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27.09.2016
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Das neue Jesus-Buch

Das neue Jesus-Buch von Papst Benedikt XVI.

Interview mit Prof. Söding zum neuen Jesusbuch des Papstes

"Benedikt XVI. scheut heiße Eisen nicht"

Bistum. "Man sollte sich nicht so schnell daran gewöhnen, dass der Papst ein Jesusbuch schreibt." Das meint der in Bochum lehrende Neutestamentler Professor Thomas Söding aus Münster; als Vorsitzender des Katholischen Bibelwerks im Bistum Münster verantwortet er die Bibelarbeiten in kirchensite.de. Der Wissenschaftler, der Mitglied der Internationalen Theologenkommission im Vatikan ist, meint im kirchensite.de-Interview, dass sich der Papst angreifbar mache und sich der Kritik aussetze. Aber dessen Buch komme ohne Fachchinesisch aus und öffne die Augen für das Geheimnis des Lebens und des Leidens Jesu.

kirchensite.de: Der zweite Teil des Jesusbuches von Papst Benedikt XVI. liegt vor. Welche neuen Erkenntnisse hält es bereit?

Professor Thomas Söding: Der Papst kennt sich sehr gut in der Diskussion aus. Er riskiert keine steilen Thesen, die dann doch meist schnell wieder zusammenbrechen. Er konzentriert sich auf das, was im Neuen Testament über Jesu Tod und Auferstehung geschrieben steht; er legt die Texte aus, prüft ihre historische Substanz und erklärt ihre theologische Bedeutung. Das hat Format, weil der Papst das Leiden der Menschen und die Heiligkeit Gottes ganz eng aufeinander bezieht.

kirchensite.de: Was ist der rote Faden des Buches?

Söding: Der Papst hat sein großes Thema, Jesus von Gott und Gott von Jesus her zu sehen, am schwierigsten Punkt, dem Kreuzestod Jesu und der Auferweckung, ausgeführt. Denn alles scheint gegen die Verbindung zu sprechen, wenn Jesus als Gotteslästerer verurteilt wird. Doch in dieser letzten Nähe ist alle Hoffnung für Menschen begründet, die leiden müssen und mit dem Leben nicht mehr fertig werden.

kirchensite.de: Berührt der Papst "heiße Eisen"?

Söding: Es geht um die Substanz. Ganz wichtig ist, vor dem Hintergrund der Debatten um die Karfreitagsfürbitte, die er für die Messe der Traditionalisten reformuliert hat, und die Aufhebung der Exkommunikation der Piusbrüder, die keine heilsgeschichtliche Sendung der Juden anerkennen wollen, dass der Papst glasklar gegen jede Form von Antisemitismus vorgeht und der Judenmission eine Absage erteilt. Und im Streit um das Hochgebet, der gegenwärtig läuft, ist der Papst auch entschieden: Egal, wie man übersetzt – Jesus ist "für alle" gestorben, und das wird in der Eucharistie gefeiert.

kirchensite.de: Der erste Band des Jesusbuches stieß auf ein lebhaftes Echo. Welche Reaktionen erwarten Sie auf den zweiten Teil?

Söding: Man sollte sich nicht so schnell daran gewöhnen, dass der Papst ein Jesusbuch schreibt. Er macht sich angreifbar – gerade dort, wo es weh tut. Er setzt sich der Kritik aus – gerade dort, wo es drauf ankommt. Ich befürchte, dass manche nur auf Fehlersuche gehen werden. Aber ich erwarte, dass die meisten interessiert sind, wie man heute die ganz große Geschichte unserer Kirche und unserer Welt lesen und verstehen kann. Die nachdenklichen Leser werden am meisten von dem Buch haben.

kirchensite.de: Vor allem seine Kritik an der Bibelwissenschaft und die von ihr geübte "historisch-kritische Methode" hat seinerzeit die Diskussionen bestimmt. Worum geht es im Kern in dieser Auseinandersetzung?

Söding: Der Papst leugnet nicht die Notwendigkeit kritischer Lektüre der Bibel. Er ist alles andere als ein Fundamentalist. Aber er sieht auch die Schwächen und Grenzen der Methode. Vielleicht betont er sie zuweilen zu stark. Er sagt sogar, dass die historisch-kritische Exegese ihr "Wesentliches" schon "gegeben" habe. Dann dürfte man von ihr eigentlich nichts mehr erwarten. Das glaube ich nicht. Aber es ist richtig, dass man über eine Exegese, die nur rückwärts gewandt ist, hinauskommen muss, um Jesus gerecht zu werden. Das geht nur, wenn die Gottesfrage gestellt wird. Das macht der Papst. Das ist stark.

kirchensite.de: Möchte der Papst, dass man die Bibel unkritisch liest?

