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10.12.2018
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Ordensschwester Athanasia.

Sie hat viel erlebt, und sie weiß viel zu berichten: die 94-jährige Ordensschwester Athanasia.

Schwester Athanasia feierte ihr 70-jähriges Ordensjubiläum

Im Dienst für Gott und die Menschen

Münster. Beim Ordenstag im April dieses Jahres war Schwester Athanasia Lamping die Älteste: Seit 70 Jahren gehört sie der Gemeinschaft der Vorsehungsschwestern an. Mit 94 Jahren spürt sie wohl die Last des Alters, aber ihr Geist ist frisch und lebendig. Beneidenswert, auf ein so langes reiches Leben zurückblicken zu können.

1916 wird sie im Oldenburgischen Dinklage geboren. Dinklage ist für sie nicht nur Geburtsort, sondern Heimat. Dorthin zieht es sie immer wieder zurück: zu ihrer Familie, auch zum Kloster der Benediktinerinnen, wo sie mehrmals an Exerzitien teilgenommen hat. Ihr Heimatdorf hat sie mit Kardinal von Galen gemeinsam, ihr Geburtsjahr mit dem unvergessenen Kardinal Julius Döpfner. Beide haben sie mehr geprägt, als sie selbst es ahnt: der tapfere Streiter gegen den Nationalsozialismus und der große Konzilsbischof und Kirchenreformer.

Wer wenige Monate nach Kriegsbeginn in einen Orden eintrat, hatte Mut; man erfuhr damals bereits von den Bedrängnissen, denen viele Ordens-Christen und viele Laien damals ausgesetzt waren. Schwester Athanasia gelobte mitten in dieser schwierigen Zeit Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Sie wurde damals solidarisch mit den Menschen, deren Ehe und Familie durch die Schrecken des Kriegs zerstört wurden: mit den vielen Menschen, die ihren Besitz verloren durch Kriegszerstörung und Flucht; mit den vielen Menschen, die kein selbstbestimmtes Leben führen konnten, weil andere für sie entschieden, zum Beispiel die vielen Menschen, die von ihrem Grund und Boden vertrieben wurden. Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam waren nicht nur ein spirituelles Lebensprogramm, sondern tagtäglich erlebte Realität vieler Mitmenschen.  Den Menschen ist sie seitdem zutiefst verbunden.

Sie nahm den Ordensnamen des großen Bischofs und Kirchenlehrers Athanasius an, übersetzt aus dem Griechischen ins Deutsche heißt "athanasios – unsterblich". Sie hat wohl bei der Wahl ihres Namens nicht an ein langes Leben gedacht, sondern eher daran, dass sie mit dem unsterblichen Gott und seinem auferstandenen Sohn solidarisch wurde.

Im Collegium Borromaeum übernahm sie die große Küche, in der täglich fast 200 Theologiestudenten, die sich auf das Priestertum vorbereiteten, verpflegt wurden. Das war keine leichte Aufgabe, die sie 15 Jahre leistete. Etliche hundert Theologen erinnern sich dankbar an sie; und die Zeit war keine Luxuszeit. Als sie sieben Jahre nach Kriegsende und vier Jahre nach der Währungsreform die Küche im Borromaeum übernahm, musste gespart werden; Reichtümer gab es nicht, und die Küche war keine Gourmet-Küche. Sie hat mit ihren Mitschwestern und Küchenhilfen das Beste aus der Notzeit gemacht.

Schwester Oldenburgia

Aus der Borromaeum-Zeit kommt auch ihr Spitzname "Schwester Oldenburgia", unter dem sie Generationen von Theologen kennen. Es gab damals im Konvikt die zahlreichen Landsmannschaften, die sich abends im Lichthof des Borromaeums trafen und Kontakt hielten zu Priestern aus ihrem Heimatgebiet: Ahusia, Amisia, Steinfurtia, Brukteria, Tecklenburgia  und eben Oldenburgia, die zahlenmäßig wohl größte – und lauteste! – Landsmannschaft mit einem besonders ausgeprägten Zusammengehörigkeitsgefühl; sie waren ja auch am weitesten von ihrem Zuhause entfernt und ertrugen den Trennungsschmerz durch ihre Verbundenheit. Dass sie ihre Landsmännin Schwester Oldenburgia vereinnahmten, war selbstverständlich.

