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30.05.2016
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Bistum nimmt Stellung zu Landwirtschaft und Nutztierhaltung.

Kleyboldt: Das Prinzip "immer billiger" geht zu Lasten der Natur und der Tiere und letztlich auch zu Lasten der bäuerlichen Familien.

Landfrauen streiten mit dem Theologen und Biologen Hagencord

Bistum zu Landwirtschaft und Nutztierhaltung

Bistum. Generalvikar Norbert Kleyboldt hat in Absprache mit Bischof Felix Genn zu einem Konflikt zwischen münsterländischen Landfrauenverbänden und dem katholischen Priester und Biologen Rainer Hagencord, Leiter des Instituts für theologische Zoologie in Münster, um Fragen der ökologischen Landwirtschaft und der Nutztierhaltung Stellung genommen. Dazu ist dem Landwirtschaftlichen Wochenblatt in Münster eine Stellungnahme zugegangen, den die Bischöfliche Pressestelle jetzt dokumentierte:

Die Kreisvorstände der Landfrauen Borken, Coesfeld und Steinfurt haben sich in einem ähnlich lautenden Brief an den Bischof von Münster gewandt mit der Bitte, zur landwirtschaftlichen Tierhaltung Stellung zu nehmen. Hintergrund ist die diesjährige Ausgabe des Firmbegleiterheftes des Bonifatiuswerkes. Dort widmete sich das Heft auf einer Seite der Geschöpflichkeit der Tiere mit einer redaktionell eingefügten "Todesanzeige" für Nutztiere. Das hat die Emotionen engagierter Bäuerinnen hervorgerufen, die sich in ihrer täglichen Arbeit mit den Tieren verkannt und herabgewürdigt sehen. Das Bonifatiuswerk in Paderborn hat mittlerweile diesen Artikel aus dem Netz genommen und selbst eine Erklärung abgegeben.

Da dieser Vorgang bereits ein öffentliches Interesse und Ärgernis in unserer Diözese zeigt, wie Berichte im Landwirtschaftlichen Wochenblatt zeigen, geht das Bistum auf die Briefe in einer öffentlichen Stellungnahme ein.

In der gemeinsamen Erklärung der ländlichen Organisationen beider Kirchen (Ausschuss für den Dienst auf dem Lande der EKD, ADL; die Katholische Landvolkbewegung, KLB; der Deutsche Bauernverband, DBV; der Deutsche Landfrauenverband, dlv) anlässlich des Evangelischen Kirchentages 2005 bekennen sich die Unterzeichner zur Verantwortung des Menschen für die Tiere als Mitgeschöpfe: "Die deutschen Bauern sind sich ihrer Verantwortung für eine tiergerechte Haltung bewusst. Schließlich können nur gesunde Tiere, die ihren Bedürfnissen entsprechend ernährt, gepflegt und gehalten werden, die von Verbrauchern und Landwirten verlangten Leistungen erbringen. Der technische Fortschritt bietet neue Möglichkeiten, die Haltungsbedingungen der Tiere zu verbessern." Das Bistum unterstützt ausdrücklich diese Haltung und ermutigt die Landwirtschaft, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen, neue Möglichkeiten und Erkenntnisse in die Tierhaltung aufzunehmen. Damit entwickelt die Landwirtschaft ihr bäuerliches Profil, das von einer engen Bindung zwischen Mensch und Tier geprägt ist.

In der Diskussion um die Landwirtschaft erleben wir eine wertende Debatte zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft. Sie dient weder der Weiterentwicklung noch der Wertschätzung der Leistungen, die in der gesamten Landwirtschaft für die Bewahrung der Schöpfung erbracht werden. Hier will die Kirche von Münster die Landwirte in einer Haltung der Wertschätzung kritisch begleiten und fördern.

Wir grenzen uns von jeder Polemik in der Diskussion um die Landwirtschaft ab. Dazu gehört auch die "Todesanzeige" in dem erwähnten Artikel. Auch wenn es sich um eine bloße grafische Darstellung zum Zwecke der Zuspitzung handelt, ist eine solche Verfremdung unzulässig und wird vom Bistum Münster klar missbilligt und verurteilt. Wir rufen dazu auf, sich in sachlicher Diskussion zu begegnen und wertschätzend über die rechten Wege zu streiten.

In der Entwicklung zu einem guten Verhältnis zwischen Mensch und Natur braucht es den Erzeuger und Verbraucher "in einem Boot". Erzeuger wie Verbraucher lassen sich nicht auf Produktion und Konsum reduzieren. Liegt die primäre Verantwortung für eine tiergerechte Haltung vorrangig bei den Landwirten, muss sie doch von allen Teilen der Gesellschaft mitgetragen werden. Wir haben in Deutschland eine hundertprozentige Selbstversorgerquote erreicht: Das ist ein Verdienst der Landwirtschaft. Das sollte allen Verbrauchern auch einiges wert sein. Das Prinzip "immer billiger" geht zu Lasten der Natur und der Tiere und letztlich auch zu Lasten der bäuerlichen Familien.

Zur wissenschaftlichen Arbeit des Theologen und Biologen Dr. Rainer Hagencord ist deutlich anzumerken, dass dessen Bewertungen, die zu massiver Kritik von Landfrauen im Münsterland geführt haben, ausdrücklich nicht die Meinung des Bischof und des Bistums sind. Allerdings darf der Theologe für sich jenen akademischen, universitären Freiraum beanspruchen, der auch anderen Wissenschaftlern in ihren Meinungsäußerungen zugestanden wird. In keinem Fall liegt dem Bistum Münster, wie in dieser Stellungnahme eingehend unterstrichen wird, an einer abwertenden Beschreibung traditioneller bäuerlicher Produktionsweisen. Im Gegenteil: Bischof Dr. Felix Genn wie auch seinem Vorgänger Bischof Dr. Reinhard Lettmann liegen die Themen und Probleme der heimischen Landwirtschaft sehr am Herzen.

Text: pd | Foto: Almud Schricke
11.05.2011

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