
Am Wochenende tagte in Münster der Diözesanrat.
Bischof Genn lobt Engagement der Christen in der Diaspora
"Theater" im Diözesanrat
Bistum. Über die Landkarte der Wallfahrt nähert sich Bischof Felix Genn dem Bistum Münster immer weiter an. Dies berichtete er am Wochenende (Freitag, 17.09.2010) vor dem Diözesanrat in Münster. "Ich habe geschaut, wo es mir möglich ist, an verschiedenen Orten möglichst viele Menschen zu erreichen und ihnen zu begegnen", erzählte Bischof Genn. So habe er in den vergangenen Wochen und Monaten etwa an Wallfahrten in Telgte, Warendorf, Lippetal-Herzfeld und jetzt am Sonntag in Haltern teilgenommen.
Als einen Besuch der ganzen anderen Art schilderte er eine Visite in der Wesermarsch im nördlichen Teil des Bistums Münster. Die dortige Diasporasituation, "die sich mancher Westfale gar nicht vorstellen kann", habe zu einem reichen ehrenamtlichen caritativen Engagement der wenigen dort lebenden Katholiken geführt. Bischof Felix zeigte sich davon beeindruckt.
Leenders wird Borkener Kreisdechant
Positiv nahm der Diözesanrat einen Personalvorschlag des Bischofs auf. Danach soll der Borkener Propst Josef Leenders auch Borkener Kreisdechant werden. Der Pfarrdechant von St. Remigius folgt damit auch in dieser Aufgabe Weihbischof Wilfried Theising.
Ein Thema, das derzeit das gesamte Bistum betrifft, wird erneut den Diözesanrat beschäftigen: Bischof Genn will sich mit den Vertretern aus Regionen und Räten mit der Gemeinde-Struktur beschäftigen. In der nächsten Sitzung sollen Pläne hierzu diskutiert und beraten werden.
Schauspieleinlage und die Bereitschaft zum Widerstand
Vor diesen recht konkreten Dingen gab es Theater im Diözesanrat: Mit einer Schauspieleinlage näherten sich die Ratsmitglieder dem Thema "Beratungen in Gemeinschaft als geistlicher Vorgang"; Bischof Genn hatte das Thema vorgeschlagen und vor einigen Wochen auch in einem Interview mit Kirche+Leben erläutert, warum ihm dies wichtig ist. In der Annäherung an das Thema bewiesen die Mitglieder des Hauptausschusses in ihrem Rollenspiel schauspielerisches Talent – aber auch eine nüchterne Einschätzung, in der auch Selbstironie aufblitzte.
"Hoffentlich gibt es kein Theater...", war gleich zu Beginn des Spiels von Seiten der Bistumsleitung zu hören. Erkenntnisse zum Prozess der "geistlichen Entscheidung in der Gemeinschaft" wurden aus dem Hintergrund vorgetragen – von Bischof Genn. So lautete etwa der Kommentar zur ersten Szene: "Überzogenes Harmoniebedürfnis kann die Wahrnehmung der Realität und die Bereitschaft zum Widerstand – so er vom Geist geboten ist – verhindern."
Fraktionsbildung und Abhängigkeiten
Grüppchen- und Fraktionsbildung zeigte dann im zweiten Bild die Zusammenkunft der Protagonisten. "Wir Frauen müssen doch zusammenhalten", lautete eine Einladung an eine Mitarbeiterin des Generalvikariates. Die wiederum winkte ab, schließlich wolle sie ihren Job nicht gefährden. Die Bewertung dazu: "Fraktionsbildung kann die freie Entscheidungsfindung des Einzelnen und die Formulierung neuer Lösungswege behindern. Abhängigkeiten sind kritisch zu hinterfragen."
In dieser Weise spielte die Theatertruppe verschiedene Gesichtspunkte durch, um sie dann in den Prozess der "geistlichen Entscheidung in der Gemeinschaft" einzuordnen. So ging es etwa darum, dass die Gruppe um ihre Entscheidungskompetenz wissen müsse und die Grenzen akzeptieren solle. "Der Einzelne braucht aber auch den Mut, ohne Ansehen der Person die eigene Sicht der Wirklichkeit freimütig zu äußern."
Unüberbrückbare Spannungen
Nüchtern war aber auch die Feststellung, dass es auch Bereitschaft gebe müsse zu erkennen, dass manche Spannung unüberbrückbar sei. Und: Es gehe auch um "Bereitschaft, eine Entscheidung mitzutragen, wenn sie meinem Gewissen nicht widerspricht"; und eben gar die "Bereitschaft zum Widerstand, wenn mir dies im Geist geboten scheint".
Das Ende der Schauspieleinlage war dann auch Ausgangspunkt für das weitere Vorgehen: "Bereitschaft, die Situation so anzuschauen, wie sie ist".
In drei so genannten Anhörrunden hatten dann alle Mitglieder in jeweils wechselnd zusammengesetzten Kleingruppen ihre Meinungen zu Themen wie Ende der Volkskirche, Reformstau in der Kirche, Priester- und Geldmangel sowie Strukturveränderungen zu sagen. In einer vierten Runde erstellten die Ratsmitglieder dann Themen zusammen, die in den kommenden Jahren im Diözesanrat behandelt werden sollen.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Bistumshandbuch: Diözesanrat
Interview mit Bischof Genn: Wenn der Geist die Sitzung leitet
Dossier: Bischof Felix Genn
Text: Norbert Göckener | Foto: Michael Bönte
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