe noch eigens treffen.

Kirche+Leben: Inwieweit können Sie Ungeduld einerseits, Sorge andererseits bei vielen engagierten Gläubigen nachvollziehen? Wie gehen Sie persönlich damit um?

Genn: Ungeduld findet sich nicht als Tugend in den entsprechenden Aufzählungen der Früchte des Heiligen Geistes. Deshalb ist es wichtig, sehr differenziert damit umzugehen, zu sondieren, was dieser Ungeduld an positiven geistlichen Impulsen zugrunde liegen kann, diese zu benennen und miteinander anzuschauen. Zugleich gilt es aber auch, die "positive Energie", die in der Sorge um die Kirche und in einem ungeduldigen Drängen enthalten ist, fruchtbar zu machen für das Ganze. Für meinen persönlichen Umgang damit ist es wichtig, dass ich gut zuhöre, auch lange zuhöre, genau hinschaue, unterscheide, benenne, was ich gehört und gesehen habe, mich selbst positioniere und schlicht und einfach all das ins Gespräch einbringe.
 
Kirche+Leben: Welchen Sinn kann es haben, im Rahmen des Dialogprozesses auch über solche Themen zu sprechen, von denen manche sagen, sie seien entweder bereits abschließend geklärt oder lägen jenseits dessen, was in Deutschland entschieden werden kann?

Genn: Zunächst einmal geht es um die Fragen, woraus wir leben, welche Glaubensinhalte wir den Menschen vorrangig nahe bringen wollen, wo unsere Schwächen und unsere Stärken sind, und wo Weiterentwicklung besonders nötig ist. Wenn in diesem Zusammenhang Themen zur Sprache kommen, die schwierig sind, weil andere Gesichtspunkte mit berücksichtigt werden müssen, wie zum Beispiel die Gemeinschaft mit der Weltkirche und die Tradition der Glaubensgeschichte, dann muss sehr deutlich artikuliert werden, wie diese Spannung ausgehalten, gelebt und verständlich gemacht werden kann. Es wäre aber völlig falsch, nur bestimmte Themen, die meistens im Fokus der Öffentlichkeit stehen, und deren Beantwortung als das Entscheidende des Gesprächsprozesses anzusehen. Wichtig sind die fundamentalen Fragen, die ich soeben skizziert habe. Noch wichtiger der geistliche und christliche Umgang miteinander, auch in spannungsgeladenen Situationen.
 
Kirche+Leben: Worauf wird es in Mannheim, aber auch danach ankommen, damit der Gesprächsprozess auch zu einem geistlichen Ereignis werden kann?

Genn: Im Prinzip habe ich diese Frage für das Jetzt, aber auch für die Zukunft schon beantwortet. Der Gesprächsprozess in Mannheim ist von sehr vielen, explizit geistlichen Elementen durchmischt, es wird auch das etwas Andere und Neue geben, das sich von einer sonst üblichen Debattenkultur bewusst absetzen will. Wenn dies fruchtbar wird, werden daraus auch für das Miteinander nach der Mannheimer Tagung in unserem kirchlichen Handeln gute Weisen des Miteinanders im Vordergrund sein.
 
Kirche+Leben: Die deutschen Bischöfe haben Wert darauf gelegt, dass der Dialogprozess auch in den Bistümern stattfinden soll. Welche konkreten Pläne gibt es für die Diözese Münster?

Genn: Seit ich Bischof von Münster bin, bewege ich mich in sehr vielen Gremien, Räten und Gruppen. Von Anfang an habe ich Wert darauf gelegt, die Fragen, die für die Struktur und Gestalt unseres Bistums von Bedeutung sind, nicht ohne diese Dialoge und Gespräche zu entscheiden. Wir sind bereits seit Januar in einem Gesprächsprozess, sowohl über die äußere Struktur der zukünftigen pastoralen Räume wie auch über die Präambel eines noch zu entwickelnden – und auch das wird nur im Gespräch gehen können – Pastoralplanes. Insofern stimmen wir völlig mit den Grundanliegen des Mannheimer Gesprächsprozesses überein. Ein Pastoralplan braucht ebenfalls die Beantwortung der Fragen, woraus wir leben, welche Glaubensinhalte wir weitergeben wollen, wo unsere Stärken und Schwächen sind und Weiterentwicklung dringlich ist. Mit diesen Überlegungen kann durchaus in eins gebracht werden, was das Diözesankomitee in seinem Schreiben an die Pfarrgemeinderäte vor Pfingsten angeregt hat.
 
Kirche+Leben: Was erwarten, was erhoffen Sie sich insgesamt von diesem Dialogprozess?

Genn: Die Erfahrung der Einheit, auch in Spannungen, das wachsende Bewusstsein, dass wir gemeinsam Kirche sind in unterschiedlichen Begabungen, Charismen, Diensten und Ämtern, und dass uns das Anliegen, die Schönheit des Christseins zu vermitteln, Menschen zu bestärken, Christen zu bleiben und es zu werden, gemeinsam ist – und das Ganze nicht zum Wohlfühlen im Kreisen um sich selbst, sondern zum Segen für die Welt.

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