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28.08.2016
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Professor Hubert Wolf

Professor Wolf referierte in der Reihe "ALTERnativ: Wissen erleben".

Bedrückend und unterhaltsam

Historiker Wolf berichtet über die Vatikan-Archive

Bistum. Ganz am Ende seines äußerst lebendigen Vortrages brachte es Professor Hubert Wolf noch einmal auf den Punkt: "Manchmal sind Geheimnisse unterhaltsam. Manchmal sind sie aber auch sehr bedrückend." Die Hörerschaft im Hörsaal H1 der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster wusste, wie der renommierte Kirchenhistoriker das meinte. Eine gute Stunde lang hatte er ihnen am Mittwoch (15.06.2011) Einblicke in seine Arbeit in den Geheimarchiven des Vatikans gewährt. Die Vorlesung war Teil des Programms "ALTERnativ: Wissen erleben", einer Kooperation der Universität und der Stadt zur Information interessierter Männer und Frauen über 50.

"Eigentlich kann ich ihnen über die geheimen Archive des Vatikans gar nichts Neues erzählen", stellte Hubert Wolf gleich zu Beginn mit einem Augenzwinkern fest, "denn Sie alle wissen ja schon alles. Das haben wir Dan Brown zu verdanken." Die Legendenbildungen aus den Werken des US-amerikanischen Thriller-Autors nahm der Lehrstuhlinhaber für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte am Fachbereich 2 der Uni Münster zum Anlass, einmal ein paar Themenbereiche gründlicher zu beleuchten. Schon als junger Student der Uni Tübingen im zweiten Semester habe er erstmals in den Archiven des Kirchenstaats schnuppern dürfen, verriet Wolf. Seit neun Jahren nun forscht er mit der entsprechenden kirchlichen Berechtigung gemeinsam mit einer Gruppe an Mitarbeitern regelmäßig in den geheimnisumwitterten Räumlichkeiten jenseits der hohen Mauern.

Archiv-Virus

"Wer einmal mit dem Virus dieser Archive infiziert ist, der kommt ein Leben lang nicht mehr davon los", betonte Wolf, dessen Forschungen im Frühjahr 2009 bereits in einem ZDF-Zweiteiler ausführlich thematisiert worden waren. Welche Besonderheiten die Arbeit im Vatikan gegenüber Forschungen etwa in staatlichen Geheimarchiven oder Bibliotheken habe, das verdeutlichte der Referent durch konkrete Beispiele. Er unterstrich seine Überzeugung, dass man in der Bewertung des Papstes Pius XII., dessen Pontifikat von 1939 bis 1958 währte, zurückhaltend sein müsse. Gegenwärtig seien die Archive erst bis ins Jahr 1939, dem Todesjahr des Vorgängers Pius XI., geöffnet. Die Zurückhaltung gerade in den kontroversen Fragen der Interventionen des Pacelli-Papstes gegenüber der nationalsozialistischen Judenverfolgung bedeute aber nicht, dass man sich über den Pontifex nicht wissenschaftlich dezidiert und ausführlich äußern könne. Im Gegenteil: Im Rahmen eines DFG-Langzeitprojektes wertet Hubert Wolf seit 2007 die Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis aus den Jahren 1917 bis 1929 aus. In jenen Jahren war Pacelli Botschafter in Deutschland gewesen und es sei kaum möglich, Quellen zu finden, die akribischer die Situation Deutschlands in diesen bewegten Zeiten zu beschreiben vermöchten als jene.

Warum Heinrich Heine im 19. Jahrhundert auf den Index der verbotenen Bücher des Vatikans gelangte, während man heuer in den Archiven nach Charles Darwin vergeblich sucht, war eine weitere Episode, mit der Wolf die Zuhörer in seinen Bann zog. Karl May ist eines jener Beispiele, über die man in der späteren Geschichtsschreibung kaum mehr etwas finde. Dessen Bücher seien der der Vermischung religiöser Ideen verdächtigt und in Rom angezeigt worden, dort aber nie verurteilt worden. "Das ist ein klassischer Fall", erklärte Wolf, "denn Rom hat nie Freisprüche publiziert, sondern nur Verurteilungen. So haben sich bestimmte Bilder in den Köpfen festgesetzt."

Augen nicht verschließen

Zu solchen Bildern zählte der mehrfach ausgezeichnete Theologe auch den Bereich der Hexenverbrennung oder aber das ambivalente Verhältnis der Kirche zur Naturwissenschaft. Ein ursprünglich geplantes Buchprojekt zu diesem Verhältnis habe er fallen lassen müssen, berichtete Wolf, da die Nachforschungen nur sehr geringfügige Ergebnisse ergeben hätten. Viele der Naturwissenschaftler, die man auf dem 1966 abgeschafften Index vermuten würde, seien eben nicht zu finden, da sie nur Hypothesen geäußert hätten, niemals aber feststehende Thesen.

Nach einem unterhaltsamen abermaligen Ausflug in die Zeit Pacellis und dessen Wirkens in Deutschland schlug Hubert Wolf nachdenkliche Töne an. Er erinnerte an die im KZ Ausschwitz-Birkenau ermordete zum Katholizismus konvertierte Jüdin Edith Stein, die in Münster Pädagogik gelehrt hatte. Von den zahllosen Briefen, die nach der Machtergreifung Hitlers an den Papst gegangen seien, könne man ausschließlich im Falle Edith Steins sicher sagen, Pius XI. habe ihn gelesen. Die Reaktion aber blieb verhalten. Auch vor den bedrückenden Ergebnissen seiner Arbeit dürfe der Historiker die Augen nicht verschließen, sagte Hubert Wolf.

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Text: Tim Schlotmann | Foto: Tim Schlotmann
15.05.2011

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