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10.12.2016
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Diskussion um das Memorandum

Kontroverse Diskussion (v.l.): Moderatorin Viola van Melis mit Reinhard Feiter, Marianne Heimbach-Steins, Weihbischof Stefan Zekorn, Margret Pernhorst und Dorothea Sattler.

Diskussion der Katholisch-Theologischen Fakultät Münster

Professoren verteidigen Memorandum – Zekorn skeptisch

Münster. Drei münstersche Professoren haben den Inhalt des umstrittenen Memorandums deutscher Theologen zum Reformbedarf der katholischen Kirche verteidigt. Bei einer Diskussion der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster am Dienstag (31.05.2011) begrüßte auch Margret Pernhorst, Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), den Text. Weihbischof Stefan Zekorn als Vertreter des Bistums ließ dagegen Zurückhaltung erkennen.

Vor mehreren hundert Zuhörern im überfüllten Auditorium Maximum der Universität bezeichneten der Pastoraltheologe und Prodekan der katholischen Fakultät, Reinhard Feiter, und die Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins die Veröffentlichung des Textes als richtig. Die Ökumene-Professorin Dorothea Sattler sagte, sie "stehe ein für die Themen", die das Memorandum anspreche, allerdings habe sie die Form der öffentlichen Stellungnahme überrascht. Sie habe im Gegensatz zu beiden Kollegen das Memorandum nicht unterschrieben, weil sie erst vier Tage vor Veröffentlichung davon erfahren habe und keinen Einfluss mehr habe nehmen können: "Ich fürchte, dass der Text den Dialog in der Kirche eher behindert und Polarisierungen verstärkt."

Zekorn: Plakat hochhalten hilft nicht

Ähnlich argumentierte Weihbischof Zekorn. Er nannte das Memorandum eine "legitime Weise der Professoren, sich zu äußern". Allerdings gab er zu bedenken, es fördere ein Gespräch nicht, "wenn jemand ein Plakat mit seinen Forderungen hochhält". Er wisse von Bischöfen, die persönlich enttäuscht seien, nicht von den Plänen erfahren zu haben – etwa der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, seit Jahren für die Deutsche Bischofskonferenz im regelmäßigen Dialog mit den Theologieprofessoren.

Es gebe bereits einen Austausch der Bischöfe mit den Theologen. Auch die Themen des Memorandums würden in verschiedenen Foren immer wieder diskutiert. Das werde aber öffentlich kaum wahrgenommen. Die Kritik des Memorandums nannte Zekorn "zu pauschal". Darin rufen die Professoren unter anderem zum Nachdenken über die Priesterweihe verheirateter Männer und über mehr Mitbestimmung der Gläubigen etwa bei der Bestellung von Amtsträgern auf. Ferner verlangen die Wissenschaftler mehr kirchlichen Respekt vor individuellen Lebensentscheidungen – etwa mit Blick auf Homosexuelle oder wiederverheiratete Geschiedene.

Der Text gebe "nur eine" der Wirklichkeiten der Kirche wieder, sagte Zekorn. Er verwies darauf, dass nicht nur das Memorandum im Internet viele Unterstützer gefunden habe, sondern auch eine Gegenpetition. Auch dort äußere sich eine "Stimme der Besorgten". Zudem fehle die Analyse der Situation der Kirche im Memorandum völlig. Es würden keine Gründe für die Erosion der Gemeinden genannt und keine Vorschläge gemacht, wie die Kirche Jugendliche, Suchende oder Fernstehende erreichen könne.

Heimbach-Steins: Viele waren dabei, zu verstummen

Die Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins sagte, die Professoren hätten den Eindruck gehabt, in einer besonderen Krisensituation Stellung beziehen zu müssen. Das bewusst öffentliche Signal habe alle erreichen wollen, "die auf einen Neuanfang in der Kirche hoffen". Das Memorandum habe nicht vorrangig den Dialog der Theologen mit den Bischöfen befördern sollen. "Wir wollten ein Stück Öffentlichkeit zurückgewinnen und für breite Kreise der Kirche sprechen, die dabei waren zu verstummen." Nach diesem Satz erhielt die Theologin ungewöhnlich langen Beifall.