Von Schwester Athanasia ist eine nette Anekdote überliefert, die zugleich ein Zeichen von Souveränität und Planung in einer armen Zeit war. Ob die Geschichte allerdings tatsächlich so geschehen ist, weiß man natürlich nicht. Es hatte also ein "Alumne", so nannte man die Theologiestudenten damals, nach dem Mittagessen heftige Magenschmerzen und musste einen Arzt aufsuchen. Dieser fragte nach der eben beendeten Mittagskost und, als er von den mittäglichen Frikadellen erfuhr, stellte er die Diagnose: "möglicherweise leichte Fleischvergiftung". Der Alumne bekam also eine Medizin und berichtete Schwester Oldenburgia von dem Ereignis: Der Arzt habe die Frikadellen für die Ursache einer Fleischvergiftung gehalten. Worauf die erfahrene Küchenschwester konterte: "Geht gar nicht! In den Frikadellen war gar kein Fleisch!" So waren die Zeiten damals, und so war Schwester "Oldenburgia".

Was Spiritual Bours für die Seele der Theologen war, war Schwester Athanasia für den Leib; und beides gehört nun mal zusammen; das hatten die Theologen in den Vorlesungen gelernt: der Mensch ist eine Leib-Seele-Einheit. Die vielen "Leib-Seele-Einheiten" waren im Borromaeum gut aufgehoben.

Im Kleinbus zum Großmarkt

Auch auf dem Jungeninternat in Ostvevern, der Loburg, traf sie gleich wieder auf junges Publikum; aber nun war sie die Chefin einer ganzen Gruppe von Frauen, darunter etliche Ordensfrauen, die den äußeren Betrieb einer so komplizierten Gesellschaft aufrecht hielten. Da waren die Küchenschwester und die Krankenschwester, die vielen Frauen im Putzdienst, die vielen Mädchen in der Küchenhilfe, die Sekretärin, die Erzieherinnen. Es war eben kein "reiner Männerbetrieb", sondern Frauen wie Schwester Athanasia verkörperten die Mütterlichkeit, ohne  die ein solches Haus wahrscheinlich unheimlich wäre, und sie war die "Obermutter". Von allen hochgeschätzt, tat sie ihren Dienst und ist vielen Menschen in bester Erinnerung geblieben. Oft bin ich mit ihr im Kleinbus zum Großmarkt nach Münster gefahren und war immer wieder erstaunt, mit wie viel Umsicht sie die riesigen Mengen für mehr als 300 Gäste zusammenbrachte; es hat eigentlich an nichts gefehlt.

In der Heiligen Schrift ist die "sieben" eine Zahl der Gnade und des Segens: sieben Tage der Woche, sieben Paare reiner Tiere in der Arche, sieben Tage der ungesäuerten Brote, sieben Gemeinden, sieben Engel in der Offenbarung. Und in einer der Brotwunder-Geschichten werden zu Jesus sieben Brote gebracht. Das alles mit der Vollkommenheitszahl "zehn" multipliziert, kommen wir zu 70 Ältesten, zu 70 Übersetzern der griechischen Bibel, die man die "Septuaginta" nennt. 70 Jüngerinnen und Jünger werden von Jesus berufen. "Sieben" und "70" sind die Zahlen der Vollkommenheit, der Erfüllung, der Ganzheit.

Glücklich, wer die "70" als Jubel-Zahl feiern kann wie Schwester Athanasia.

Zur Person

Ein bewegtes Leben
- Am 2. Februar 1916 als Josefa Lamping in Dinklage geboren
- 1940 Eintritt in die  Ordensgemeinschaft von der Göttlichen Vorsehung
- 1942 Erstes Gelübte
- 1945 Ewiges Gelübte
- 1943 Im Haus Loretto im Kreis Steinfurt kocht sie für die Kranken im Lazarett
- 1946 Leitung der Küche im Vorsehungskloster St. Mauritz
- 1952 Leitung der Küche im Theologenkonvikt Collegium Borromaeum in Münster
- 1967 Oberin im Jungeninternat Collegium Johanneum in Ostbevern
- 1978 Tätigkeiten in der Hildegardisschule Münster, in Lastrup und Stapelfeld
- 1983 Oberin im Josefshaus Münster
- 1991 Konvent der Vorsehungsschwestern im Bischofshaus am Domplatz
- seit 1997 Ruhestand im Mutterhaus Friedrichsburg

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Text: Ulrich Zurkuhlen | Foto: privat in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
10.07.2010

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