
Bischof Felix Genn segnete die Räume des renovierten Bistumsarchivs.
Renoviertes Bistumsarchiv wiedereröffnet
"Instrument für eine aufgeklärte Pastoral"
Bistum. Nur selten stehen Zentren historischer Forschung im Mittelpunkt. Das war am Mittwoch (08.09.2010) anders: Nach zweijähriger Renovierung wurde das münstersche Bistumsarchiv an der Georgskommende, eines der größten seiner Art in Deutschland, wiedereröffnet.
Das Archiv mit seinen wertvollen Nachlässen, die bis 1190 zurückreichen, habe für das Bistum auch im Hinblick auf gegenwärtige Herausforderungen enorme Bedeutung, sagte Ulrich Hörsting. Der Leiter der Hauptabteilung Verwaltung im Bischöflichen Generalvikariat dachte dabei nicht nur an die umfangreiche Sammlung von Urkunden und Schriften des Generalvikariats, der Klöster und Schulen. Auch die zahllosen hier lagernden historischen Zeugnisse aus den Pfarreien hätten Anteil daran, dass man von einer unverzichtbaren Institution reden könne. "Hier wird der Gesellschaft ein großer Dienst erwiesen", betonte Hörsting.
Bischof Genn: Diese Räume sind unentbehrlich
Thomas Scharf-Wrede, stellvertretender Vorsitzender der Bundeskonferenz der kirchlichen Archive Deutschlands, verwies auf die notwendige Kontinuität, für die ein gut geführtes Archiv Sorge trage. Er gratulierte dem Bistum zu dem weitreichend modernisierten Bau und fügte mit Blick auf die Vertreter der Bistumsleitung hinzu: "Sie haben damit ein Instrument für eine aufgeklärte Pastoral geschaffen."
Den bisweilen unterschätzten pastoralen Nutzen des Bistumsarchivs führte auch Bischof Genn aus. Wenngleich er es bedauere, kaum Zeit zum Besuch und zum Studium in einem Archiv zu finden, seien diese Räume doch auch für ihn unentbehrlich. Die Aufgabe eines Archivs sei eng mit der eines Bischofs verknüpft, wenn es darum gehe, in einer facettenreichen Gegenwart Orientierungen zu schaffen. Nach seinem Grußwort segnete der Bischof die Räume und die neue Orgel der bischöflichen Kirchenmusikschule im selben Gebäude. An der zweiregistrigen Übungsorgel können sich künftig junge Kirchenmusiker auf ihre C-Prüfung vorbereiten.
"Kirche begreift sich durch Bezug auf Vergangenheit"
Auch Archivdirektor Ulrich Helbach aus dem Erzbistum Köln legte in seinem Festvortrag den Schwerpunkt auf die pastorale Funktion kirchlicher Archive. Diese sei zuletzt 1997 in einem Schreiben der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter unterstrichen worden. "Die Kirche begreift sich – anders als staatliche Institutionen – maßgeblich durch den direkten Bezug auf ihre eigene Vergangenheit. Das gilt auch für den Bischof von Münster, der sich ganz bewusst als Nachfolger jener Bischöfe sieht, deren Wirken bis weit in die Geschichte zurückreicht", sagte Helbach.
Das Bistumsarchiv steht nicht nur Wissenschaftlern, sondern auch Privatpersonen offen, die hier Ahnenforschung betreiben möchten. Im renovierten Lesesaal stehen 20 Nutzerplätze mit Computern zur Verfügung. Geöffnet ist das Bistumsarchiv montags bis freitags von 9 bis 12.30 Uhr sowie montags und mittwochs von 13.30 bis 17 Uhr. Wegen der beschränkten Zahl der Plätze wird eine Reservierung empfohlen: Tel: 0251 / 495518.
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Text: Tim Schlotmann | Foto: Tim Schlotmann
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