
Bischof Hauke beim Segnen der Gedenktafel für Hirschfelder.
Erstmals mit Bischof Reinhard Hauke
Glatzer Wallfahrt im Zeichen der Seligsprechung Hirschfelders
Telgte. Weit über 1.000 Gläubige aus der Grafschaft Glatz kamen am Samstag (28.08.2010) zur traditionellen Wallfahrt ihrer Volksgruppe nach Telgte. "Mit meinem Gott überspringe ich Mauern" lautete das Motto der Veranstaltung, die in diesem Jahr zum 64. Mal stattfand und ganz im Zeichen der bevorstehenden Seligsprechung des Glatzer Kaplans Gerhard Hirschfelder stand. Höhepunkt der Wallfahrt war der traditionelle Gottesdienst am Samstagmorgen auf dem Platz vor der Telgter St. Clemenskirche, dem erstmals der neue Vertriebenenbischof Reinhard Hauke (Erfurt) vorstand.
In seiner Predigt redete der Geistliche Klartext. "Der Glauben hilft, auch schwierige Situationen im Leben zu meistern und Mauern zu überspringen", sagte Hauke. Als Beispiel dafür nannte er Familien, die ein Kind verloren hätten. Umso mehr Mut brauche es, sich danach für ein weiteres Kind zu entscheiden. In diesem Zusammenhang forderte Hauke mehr Hilfen für werdende Mütter, die sich durch die Schwangerschaft in einer ausweglosen Situation wähnten und einen Abbruch erwögen.
"Unbeirrbares Ja zu Gott"
Zu größeren Anstrengungen rief der Bischof auch bei der Betreuung von Senioren auf. Stichwort Euthanasie: "Wenn ältere Menschen durch Krankheit und Einsamkeit so verzweifelt sind, dass sie nicht mehr leben wollen, ist die Gesellschaft gefordert", betonte Hauke. Wie kann solchen Menschen effektiver geholfen werden, beispielsweise um Schmerzen zu lindern oder Einsamkeit zu durchbrechen? Solche Fragen gelte es dringend zu lösen, mahnte der Bischof an.
Aus dem Glauben heraus Mauern übersprungen habe auch Kaplan Gerhard Hirschfelder, schlug der Seelsorger anschließend einen Bogen zur Seligsprechung des jungen Glatzer Geistlichen, den Kardinal Joachim Meisner am 19. September 2010 im Dom zu Münster im Auftrag des Papstes selig sprechen wird. In den 1940er Jahren war Hirschfelder Jugendseelsorger in der Grafschaft Glatz. Bei den Nationalsozialisten fiel er durch kritische Äußerungen in Ungnade, die in dem Satz gipfelten: "Wer der Jugend den Glauben an Christus aus dem Herzen reißt, ist ein Verbrecher."
Das nahmen die Nazis zum Anlass, den Kaplan ins Konzentrationslager Dachau zu verschleppen, wo er am 1. August 1942 starb. "Die Mauern des Konzentrationslagers blieben zwar stehen. Innerlich aber hat Hirschfelder sie durch sein unbeirrbares Ja zu Gott überwunden", kam Bischof Hauke zum Ende seiner Predigt noch einmal auf das Motto der diesjährigen Wallfahrt zurück.
"Mensch, was bin ich glücklich"
"Mauern überspringen wollen auch die Glatzer", betonte Großdechant Franz-Josef Jung in Telgte. Sie strebten nicht nach Rache oder Vergeltung, sondern nach Versöhnung mit Polen und Tschechen. Über die Seligsprechung Kaplan Hirschfelders freute Jung sich sichtlich. "Mensch, was bin ich glücklich", gab er einen Blick frei in sein Herz.
Im Anschluss an den Gottesdienst segnete Bischof Hauke einen Gedenkstein für Kaplan Hirschfelder, der bereits vor zehn Jahren nahe der St. Clemenskirche an der Ems errichtet worden war, aus aktuellem Anlass aber mit einer neuen Bronzetafel ausgestattet wurde, die über die Seligsprechung informiert. Gläubige wie das Ehepaar Manfred und Sofia Schölzer kennen die Gedenkstätte. Die beiden Herforder kommen seit 50 Jahren zur Wallfahrt nach Telgte. Aus religiösen Gründen, aber auch zur Erinnerung an die alte Heimat, wie die beiden sagen. Ob sie zur Seligsprechung Kaplan Hirschfelders nach Münster kommen, hängt für das Paar vom Wetter und der Gesundheit ab. Die Franziskanerinnen Schwester Bonitura und Adelgera wollen auf jeden Fall dabei sein. Lucie Päuker dagegen begnügt sich mit der Wallfahrt. Sie ist 86 Jahre alt.
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