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23.05.2012
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Grubenfahrt.

An der Grubenfahrt mit Bischof Felix Genn (im Bild Mitte) nahmen mehrere Seelsorger und Betriebsleiter der RAG Anthrazit Ibbenbüren teil.

Energiewende auch mit deutscher Steinkohle

Grubenfahrt von Bischof Felix Genn im Bergwerk Ibbenbüren

Ibbenbüren. In der Diskussion um die Energiewende in Deutschland plädiert Bischof Felix Genn für die Einbeziehung der deutschen Steinkohle für die Energiesicherheit des Landes. "Der Bergbau besitzt Tradition und einen hohen technischen Standard. Er ist Bestandteil einer sicheren Energieversorgung", sagte Bischof Genn bei einem Besuch der RAG Anthrazit Ibbenbüren am Donnerstag (26.05.2011).

Um den Ausstieg aus der Atomenergie einzuleiten, brauche es einen Mix aus verschiedenen Energieträgern, aber auch einen Bewusstseinswandel zu mehr Sparsamkeit: "Wie viel Energie verbraucht wird, hängt von jedem Einzelnen ab. Auch kirchliche Einrichtungen müssen Maßnahmen ergreifen, wie sie den Energieverbrauch senken können. Wir dürfen unsere Ressourcen nicht verschwenden", sagte Bischof Genn, der sich zusammen mit Seelsorgern aus den Dekanaten Ibbenbüren und Mettingen während einer Grubenfahrt im Bergwerk der RAG Anthrazit Ibbenbüren sowie im Gespräch mit der Unternehmensführung und Betriebsräten über die Situation des Unternehmens und der Beschäftigten informierte.

Steinkohlebergbau in Ibbenbüren: 2.365 Beschäftigte

Durch kohlepolitische Vorgaben und den Abbau der Subventionen ist das Ende des Steinkohlebergbaus in Ibbenbüren im Jahr 2018 geplant. Derzeit zählt die Belegschaft des Unternehmens 2.365 Beschäftigte, darunter 150 Auszubildende. "Der Erhalt der Arbeitsplätze war und ist ein Anliegen der Kirche. Es geht uns um den Menschen, der durch seine Arbeit seine Existenz sichert", sagte Bischof Genn.

Der Geschäftsführer der RAG Anthrazit Ibbenbüren, Heinz-Werner Voß, erläuterte die Unternehmsziele: "Wir wollen unser Bergwerk sicher und leistungsfähig bis mindestens 2018 betreiben und unseren Beitrag zur Energieversorgung leisten. Wir wollen mit möglichst geringen Subventionen ein ausgeglichenes Unternehmensergebnis erzielen. Nicht zuletzt besitzt die Arbeitsplatzsicherung in der Region einen zentralen Stellenwert."

"Auszubildende haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt"

Nach Auskunft des Betriebsratsvorsitzenden Burkhard Bruns investiert das Unternehmen weiter in die Zukunft der Jugend. Am Standort Ibbenbüren werden vornehmlich Industriemechaniker und Energieelektroniker theoretisch und praktisch auf ihre Berufe vorbereitet. "Unabhängig vom Erhalt des Bergbaus haben die Auszubildenden gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wir bilden über unseren Bedarf aus. Das sind wir unserer Jugend schuldig", sagt Bruns.

Während der Grubenfahrt zum Abbaubetrieb 5/6 Westen im Flöz 40 zeigten sich Bischof Genn und die ihn begleitenden Dechanten Rainer B. Irmgedruth aus Mettingen und Martin Weber aus Ibbenbüren sowie Kreisdechant Markus Dördelmann aus Steinfurt-Burgsteinfurt beeindruckt von der besonderen Verbindung zwischen moderner Bergbautechnik, qualifizierten Bergleuten und bergmännischer Tradition.

Auf ein besonderes Interesse stieß das "Lean Processing", in dessen Rahmen eine kontinuierliche Optimierung aller betrieblichen Prozesse unter intensiver Einbeziehung aller Beschäftigten vorangetrieben wird. "Dies unterstützt unsere Anstrengungen zur Verbesserung der Arbeitssicherheit. Unser Bergwerk zählt zu den sichersten in Europa", sagte Geschäftsführer Voß.

Dritte Grubenfahrt Genns

In einer Tiefe von 1.200 Metern nutzte Bischof Genn die Gelegenheit zu Gesprächen mit den Bergleuten. "Mir ist wichtig, den Menschen zu zeigen: Wir sind bei ihnen", sagte er "unter Tage". Es war bereits die dritte Grubenfahrt, die er unternahm: Als Weihbischof im Bistum Trier besuchte er ein Bergwerk im Saarland, als Bischof von Essen eine Schachtanlage im Ruhrgebiet und nun das nördlichste Bergwerk Deutschland in Ibbenbüren.

Eine Herausforderung nicht nur für das Unternehmen ist die Eingliederung von 1.100 Bergleuten aus dem Saarland in das Ibbenbürener Bergwerk. Auch wenn die "Völkerwanderung" der Bergleute in Deutschland schon Tradition besitze, sei der Arbeitsplatzwechsel stets mit Umstellungen verbunden. "Wir möchten auch bei der sozialen Eingliederung helfen", sagte Voß, der sich auf die Mithilfe der Pfarrgemeinden verlassen kann. "Die Solidarität unter den Bergleuten ist gut, auch wenn die Stilllegungspläne uns allen bekannt sind", meinte Dechant Irmgedruth.

Die Gespräche mit dem Bergwerk fortsetzen werden die Gemeinden aus den Dekanaten Mettingen und Ibbenbüren. "Der Informationsaustausch hilft, Anliegen auszusprechen. Für die Anliegen der Bergleute haben wir immer ein offenes Ohr", sagte Dechant Weber.

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