
Bischof Clemens August Graf von Galen bei einer Reise durch sein Bistum. 1934 warb er mit einer Schallplatten-Aufnahme für die Teilnahme der Gläubigen an den Exerzitien.
Ton-Aufnahme von Bischof von Galen von 1934
Überraschender Fund aus einem Nachlass
Bistum. Dass es neben der Aufnahme der letzten Rede Kardinals Clemens August von Galen vom 16. März 1946 auf dem Domplatz in Münster noch weitere hörbare Ansprachen oder Predigten des Bischofs von Münster (1933 bis 1946) geben könnte, war und ist Gegenstand von Spekulationen der Historiker. Doch nun wurde durch Zufall eine zweite Originalton-Aufnahme des "Löwen von Münster" aus dem Jahr 1934 entdeckt.
Propst Hans-Bernd Serries aus Billerbeck kann sein Glück immer noch nicht fassen. "Gut, dass ich mir die CDs bis zum Schluss angehört habe. Ich habe die Stimme Bischof Graf von Galens sofort erkannt, weil ich seine bislang einzige Tonaufnahme aus dem Jahr 1946 kenne." Womöglich wäre die achtminütige Ansprache Galens noch lange Zeit im Archiv des Landesmedienzentrums des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe unentdeckt geblieben, wenn Serries nicht ein so guter Galen-Experte wäre.
Zwei CDs erstellte das Landesmedienzentrum aus Tonbändern, die aus dem Nachlass des längjährigen Bischöflichen Sekretärs Galens, Heinrich Portmann (1905 bis 1961), stammen. Im vergangenen Jahr übergaben die Angehörigen des Sekretärs, die Familien Frido Portmann und Margret Kreienbaum, die Tonbänder an die Historikerin Ingrid Lueb, die derzeit eine Edition der Portmann-Tagebücher für die Zeit von 1939 bis 1950 vorbereitet. Im Landesmedienzentrum hörten dessen Leiter Markus Köster und Ingrid Lueb die Tonbänder, endeckten aber nicht die erhoffte Galen-Sequenz. Ein Mitarbeiter digitalisierte die Tonbänder auf zwei CDs, die dann auch an Propst Serries weitergereicht wurden.
Seine Entdeckung und weitere Recherchen anhand historischer Quellen bringen Licht in die Odyssee der Galen-Tonaufnahme: Vermutlich aus Werbezwecken sprach Bischof Graf von Galen 1934 im Kettelerhaus, einem ehemaligen Exerzitienhaus in der Schillerstraße in Münster, einen Text zur Aufnahme auf einer Schellackplatte. Das Exerzitienhaus war damals die Zentrale der Exerzitienbewegung im Bistum Münster. Ob sich während der Aufnahme ein Zuhörerkreis eingefunden hatte, lässt sich heute nicht mehr feststellen.
Der Bischof betonte die Bedeutung der Exerzitien. Er sagte unter anderem: "Wo ist das wichtigste, das heiligste Anliegen unseres Seins und unseres Lebens? Es ist das ewige Glück unserer Seelen! Wozu sind wir auf Erden? Zum Essen und Trinken? Zum Arbeiten und Schlafen? Zum Geldverdienen und Sich-vergnügen? Ist das alles? Wird das ewig dauern? Oh, nein! Das alles mag nötig und zu seiner Zeit unsere Beschäftigung sein, aber nicht für immer, nicht für ewig. Das alles wird enden für einen jeden von uns, früher oder später. Aber sicher wird es enden. Und dann? Dann soll unser rechtes Leben erst beginnen. ... Lasst uns in der Stille der Exerzitien einmal in Ruhe nachdenken über unser Leben und Streben, damt wir nicht uns täuschen und in die Irre gehen, den rechten Weg verfehlen, der zum ewigen Glücke führt."
Ob die Aufnahme auf zwei Schellackplatten jemals verbreitet wurde, lässt sich nicht sagen. Die Schallplatten entdeckte 1960 Wolfgang Schumacher aus Oer-Erkenschwick, dessen Vater ein Spezialgeschäft für Phono- und Tonbandgeräte und Lichtbildwände hatte. Er informierte Heinrich Portmann, der wegen seiner Galen-Biografie ein besonders guter Adressat war. Portmann ließ sofort die Aufnahme auf Tonband aufzeichnen, das damals das modernere Abspielgerät war. Über den Verbleib der Schellackplatten ist nichts bekannt, sie dürften nicht mehr existieren.
Die Ton-Aufnahme des Bischofs soll nun im Landesmedienzentrum "veredelt" und zu gegebener Zeit veröffentlicht werden. "Es handelt sich um ein einzigartiges Tondokument, in dem die kraftvolle Stimme des Bischofs zum Tragen kommt", sagt Serries. Auch der gesprochene Text sei interessant. Im letzten Satz rief der Bischof die Christen auf: "Kommet zu den heiligen Exerzitien, kommet abseits an einen einsamen Ort und ruht ein wenig aus bei Christus, unserem Heilande."
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Text: Johannes Bernard | Foto: Archiv in
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