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22.05.2012
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6. Januar.

Am 6. Januar feiert die Kirche das Fest der Erscheinung des Herrn – mit dem alten griechischen Wort: "Epiphanie".

Reisen nach Afrika haben das Leben von Mathias Kamp verändert

Deutsch-afrikanische Liebe

Sie folgten einer Vision, einer Verheißung: Auf dem Weg ins Ungewisse machten die Heiligen Drei Könige eine wertvolle Entdeckung, die für ihr Leben entscheidend war. Auch heute machen Menschen solche Erfahrungen – wie Mathias Kamp aus Rheine-Mesum, der für ein Praktikum nach Ghana in Afrika reiste.

Oft werde er gefragt: Wie ist es in Afrika? "Weiß ich nicht", sagt Mathias Kamp dann. Ein pauschales Urteil kann er nicht fällen. Fünf Länder hat er bisher besucht. Überall ist es anders, doch eins war überall gleich: Wo er war, hat er Freunde gefunden. "Das Gefühl, in Afrika zu sein und mich wohl zu fühlen, wiederholt sich in jedem Land", hat der 26-Jährige erfahren. "Ich bin jedes Mal wieder gern in Afrika und freue mich auf die Menschen." Er weiß, dass er dort erwartet wird. "Das fühlt sich gut an." Gleichzeitig erlebt er bei jedem Aufenthalt Neues. "Mit jeder Afrikareise geht der Lern- und Entdeckungsprozess weiter."

Praktikum für drei Monate

Er begann im Jahr 2006: In Tamale, der Hauptstadt der gleichnamigen Kirchenprovinz im Norden von Ghana, machte der Student der Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Entwicklungspolitik für drei Monate ein Praktikum. Er arbeitete in dem Büro, das die Bistumspartnerschaft zwischen Nordghana und Münster sowie das damit zusammenhängende Programm zur politischen Bildung koordiniert.

Den Praktikumsplatz hatte er sich selbst gesucht. "Ich wusste von der Bistumspartnerschaft in Nordghana", sagt Mathias Kamp. Auch die Eyerund-Stiftung, die in der Kirchenprovinz Tamale unter anderem Projekte zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung im Bereich der Gesundheitspflege, der Schulbildung und der beruflichen Ausbildung unterstützt, war ihm bekannt. Er nahm Kontakt mit der Stiftung auf, organisierte seine Reise. Und er stellte sich auf das Leben in einem fremden Land, auf einem fremden Kontinent ein.

Mathias Kamp mit seiner Freundin Linda Cheboo Bore, die er bei einem Austauschprogramm in Afrika kennen gelernt hat. Das Foto entstand im Hafen von Daressalam in Tansania.

Tiefe, feste Freundschaften geschlossen

"Auf meine erste Begegnung mit Afrika war ich relativ gut vorbereitet", sagt Mathias Kamp. Er hatte Seminare besucht, wusste, welche Arbeit ihn erwartete und worauf er im Umgang mit den Menschen Acht geben musste. Dennoch: "Eine klare Vorstellung von dem, was mich in Ghana erwartete, hatte ich nicht." In Tamale war er im Gästehaus der Kirche untergebracht und fand über seine Arbeit und sein Engagement in der Kirchengemeinde sofort Anschluss. "Ich habe mich pudelwohl gefühlt und tiefe, feste Freundschaften geschlossen."

So wurde am Ende aus dem Praktikum "mehr", wie er sagt. Mehr als ein bloßer Arbeitseinsatz. Mehr als ein Auslandsaufenthalt, der sich gut im Lebenslauf macht. Über seine Begegnungen habe er ein "konkretes Verständnis" für das Leben der Menschen in Ghana bekommen. Die Freundschaften seien ein "wertvoller Schatz, den ich mitgenommen habe". Auch sein Verhältnis zu Gott und zur Kirche habe sich geändert, erzählt Mathias Kamp. "Ich war direkt angesteckt von der Art, wie die Ghanaer ihren Glauben leben und feiern. Das hat mir einen Schub gegeben."

Freundin aus Kenia

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland stand fest: Er wollte wieder nach Afrika. Noch zwei Mal war er anschließend in Ghana. Als Teilnehmer des Stipendiaten-Austauschprogramms "Go Africa ... Go Germany" im Rahmen der Afrika-Initiative von Bundespräsident Horst Köhler war er in Uganda und Tansania. Bei dieser Fahrt lernte er seine Freundin Linda Cheboo Bore kennen, eine Kenianerin, die ebenfalls an dem Programm teilnahm. Für ein längeres Praktikum reiste er erneut nach Uganda; außerdem lernte er Kenia und Ruanda kennen. Auch in den anderen Ländern machte er ähnliche Erfahrungen wie zuvor in Ghana. Für seine Masterarbeit, die er zurzeit schreibt, hat er sich ein Forschungsthema in Uganda gesucht: die politischen Parteien auf lokaler Ebene und die Demokratieförderung in Afrika.

Vom "Afrikavirus", Reiseromantik und Abenteuern will er nicht sprechen. Vielmehr sei es "eine Liebe für den Kontinent", die ihn immer wieder nach Afrika ziehe. Und vor allem die Menschen, denen er begegnet, ihre Art zu leben und ihre Art, mit Schwierigkeiten umzugehen. "Die Afrikaner sind sehr aufgeschlossen. Man muss die Bereitschaft mitbringen, sich auf die Leute einzulassen", sagt Mathias Kamp.

