
Bunte Trachten gehören zur Anna-Wallfahrt der Schlesier.
65. Jahreswallfahrt der Schlesier auf den Annaberg in Haltern
"Den Glauben bewahren – egal wo man hingeht"
Haltern. "Gott will, dass wir ihm auf die Pelle rücken." – Vertriebenen-Bischof Reinhard Hauke aus Erfurt geht in seiner Predigt bei der 65. Schlesierwallfahrt auf dem Annaberg in Haltern auf die Nähe zu Gott ein. Die rund 2.000 Pilger, die am Sonntag (25.07.2010), einen Tag vor dem Namensfest der heiligen Anna, nach Haltern gekommen sind, feiern gemeinsam das alljährliche Treffen mit einem Festhochamt am Beginn des Tages. Auf den Ort nimmt auch Bischof Hauke Bezug: "Wallfahrtsorte sind solche Orte, an denen wir Gott nahe sein können. Man muss den Glauben bewahren, egal wo man hingeht."
Den Weg auf den Annaberg nehmen an diesem sonnigen Vormittag viele zu Fuß. Wem das zu mühsam ist, der wird von freundlichen Helfern per Kleinbus zur heiligen Anna gefahren. Neben den vielen, die die Vertreibung aus der ehemaligen Heimat noch miterlebt haben, sind auch Jüngere gekommen. Familien mit kleinen Kindern sitzen im Schatten der Bäume nahe der Anna-Kapelle.
Heimat der Vorfahren
Klaus Prengel und seine Familie sind aus der Nähe von Bielefeld angereist. Die Großeltern stammen aus Oberschlesien. "Wir haben die Heimat meiner Vorfahren schon mehrfach besucht", berichtet der 42-jährige Familienvater. "Dort liegen schließlich unsere Wurzeln und ein Teil unserer Familiengeschichte. Seit zehn Jahren kommen wir auch zur Wallfahrt auf den Annaberg. Das ist immer wie eine große Familienfeier."
Ähnlich sieht das auch Herbert Gröger aus Münster. Seit über 40 Jahren ist er bei der Wallfahrt dabei und organisiert diese inzwischen für die Diözese Münster. "Am Anfang kamen rund 4.000 bis 5.000 Wallfahrer. Aber das hat sich in den vergangenen Jahren auf um die 2.000 eingependelt. Schön ist, dass auch immer mehr Jüngere kommen."
Einstimmung auf Seligsprechung von Hirschfelder
An die Tradition erinnern auch die bunten Trachten der Frauen und die Bergmannskittel der ehemaligen Bergleute. Fahnen aus der ehemaligen Heimat halten die Erinnerung wach.
Vertriebenen-Bischof Reinhard Hauke aus Erfurt. |
Nach dem Hochamt nutzen die Ober- und Niederschlesier die Zeit, um sich mit Freunden zu treffen und Gespräche zu führen. Für viele ist dieser Tag inzwischen eine feste Größe im Kalender. Nach dem Mittag trafen sich viele der Gläubigen in der Wallfahrtskirche zu geistlichem Gesang. Den Schlusspunkt des feierlichen Tages markierte eine St.-Anna-Andacht.
In seiner Predigt ging Prälat Franz Jung, Visitator der Katholiken in Glatz (Schlesien), auf die Seligsprechung von Kaplan Gerhard Hirschfelder ein. Hirschfelder wurde 1907 in Glatz geboren und wirkte als Kaplan bis er 1941 von den Nazis inhaftiert wurde und im August 1942 im KZ Dachau an den Qualen und an Entkräftung verstarb. Am 19. September wird er im Dom zu Münster wegen seines Mutes zum Glauben und zur Versöhnung selig gesprochen.
"Bis zum nächsten Jahr"
Am späten Nachmittag endet der Tag auf dem Annaberg. Gemeinschaftlich, zu Fuß oder mit dem Shuttle Service, geht es den Berg hinab. Viele verabschieden sich mit einem freundlichen aber bestimmten: "Bis zum nächsten Jahr."
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Text: Dirk Bauer | Fotos: Dirk Bauer
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