Heimbach-Steins verteidigte auch die Besetzung des Podiums. Gut drei Viertel der münsterschen Professoren hatten das Memorandum unterzeichnet. Das spiegele sich auch in den Diskussionsteilnehmern wider. "Wir haben eine Haltung an dieser Fakultät, und die ist nicht Fundamentalopposition gegen Veränderungen", unterstrich Heimbach-Steins. Pastoraltheologe Feiter beruhigte die Studenten. Auch wer die Reformposition nicht teile, könne in Münster studieren: "Sie dürfen in der Prüfung alles sagen – aber bringen Sie Argumente!"

Starken Beifall erntete Heimbach-Steins für die Ansicht, dass es "ein Zeichen für das Wehen des Heiligen Geistes sein könnte", wenn die Diskussion über einige kirchliche Reformthemen nicht verstumme.

Das Auditorium Maximum war überfüllt.

Das Auditorium Maximum war überfüllt.

Feiter: Manchmal
muss man springen

Pastoraltheologe Reinhard Feiter sagte, es sei eine der wenigen "Gewissensentscheidungen" gewesen, die man im Leben treffe, das Memorandum mitzutragen. Es gebe immer eine Lücke zwischen Argumenten dagegen – etwa Stil und Vorgehen – und dafür. "Aber manchmal muss man springen." Die Initiatoren hätten den Text nicht mit allen am Ende 311 Unterzeichnern abstimmen können: "Man muss einfach einmal Ja sagen können." Feiter bedauerte allerdings das Wort "Grabesruhe" im Text. Es verletze alle, die hinter den Kulissen seit Jahren im Dialog stünden.

Die im Memorandum genannten "Herausforderungen" legten den Finger auf die Wunde, wie die Kirche zur Frage der Freiheit in der Moderne stehe. Zu einem Dialog sah Feiter "keine Alternative". Die Kirche habe nur dann eine gemeinsame Zukunft, wenn alle Beteiligten sich auch die Meinung des jeweils Anderen erklären ließen.

Sattler: Falsche Erwartungen geweckt

Die Ökumene-Wissenschaftlerin Dorothea Sattler warnte davor, "bald" mit Reformen zu rechnen. Es würden "Erwartungen an die Wandlungsfähigkeit der Kirche geweckt, die in unserer Lebenszeit nicht erfüllbar sind". Sie selbst, sagte Sattler, stehe im weltweiten Reformdialog, der seit Jahren versuche, "theologisch begründet" voranzukommen. Diesem Stil entspreche das Memorandum nicht, seine Themen allerdings seien "richtig". Sattler betonte, sie selbst setze sich für Reformen wie die Zulassung von Frauen zum Diakonen- oder Priesteramt ein. "Ich weiß aber, dass solche weltweiten Veränderungen Zeit und Geduld brauchen."

Eine Zuhörerin reagierte: "Ich werde 80 Jahre alt. Ich möchte mich nicht länger mit dem Wort 'Geduld' vertrösten lassen." Auch Marianne Heimbach-Steins sagte, die zur Reform nötige lange Zeit "kann kein Grund sein, die Themen nicht anzusprechen". Dorothea Sattler forderte, den Dialog auch an Münsters Fakultät weiterzuführen: "Wir dürfen uns nicht auseinanderdividieren lassen."

Pernhorst: Dialog im Bistum führen

Margret Pernhorst, langjährige frühere Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken und nach wie vor ZdK-Mitglied, sagte, sie sei froh, dass die Professoren mit ihrem Memorandum "die Praktiker vor Ort" unterstützt hätten. Sie selbst habe "lange geduldig" Gespräche geführt. "Aber ich glaube, wir müssen jetzt in der Streitkultur ein bisschen zulegen und auch mal Spannungen aushalten." Auch im Bistum Münster müsse man den Dialog "ernsthaft führen". Als Gegenbeispiel nannte sie den Strukturplan, bei dem vielfach "die Priester und Ehrenamtlichen vor Ort nicht gefragt" worden seien.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedDas Memorandum der Theologie-Professoren (04.02.2011)
  2. undefinedMemorandum: Erste Unterzeichner aus dem Bistum Münster (04.02.2011)
  3. undefinedInterview: Bischof Felix Genn zum Inhalt des Memorandums (11.02.2011)
  4. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Weihbischof Stefan Zekorn

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.memorandum-freiheit.de

Text: Jens Joest | Fotos: Jens Joest
01.06.2011

    1. Mehr als 150 Theologen fordern Reformen in der Kirche

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