
Katechese – hier bei der Erstkommunionvorbereitung in Ibbenbüren – beginnt bei den Kindern, aber hört bei der Sakramentenvorbereitung nicht auf.
Studientag in der Reihe "Best Practices"
Mehr Kreativität in der Katechese
Bistum. Der Fuldaer Pastoraltheologe Richard Hartmann hat zu Kreativität in der Katechese aufgerufen. "Die Gemeinde ist nicht der einzige und auch nicht der vorrangige Ort des Lebens von Kirche", sagte Hartmann beim Studientag "Katechese der Zukunft – Zukunft der Katechese" in Münster. Künftig müsse man auf verschiedene Milieus, Schichten und Altersgruppen unterschiedlich zugehen.
Die Tagung im Liudgerhaus bot die Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat in der Reihe "Best Practices" über beispielhafte Seelsorgeprojekte im Bistum Münster an. Mehr als 60 Haupt- und Ehrenamtliche aus nahezu allen Bistumsregionen nahmen teil.
Förderung der Kenntnis des Glaubens
Hartmann sagte, die Kirche müsse mit der Evangelisierung bei sich selbst beginnen. Erst dann komme es darauf an, Wege einer ausdrücklichen inhaltlichen Verkündigung zu gehen. Katechese dürfe nicht nur Unterweisung für Jugendliche sein oder sich auf Erstkommunion und Firmung beschränken. Vielmehr müsse sie eine wirkliche Förderung der Kenntnis des Glaubens bis ins hohe Erwachsenenalter hinein sein.
Hartmann forderte "eine stärkere Verzahnung von Glaubenswissen und Glaubensdeutung: Es muss nicht nur inhaltlich nachgelegt, sondern der Glaube muss auch übersetzt werden." Dazu gehörten Kenntnisse über den Aufbau der Liturgie, sittliche Bildung, die Erziehung zum Gemeinschaftsleben und eine Einführung in die Mission. "Die Art und Weise, wie Christen miteinander umgehen, ist eine indirekte Form der Verkündigung", unterstrich Hartmann. "Und Beten kann man nur durch Beten lernen."
Mehr als Sakramentenvorbereitung
An sechs Kriterien lässt Hartmann zufolge überprüfen, ob eine Katechese etwas taugt: Ist sie situations- und erfahrungsbezogen, evangeliumsgemäß, prozesshaft und begleitend, positiv und verbindlich, partizipatorisch sowie verkörpert sie Inhalte und Methode in Personen? "Das Glaubenslernen ist Sache der ganzen Gemeinde, und die Orte der Katechese gehen über die Sakramentenvorbereitung weit hinaus", betonte Hartmann.
Die Kirchengemeinde sei dafür oft zu klein. Deshalb müsse die Glaubensunterweisung bistums-, dekanats- und pfarreiengemeinschaftsweit angelegt werden. Andere Orte der Katechese könnten die Schule, der Verband, Freizeitmaßnahmen oder geistliche Zentren sein. Auch zur Taufe müsse es unbedingt eine Katechese geben.
Die Motivation für die Tagung erläuterten Andreas Fritsch und Oliver Lücke von der Hauptabteilung Seelsorge. Es gebe im Bistum Münster viele kreative, innovative Ideen, und es sei gut, von ihnen zu hören: "Deswegen veranstalten wir diesen Tag der Erfolgsgeschichten", sagte Fritsch. Darüber hinaus biete ein solches Treffen die Chance, Leute kennenzulernen, die besondere Projekte realisiert hätten, und sich inspirieren zu lassen.
Der Pastoraltheologe Richard Hartmann referierte. |
Ein Beispiel aus Stadtlohn
Pastoralreferentin Anne-Marie Eising stellte als ein Beispiel den Glaubenskurs für Erwachsene in St. Otger Stadtlohn vor. Der Kurs solle der Gewinnung eines festen Katechetenstamms dienen und auch gestandenen Gläubigen helfen, ihren Glauben neu aufzufrischen, sagte Eising. Ziel der Katechese sei es nicht, Kirchen zu füllen, sondern Menschen zu helfen, dass ihr Leben gelinge.
Der Grundkurs behandele die Themen Glaubensbekenntnis, Bibel, Kirche und Gebet sowie die Zehn Gebote. Im Aufbaukurs gehe es um das Glauben-Wecken, um Messe, Beichte, Firmung, um die Soziallehre der Kirche und das Zweite Vatikanische Konzil. Die Veranstaltungen finden einmal im Monat statt und umfassen eine Messe, einen Vortrag, die geistliche Vertiefung, eine Aussprache und das gemeinsame Gebet.
Ansteckend wirken
"Es geht uns um einen bessere Auskunfts- und Sprachfähigkeit im Glauben und eine Befähigung zum Apostolat im Alltag", unterstrich Eising. Ihrer Überzeugung nach muss die Katechese der Zukunft Profil haben und von Menschen getragen werden, die ansteckend wirken: "Wichtig ist nicht, dass wir sie alle haben, sondern dass Gott sie alle hat."
Weiterhin wurden zukunftsweisende Projekte der Jugendbildungsstätte Gilwell in Haltern vorgestellt (das Firmwochenende "Geistreich"), des WeG-Vereins Haltern, der Gemeinde Heiliger Anold Jansssen Goch sowie die Erwachsenen-Taufkatechese in St. Regina Drensteinfurt.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Schwerpunktthema: Katechese
Übersicht: Katechese
Das Beispiel aus Stadtlohn (30.01.2011)
"Best Practices": Quo vadis, Pfarrgemeinde? (13.06.2010)
Text: Gerd Felder | Fotos: Michael Bönte, Gerd Felder
22.02.2011
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