
Die Ministranten aus dem Bistum Regensburg sind stolz, dass sie aus der Heimat des Papstes kommen.
Auftakt der Internationalen Ministrantenwallfahrt
Die "wahre Quelle" und das Trinkwasser
Rom. Wir befinden uns im Jahr 2010 nach Christus. Ganz Rom ist von Pilgern bevölkert. Und anders als im Asterix-Comic hat auch das letzte Dorf seinen Widerstand aufgegeben: der Vatikan. Schon vor neun Uhr am Montag (02.08.2010) hat die Schlange vor dem Petersdom eine enorme Länge erreicht: Dort, wo die Schatten spendenden rechten Kolonnaden enden, geht die Reihe der Wartenden noch gut 20 Meter weiter. Fast nur Messdiener stehen an. Am Ende der Schlange, auf dem sonnenüberfluteten Petersplatz, suchen die ersten unter Kappen und mitgebrachten Schirmen Schutz. Die Pilger vertreiben die Zeit mit Singen. Eine Gruppe hat gerade die siebte Wiederholung von "Laudato si" erreicht.
Beim Pressetermin am Mittag heißt es, im heißen August blieben nur Touristen und Hunde in Rom. Das ist definitiv falsch: 53.000 Messdiener aus 17 Ländern Europas halten sich derzeit als Pilger der Internationalen Ministrantenwallfahrt im Zentrum der Weltkirche auf. 45.000 davon sind Deutsche, gut 2.000 kommen aus dem Bistum Münster. Da viele Teilnehmer aus dem NRW-Teil der Diözese morgens noch auf norditalienischen Autobahnen stecken, bilden die Kollegen aus den süddeutschen Bistümern eine Art "Vorhut".
"Dass es so viele Messdiener gibt"
Die Oldenburger allerdings sind schon da. Schon am Donnerstag (29.07.2010) haben 900 Ministranten aus dem Offizialat ein Zeltlager bei Ostia aufgeschlagen. Die Stimmung dort ist Klasse: Das Lager hat einen eigenen Strand am Mittelmeer, wo die Messdiener unter Aufsicht baden. In kleinen Gruppen werden die "Bistums-Nordlichter" durch Rom geführt, erzählt Elisabeth Beyer. Die 22-Jährige begleitet als Betreuerin neun Messdiener aus St. Paulus Stuhr vor den Toren Bremens. "Die Kinder sind total begeistert, dass wir so oft in Rom sind." Das müssen wir glauben – Stuhrer Kinder sind gerade nicht zu sehen: Alle unterwegs, klar.
Mindestens so toll finden die Teilnehmer – die Jüngsten sind zwölf – die Gemeinschaft: "Die hätten nicht geglaubt, dass es so viele Messdiener gibt", sagt Elisabeth Beyer. "Und so viele Kirchen."
Auch Weihbischof Heinrich Timmerevers zeigt sich beeindruckt: "Das ist die größte Gruppe, die ich in meiner Amtszeit nach Rom begleite." 70 Teilnehmer kommen aus der Diaspora des Dekanats Wilhelmshaven: "Für die ist das eine ganz neue Erfahrung: Wir sind ja gar nicht so wenige." Und der Weihbischof genießt die Gottesdienste. Einen gab es zu Beginn im Lager, einen zweiten am Sonntag (01.08.2010) in Santa Maria supra Minerva: "Das ist schon eine besondere Atmosphäre", lobt Timmerevers. "Beim Gottesdienst merkt man, dass das Messdiener sind." Am Altar dienstfrei, trotzdem ganz "dabei" – und die große Andacht auf dem Petersplatz kommt erst noch.
Messdiener aus Emsdetten lassen sich vor dem Kolosseum die Geschichte Roms erklären. |
24 Stunden Busfahrt
Nachmittags erreichen die Messdiener aus dem NRW-Teil des Bistums Rom. Einige haben gleich zwei Sonnenbrillen auf. Die untere besteht aus mehr oder weniger tiefen Ringen um die Augen: 24 Stunden Busfahrt und mehr haben alle in den Knochen. "Ruhig war es bei uns nur zwischen Mitternacht und fünf Uhr", sagt Jacky Bahle. Die 15-Jährige und 52 Kollegen aus St. Anna Neuenkirchen belegen gleich einen ganzen Bus.
Trotz langer Reise – zum Schlafen muss die Nacht genügen. Nach der Ankunft im Hotel am Stadtrand und einer kurzen Dusche startet das Besichtigungsprogramm. Es wird sehnlich erwartet, denn die übergroße Mehrheit der befragten Bistums-Messdiener ist zum ersten Mal in Rom.
Stadtführer aus dem Bistum
Ihre Stadtführer ganz und gar nicht: Münstersche Priester und Theologiestudenten sind das. Entweder haben sie ein Semester in der Ewigen Stadt verbracht oder leben noch immer dort. Wie Jörg Niemeier. Der 29-jährige Ahauser wurde im Oktober 2009 in Rom zum Priester des Bistums Münster geweiht.
Er schleust eine Gruppe aus St. Marien Emsdetten zwischen den Menschenströmen hindurch am Kolosseum und am Forum Romanum vorbei, löst manchen Schauer aus, wenn er die Zahl der Toten bei "Spielen" im Kolosseum nennt, und erläutert immer mal wieder, wie Geschichte bis heute wirkt: "Unser Wort 'Palast' geht auf den römischen Palatin-Hügel zurück, wo der Kaiser wohnte." "Hat er gut gemacht", findet Chantal Teupe. Die 19-jährige Emsdettenerin denkt besonders an die Schüler, die ja noch Ferien haben: "Nicht so viele Jahreszahlen. Nicht so trocken."
Aus der "falschen" Quelle trinken
Eins aber ist trocken – das Wetter. Zwar sollen die gut 30 Grad vom Montag (02.08.2010) für römische August-Verhältnisse gemäßigt sein. Dennoch: Als Weihbischof Timmerevers beim Abendgebet aller Bistums-Teilnehmer von "Durst" spricht, geht ein kollektiver Seufzer durch die Kirche Santa Maria in Trastevere.
"Aus der wahren Quelle trinken" lautet das Wallfahrtsmotto. Und Wallfahrt hin oder her – außerhalb der Kirchen ist die wahre Quelle nicht immer der Glaube. Die wichtigste Quelle ist der Brunnen gleich um die Ecke – da fließt Trinkwasser.
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Fotostrecke: Die Ministrantenwallfahrt beginnt (03.08.2010)
Münstersches Abendgebet bei der Ministrantenwallfahrt (03.08.2010)
Text: Jens Joest | Fotos: Michael Bönte
03.08.2010
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