
Historische Aufnahmen wie diese sind wichtige Zeitdokumente zu Kardinal von Galen.
Bundespräsident Wulff: Sein Vorbild ist mir wichtig
Aufruf: Erinnerung an Kardinal von Galen erhalten
Bistum. "Das Andenken an den Nazigegner Clemens August Kardinal von Galen muss erhalten bleiben." Das fordert der Dülmener Pfarrer Markus Trautmann. Er ruft dazu auf, historisches Bildmaterial vom 2005 selig gesprochenen Bischof von Münster zu sichern, "das es noch vielerorts im Münsterland, im Oldenburger Land und Niederrhein gibt". Auch gehe es darum, Abbildungen von Gedenkstätten und Erinnerungshinweise an den "Löwen von Münster" zusammengetragen, dessen 65. Todestag am 22. März ist.
Als Plattform für eine "Galerie Galen" bietet Trautmann gemeinsam mit seiner Mitstreiterin Verona Marliani-Eyll (Kevelaer) die Internetseite "www.wie-ein-loewe.de" an. "Ob Stadtarchiv, Pfarrchronik oder das private Familienalbum – noch manches Galen-Foto könnte auf seine Wiederentdeckung warten", meint der 40-jährige Geistliche. Er ermuntert auch Heimatvereine, sich an dieser Aktion zu beteiligen. Durch die Präsentation im Internet werde das Andenken an Galen wach gehalten und allen Interessierten zugänglich gemacht.
Wulff blickt auf Kardinal von Galen
In einem Brief an Trautmann und Marliani-Eyll berichtete jüngst auch Bundespräsident Christian Wulff von seiner Bewunderung für Galen: "Auch für mich ist das Vorbild des Oldenburger Münsterländers und 'Löwen von Münster', Clemens August von Galen, sehr wichtig." Dessen Person und Wirken hätten ihn durch sein bisheriges privates wie politisches Leben begleitet.
"Gerne werde ich auf den weiteren Stationen meines Lebens immer wieder meinen Blick auf Clemens August von Galen und sein Beispiel richten", schreibt der Bundespräsident. "Es freut mich, dass er nicht nur in meiner weiteren Heimat, sondern auch in Berlin als Kaplan und Pfarrer gewirkt und seine Spuren hinterlassen hat."
Junge Menschen für Galen interessieren
Verona Marliani-Eyll und Markus Trautmann selbst versuchen mit einem Jugendroman die Erinnerung an den Nazigegner Galen wach zu halten und ihn so für die jüngere Generation interessant zu machen. In dem Buch "Weiße Rosen für den Löwen" gehen sie auf die Verbindung des "Löwen von Münster" mit dem Münchner Widerstandskreis "Weiße Rose" um die Geschwister Scholl ein und entwickeln so ihre Erzählung:
Einige Jugendliche beschäftigen sich im Rahmen eines Unterrichtsprojekts mit dem Dritten Reich. Dabei setzen sie sich mit Gestalten des Widerstands auseinander, etwa mit Clemens August von Galen und den Geschwistern Scholl. Nicht zuletzt durch ihren engagierten Geschichtslehrer werden die jungen Leute mit der Tatsache konfrontiert, dass das Erbe der Vergangenheit manche heftige Reaktion in der Gegenwart hervorrufen kann und zur konkreten Stellungnahme herausfordert.
Bischof Genn verweist auf aktuelle Bedeutung
Der Kontakt mit einer alten Zeitzeugin sensibilisiert die Gruppe für die Brisanz christlicher Standpunkte in heutiger Gesellschaft. Am Ende geraten die Jugendlichen nach und nach in eine handfeste Konfrontation hinein. Das Buch umkreist die Gestalt Clemens August von Galens. Zugleicht erzählt es eine Geschichte von Freundschaft und Solidarität, von Provokation und Gelassenheit, von Lebenserfahrung und Leichtsinn, von persönlicher Überzeugung und öffentlichem Bekenntnis.
Galens Nachfolger, der jetzige Bischof von Münster, Felix Genn, urteilt über das Werk: "Dieses im Dialogverlag Münster 2009 erschienene Buch habe ich mit hohem Interesse gelesen. Es ist spannend, verbindet in einer sehr guten Weise Vergangenheit und Gegenwart und zeigt auf, dass Grundfragen politischer und gesellschaftlicher Auseinandersetzung bleiben."
Weder Schmeicheleien noch Einschüchterungen
Genn bezeichnet das Buch als "eine wertvolle Hilfe für junge Leute, sich nicht nur mit der Geschichte des Widerstands in der Zeit des Dritten Reiches auseinander zu setzen, sondern auch mit gegenwärtigen Tendenzen in unserer Gesellschaft, die nicht zu würdigen wissen, welches Erbe die Kirche von Münster in der Gestalt von Kardinal Clemens August birgt".
"Meisterhaft" schildern die Autoren nach Meinung Genns am Höhepunkt der Auseinandersetzung, in die die Jugendlichen verwickelt werden, wie sich durchaus der Prozess der jungen Leute um die Geschwister Scholl vor dem Volksgerichtshof in anderer, abgemilderter, aber ideologisch nicht weniger scharfen Weise wiederholen kann. Der Bischof sieht darin "eine Mahnung, weiterhin sensibel und wachsam zu sein, sich weder durch Schmeicheleien noch durch Einschüchterungen manipulieren zu lassen".
Drei weltberühmte Predigten – immer noch aktuell
Clemens August von Galen wurde vor allem durch drei Predigten im Sommer 1941 weltweit als Gegner der Nazidiktatur bekannt. Wegen seines Mutes nannte die Bevölkerung Galen den "Löwen von Münster". Diese drei Ansprache bündeln nach Auffassung von Pfarrer Trautmann "brennpunktartig jene Themenfelder, die auch heute in die öffentliche Auseinandersetzung gehören": Galens Protest gegen Angriffe auf religiöse Überzeugungen, insbesondere auf Ordensleute in seiner ersten Predigt; darin gehe es um den öffentlichen Respekt vor dem kirchlichen Leben.
In seiner zweiten Predigt protestiere der Bischof gegen Fremdbestimmung, insbesondere der Jugend. "Die Aktualität besteht darin, dass auch heute persönliche Standhaftigkeit in konträrer Umgebung gefragt ist", so Trautmann. Der "nach wie vor geforderte Respekt vor dem menschlichen Leben" habe schließlich seine dritte Predigt zum Inhalt, in der er gegen die Tötung von Behinderten protestierte.
Buchhinweis:
Verona Marliani-Eyll, Markus Trautmann:
Weiße Rosen für den Löwen
Eine Geschichte über das Erbe der Vergangenheit und über Jugendliche von heute
200 Seiten, Dialogverlag Münster, 9,80 Euro.
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Text: Norbert Göckener | Foto: Archiv in
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