Wie in Ghana, wo er nicht mit einer Gruppe, sondern allein unterwegs und darauf angewiesen war, auf die Menschen zuzugehen. Er habe Glück gehabt, über die Kirche ins Land gekommen zu sein. Viele Freunde habe er über die Kirche und das kirchliche Netzwerk kennen gelernt. "In der kirchlichen Arbeit begegnet man sich auf Augenhöhe."

Schockierende Eindrücke

Natürlich habe er auch viele Dinge gesehen, die schockierend waren und die er nicht ausblenden könne, beispielsweise Armut, Gewalt, Krankheit und Elend. "Man ist mit vielen Dingen konfrontiert, die aufwühlen", sagt Mathias Kamp. Im Norden Ghanas beispielsweise lebten 80 Prozent der Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Aber auch diese Erfahrungen seien wichtig, "um ein komplettes Bild zu bekommen". Viele Dinge gehen ihm auch einfach auf die Nerven. "Wenn man länger da ist, verliert man die Perspektive als Beobachter. Dadurch, dass man mit den Menschen zu tun hat, wird man zum Betroffenen." Dann regt er sich mit ihnen auf über die Politik, über die lange Zeit, die es manchmal dauert, bis Entscheidungen getroffen werden.

Wenn er in Afrika ist, könne er sich zwar in gewisser Weise an die Gegebenheiten anpassen. "Aber ich will meine deutsche Frustrationsschwelle behalten", sagt Mathias Kamp. "Da-raus nehme ich eine Motivation für meine Arbeit." Viele Europäer hätten vermeintlich gute Tipps für die Probleme in Afrika. "Sie waren 20 Mal in Afrika, aber haben nie ihre europäische Brille abgesetzt", sagt Mathias Kamp. In einer globalen Welt seien die Probleme Afrikas die Probleme aller. "Die kann man nur gemeinsam lösen."

Brücken bauen

Auch wenn er mittlerweile in der Fremde eine Art neue Heimat gefunden hat: In seiner Heimatgemeinde Rheine-Mesum möchte Mathias Kamp die Zelte nicht abbrechen. "Es ist wichtig, sich zuhause eine Basis zu erhalten", sagt er. "Wer Brücken bauen möchte, darf das Fundament nicht verlieren." Er findet es wichtig, von seinen Erfahrungen in Afrika zu berichten und seine Begeisterung über das Erlebte zu vermitteln. "Das kann ich nur, wenn ich eine feste Verankerung habe." Seine Berichte stießen in der Heimatgemeinde auf großes Interesse, sodass er eine Partnerschaft mit dem nordghanaischen Bistum Yendi initiierte und 2008 mit einer Gruppe nach Nordghana reiste.

Auch seine Familie hat er mit seiner Begeisterung für die afrikanischen Länder angesteckt. Seine Mutter war zwei Mal in Ghana, beide Geschwister sind viel in der Welt unterwegs. Sein Kumpel Martin aus Ghana, der ihn "Bruder" nennt, war schon zu Besuch bei ihm in Rheine. Ebenso wie Mathias Kamps Freundin Linda, die in diesem Jahr zwei Monate lang bei seiner Familie lebte. Sie habe sich in Deutschland immer sehr wohl gefühlt und schnell gemerkt, dass die Menschen herzlich sind, ihr sehr aufgeschlossen begegnen und dass – entgegen vieler Vorurteile – auch in Deutschland Werte wie Gemeinschaft, Familie und Gastfreundschaft wichtig sind.

Interkulturelle Beziehungen

"Die Beziehung ist nicht ganz einfach", sagt Mathias Kamp. "Wir haben 25 Jahre in unterschiedlichen Ländern und Kulturen gelebt." Helfen würde bei ihrer Fernbeziehung, dass beide schon vor ihrem Kennenlernen interkulturelle Erfahrungen gemacht haben. "Das macht es einfacher", sagt Mathias Kamp. "Man muss dann nicht mit Traditionen oder Vorbehalten kämpfen." Seine Freundin hat in London studiert und war dadurch längere Zeit in Europa. Auch ihre Familie ist international ausgerichtet. Er war umgekehrt mehrmals in ihrer Heimat. "Man muss einfach viel mehr miteinander reden."

Erst im Dezember war er wieder in Afrika - diesmal wiederum in Kenia, wo die Schwester seiner Freundin geheiratet hat. Es soll nicht die letzte Begegnung mit dem Kontinent gewesen sein. Er möchte noch andere Länder kennen lernen, beispielsweise das französischsprachige Afrika. Im Januar ist er mit seiner Masterarbeit fertig. Gern würden Mathias Kamp und seine Freundin Linda, die ihr Jurastudium mit Schwerpunkt Menschenrecht und Völkerrecht abgeschlossen hat, dann gemeinsam an einem Ort leben und arbeiten - wenn es nach ihm geht, am liebsten in Afrika. "Ich bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen."

Tage der Erfüllung: Huldigung

Am 6. Januar feiert die Kirche das Fest der Erscheinung des Herrn – mit dem alten griechischen Wort: "Epiphanie". Die Heiligen Drei Könige, die Magier aus dem Osten, sahen den Stern eines neuen Königs der Juden aufgehen, verließen ihr Land, gingen diesem Stern nach, fanden das Kind in der Krippe und huldigten ihm, wie es bei Matthäus heißt. Göttliche Wahrheit und Herrlichkeit leuchten - wenn auch noch verborgen - in dem Kind von Betlehem. Suchende Menschen finden den Weg. Sie kommen mit Gaben und gehen als Beschenkte. Die Sternsinger erinnern daran.

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