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23.05.2012
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Josefsaltar.

Lebensnah: Josef (r.) und Jesus tischlern, Maria sitzt am Spindel.

Serie "Biblische Heilige des Advents": Josef

Emsdetten: Josef als alltagstauglicher Heiliger

Emsdetten. Oft begegnet er uns nicht. In der Bibel ist nur an wenigen Stellen von ihm die Rede, kaum ausführlich, zumeist in Randnotizen. Der heilige Josef war daher auch in der Verehrung und künstlerischen Darstellung über lange Zeit eine Randfigur.

Erst etwa 1.000 Jahre nach seiner Geburt tauchten die ersten Einzeldarstellungen vom heiligen Josef auf, etwa als Träumender auf einer Holztür in Maria Kapitol in Köln (elftes  Jahrhundert). Doch gerade jene Zurückhaltung, jenes Wirken im Hintergrund, hat eine Ausstrahlung, die den Heiligen  populär machten.

"Er ist nicht so überhöht, wie das manch anderer Heiliger ist", sagt Pfarrer Josef Achterfeld vor dem Josefsaltar in seiner ehemaligen Pfarrkirche St. Pankratius in Emsdetten. "Er ist Handwerker und Familienvater, der Träume hat und gehorsam loszieht." In dem prunkvollen, spätgotischen Seitenaltar aus der Werkstatt von Ferdinand Langenberg werde genau dies deutlich: "Fleißiges, selbstverständliches Tun, ohne großen Lärm – aber mit großer Wiedererkennung für die einfachen Menschen."

Leben und Verehrung: Der spätgotische Josefsaltar zeigt den Heiligen in biblischen Szenen.

Eine "Seelenverwandtschaft", die ankam. Zumindest in der Zeit, in der der Altar entstand. Papst Pius IX. hatte den heiligen Josef 1870 zum Schutzpatron der Kirche ernannt. Josef, auch Patron der Familie, der Sterbenden, der Handwerker und der Arbeiter sei in jener Zeit sehr populär gewesen, sagt Achterfeld: "Eine echte Josefsmode – er stand hoch im Kurs." Weil er mit seinen biblischen Bildern so nah am Leben der damaligen Menschen gewesen sei. "Als fürsorglicher Familienvater, als fleißiger Arbeiter, als Gott gehorsamer Mann." Für den damaligen Kirchenvorstand Grund genug, für ein Seitenschiff der neu erbauten Kirche einen Josefsaltar in Auftrag zu geben. Die Bilder des Altars spiegeln den bewundernden Blick auf die Einfachheit im Wirken des Heiligen wider. Es sind Legenden, die dargestellt werden, angestoßen durch die biblischen Aussagen, aber weiterentwickelt zu einer eigenen Geschichte.

Etwa die Schnitzarbeit von der Verlobung mit Maria, von der es in der heiligen Schrift lediglich heißt: "Maria war verlobt mit einem Manne mit Namen Josef, der aus dem Hause Davids stammte" (Luk 1, 27). Die "Lücke" in der Erzählung von der Verlobung sei durch "Legenden" gefüllt worden, sagt Achterfeld. Dargestellt ist die Zeremonie nach Art einer kirchlichen Trauung, mit einem Tempelpriester, der die Hände von Maria und Josef mit einer Stola umwindet.

Nicht weniger Legende ist in der zweiten Schnitzarbeit zu finden, wenn die Heilige Familie bei der häuslichen Arbeit dargestellt wird. Maria sitzt am Spindel, der junge Jesus mit Säge wird von seinem Vater bei Holzarbeiten angeleitet. "Stilles, verborgenes Alltagsleben – Normalität, mit der jeder etwas anfangen konnte." Ein Bild, das in der Bibel so nicht zu finden ist. Lediglich wenige Worte im Lukas-Evangelium weisen darauf hin, dass Jesus in seiner Familie aufwuchs und "an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen" zunahm. Die dritte geschnitzte Szene ist in der Bibel überhaupt nicht erwähnt. Josef erfährt auf dem Sterbebett tröstenden Zuspruch von Maria und Jesus.

Der Altar zeigt den Heiligen auf Herbergssuche mit Maria.

Bei den geschnitzten Bildern sowie bei den Bildtafeln auf den Seitenflügeln mit der Darstellung der Herbergssuche sowie der Flucht aus Ägypten ist Achterfeld von den vielen kleinen "Details mit wichtigen Aussagen" begeistert. Etwa von der unauffälligen Tür, die sich hinter dem Sterbebett des Heiligen öffnet: "Sie ist Ausdruck der Glaubensgewissheit, dass sich im Tod eine Tür zu einer anderen Welt öffnet." Die Darstellungen seien damit weit entfernt von einer "gemalten Theologie" oder von "vertiefenden Meditationsbildern". Vielmehr seien es "Schaubilder", die der Betrachter einfach in "frommer Gesinnung" anschauen könne.

Deutlich wird dies auch mit dem Gemälde auf den zugeklappten Seitenflügeln des Altars. Josef nimmt als Symbol für die Kirche aus der Hand vom knienden Papst Pius IX. den Petersdom entgegen. Dem Papst schließen sich Frauen, Männer, Kinder, Priester und Ordensfrauen an. Verschiedene Kontinente und damit die Weltkirche sind durch Indianer und Schwarzafrikaner dargestellt, im Hintergrund ist ein zeitgenössisches Panorama von Emsdetten zu sehen.

Und heute? Kann Josef in dieser bunten, einfachen, nicht tief theologischen Darstellung heute noch auf die Menschen wirken? "Ja, weil er ein Gegenbild zur heutigen Show, zum sich 'Produzieren müssen' bieten kann", sagt Achterfeld. "Er ist kein verträumtes Ideal, sondern jemand, der die Menschen in seiner Einfachheit ergreifen kann."

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