Söding: Er selbst liest sie kritisch. Er lässt sich auch auf historisch-kritische Fragen ein. Ist Jesus am Paschafest oder einen Tag zuvor hingerichtet worden? Die Evangelien gehen hier auseinander, und die Frage ist brisant, weil das Verhältnis zwischen dem Paschamahl Israels und dem Letzten Abendmahl Jesu berührt wird. Oder hat es eine Verurteilung durch den Hohen Rat gegeben, wie Markus und Matthäus anders als Lukas und Johannes sagen? Die Frage hat es in sich, weil es doch irgendwie um die Schuld am Tode Jesu geht. Beide Male entscheidet sich der Papst für die schwierige Variante: kein rituelles Paschamahl, keine regelrechte Verurteilung. Beide Entscheidungen halte ich für richtig. Beide sind auf dem Boden der historisch-kritischen Exegese gefällt. Der Papst wird sie nicht los; das ist gut so.

kirchensite.de: Worauf legt der Papst in seiner Exegese besonderen Wert?

Söding: Der Papst will die Bibel ernst nehmen. Er will zeigen, dass es sinnvoll ist, die Gottesfrage auch heute so ernst zu nehmen, wie die Evangelisten sie ernst genommen haben und wie Jesus selbst sie ernst genommen hat. Dazu braucht er einen genauen Blick auf die Texte; und er braucht die Inspiration durch die großen Zeugnisse der christlichen Tradition.

Professor Thomas Söding.

Professor Thomas Söding.

kirchensite.de: Ist sie ein "Zurück hinter" oder ein "Mehr" zur bisherigen Bibelauslegung?

Söding: Die Exegese selbst ist ja derzeit auf der Suche nach neuen Wegen, "mehr" über die Texte und ihre Bedeutung zu sagen. Der Papst hat an diesen Diskussionen seinen Anteil. Er gibt aber nicht die allgemeine Marschrichtung der katholischen Exegese vor, sondern löst, wie ich hoffe, konstruktive Debatten aus, wie die Exegese mehr theologisches Gewicht erlangen kann. Der Weg muss weiter gehen; aber es gibt kein Zurück hinter die historische Kritik.

kirchensite.de: Welche Bedeutung hat der "historische Jesus" für den Glauben?

Söding: Die Geschichte Jesu hat grundlegende Bedeutung. Das Christentum ist keine Ideenlehre. Es beruht auf dem Leben, dem Tod und der Auferweckung Jesu. Wäre das alles nicht passiert, gäbe es keinen christlichen Glauben. Deshalb muss man auch historisch arbeiten, um der Wahrheit des Evangeliums ansichtig zu werden. Allerdings darf man sich dann nicht auf ein Weltbild zurückziehen, in dem Gott nicht mehr so vorkommt, wie er bei Jesus vorkommt. Das war früher die Gefahr der Suche nach dem "historischen" Jesu. Er wurde dann schnell gegen den Christus des Glaubens ausgespielt. Heute kann man weiter sein.

kirchensite.de: Lässt sich eigentlich mit absoluter Sicherheit klären, wie Jesus tatsächlich gelebt hat und was er sagte?

Söding: Was ist schon absolut sicher? Dass er gelebt hat und gestorben ist "unter Pontius Pilatus" – das sind sichere Fakten. Was er gesagt, getan, gelehrt hat: Wir haben den großen Vorteil, gleich vier Evangelien befragen zu können. Dort findet man keine O-Töne Jesu, sondern die Erinnerungen derer, die an ihn glauben. Das ist viel. Es ist eine gute Basis für die historische Recherche. Aber man muss genau analysieren und vergleichen – und darf sich dann nicht nur auf einzelne Sätze und Fakten fixieren. Im Ganzen vermitteln die Evangelien ein facettenreiches Bild von Jesus.

kirchensite.de: Eine ehrliche Einschätzung: Erreicht diese Diskussion auch die "normalen Gläubigen" oder ist es ein Gelehrten-Disput?

Söding: Das Buch kommt ohne Fachchinesisch aus. Es ist ein geistliches Buch. Es hat einen theologischen Hintergrund. Es will zur Begegnung mit Jesus führen. Das werden viele schätzen.

kirchensite.de: Was raten Sie Gläubigen: Wie können und sollen sie sich der Person Jesu nähern?

Söding: Es gibt so viele Wege. Die Lektüre eines Buches und, besser noch, das Lesen in der Heiligen Schrift selbst, ist ein wichtiger Weg, aber nicht der einzige. Das Gebet, die Liturgie, der Dienst am Nächsten – alles gehört zusammen.

kirchensite.de: Welche Hilfe bietet der Papst ihnen dabei mit seinen beiden Jesus-Bänden?

Söding: Der Papst öffnet die Augen für das Geheimnis des Lebens und des Leidens Jesu. Das ist sehr wichtig. Er ersetzt die Suche nach einer eigenen Beziehung zu Jesus nicht. Aber eine Hilfe kann das Buch sein.

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