
Bischof Felix Genn.
Wort zur Fastenzeit 2011
Bischof Genn lenkt Blick auf das Geschenk der Taufe
Bistum. "Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass die österliche Bußzeit bei allem Ernst Ihnen die Freude darüber schenkt, Christ zu sein." Das schreibt Bischof Felix Genn in seinem Bischofswort zur diesjährigen Fastenzeit, das am Samstag und Sonntag (12./13.03.2011) in allen Gottesdiensten im Bistum Münster verlesen wird.
In seinem Hirtenbrief geht Bischof Genn in besonderer Weise auf das "Jahr der Taufe" ein, das die evangelische Kirche in diesem Jahr begeht: "Ich betrachte es als ein schönes Zeichen ökumenischer Verbundenheit, wenn wir gemeinsam auf dieses Grundsakrament schauen, das uns über alle Grenzen der Konfessionen hinweg verbindet." Die Taufe schenke Gemeinschaft mit Gott und ermögliche es so, "wirkliche Freiheit" zu erfahren.
Die Welt aus der Perspektive Gottes sehen
Wenn Menschen sich taufen lassen, stellen sie sich nach den Worten des Bischofs mit Jesus auf seinen Standpunkt, die Welt aus der Perspektive Gottes zu sehen. Jesus lasse Gott Gott sein und behalte so "den Geschmack am Guten". Jesus zeige auf, dass die wirkliche Freiheit des Menschen darin bestehe, sich von Gott beschenken zu lassen.
Getaufte wollten dazu beitragen, dass die Welt nicht zur Wüste werde, indem sie Gott außen vor lasse, schreibt Genn. "Gerade das vergangene Jahrhundert hat uns allen gezeigt, wie dies geschehen kann, wenn der Mensch nicht mehr auf die Stimme Gottes hört, sondern seine Freiheit darin sieht, sich niemandem mehr zu verdanken."
"Ohne Gott kann es in dieser Welt nicht gut gehen"
Bischof Genn geht auch auf die Strukturveränderungen im Bistum Münster ein, über die derzeit viel gestritten werde: "Wir verwenden viel Energie darauf, die heimatlichen Orte und Beziehungen zu bewahren." In ihnen stecke "zweifellos" ein Wert, denn die Gemeinschaft des Glaubens sei nicht im luftleeren Raum zu leben. "Aber mitunter verschieben sich die Akzente, so dass die äußere Struktur wichtiger erscheint als das innere Leben", mahnt der Bischof.
Das Bewusstwerden des Geschenks der Taufe fordert die Christen nach Meinung Genns zu dem Bekenntnis heraus: "Ohne Gott kann es in dieser Welt nicht gut gehen." Mit dem Gott Jesu könne "die Welt zu einem Ort werden, an dem Menschen ihrer Würde gemäß leben können". Das zu erklären sei allerdings nicht mehr selbstverständlich.
Bekenntnis zu Gott führt zu Reibungen
Das Bekenntnis zu Gott führt nach Darstellung des Bischofs zu Reibungen "mit gesellschaftlichen Tendenzen, gängigen Meinungen, oft auf den ersten Blick sehr einsichtigen Lösungen". Wer von Gott spreche und aus dem Geschenk der Taufe lebe, "wird immer in einer gewissen Weise quer stehen zu dem, was vermeintlich als gut angesehen wird". Dieser Auseinandersetzung könnten sich die Christen nicht entziehen.
"Für diese Auseinandersetzung aber brauchen wir eine innere Kraft", hebt Genn hervor. Kraftquellen seien die sonntägliche Eucharistiefeier, das Hören auf das Wort Gottes, das Gebet, der Austausch in Glaubensgruppen und die Beichte. In der österlichen Bußzeit könnten sich die Christen diesen Quellen neu zuwenden. "Fastenzeit bedeutet, in allen Diskussionen um Strukturen und Reformen in der Kirche auf diese innere Mitte zu schauen und sich von ihr her zu Christen formen zu lassen."
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Dokumentiert: Bischofswort zur Fastenzeit 2011
Dossier: Bischof Felix Genn
Dossier: Fastenzeit und Ostern
Mehr zum Thema im Internet:
Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte
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