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27.04.2017
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Luftaufnahme Freckenhorster Stiftskirche St. Bonifatius.

Die Freckenhorster Stiftskirche St. Bonifatius.

Kanonissenstift Freckenhorst im Jahr 1811 aufgelöst

Mit den Namen vieler Höfe

Freckenhorst. Wer auf dem Marktplatz von Freckenhorst steht, wundert sich nicht nur über die eindrucksvolle romanische Stiftskirche mit Gebäudeteilen aus dem elften und zwölften Jahrhundert, sondern auch über die Großzügigkeit des Platzes. Die ganze Anlage vermittelt einen Eindruck von der Bedeutung des Freckenhorster Stifts für adelige Damen im frühen Mittelalter. Um das Kloster herum entstand das heutige Dorf Freckenhorst. Die traditionsreiche Kreuzverehrung lebt bis heute fort und findet ihren jährlichen Höhepunkt im Krüßingfest.

Wichtige Handschrift

Es gibt ein Dokument von großer Aussagekraft über die Blüte des Freckenhorster Stifts aus dem elften Jahrhundert, etwa 200 Jahre nach Gründung des Klosters. Dabei handelt es sich um ein Abgabenverzeichnis aller dem Kloster verpflichteten Höfe. Es ist in altsächsischer Sprache verfasst und deswegen, über den historisch-kulturellen Wert hinaus, ein wichtiges Zeugnis für die Sprache des frühen Mittelalters in Westfalen.

In der Regel wurden wichtige Unterlagen, die dem Kloster auch als Nachweis über den rechtmäßigen Besitz der Stätten dienten, in Latein verfasst. Die Kenntnis über das Altsächsische muss sich auch deswegen aus wenigen erhaltenen Quellen speisen.

Interessant sind auch die Informationen über Landwirtschaft und Viehzucht, über Handelsgüter und Dienstleistungen, die aus den Angaben im so genannten Freckenhorster Heberegister hervorgehen. Zu den Abgaben gehören beispielsweise Weizen, Gerste und Roggen, Kühe, Schweine, Hühner, Schafe, aber auch Eier und Fisch, Honig und Tuch.

Die frühen Namenformen vieler Stätten – Höfe und Siedlungen –, die heute noch existieren, werden in dieser Pergamenthandschrift erstmals überliefert. Außerdem wirft die Verbreitung der abgabepflichtigen Höfe über das ganze Münsterland und teilweise darüber hinaus ein Licht auf Einfluss und Reichtum des Stifts.

Der promovierte Historiker Leopold Schütte schätzt die Bedeutung dieser mittelalterlichen Quelle hoch ein: "Eine Besonderheit des Registers ist zudem: Es gibt auch einen Einblick in die Organisation der Grundherrschaft mit Ämtern, Höfen, Vorwerken und etwa 250 Bauerngütern."

Das Abgabenverzeichnis und weitere, in den folgenden Jahrhunderten erstellte und erhalten gebliebene Register mit den Namen und Verpflichtungen der dem Kloster Untergebenen, spiegeln dies. Sie zeigen indirekt auch die Sorgfalt, mit der über das Vermögen des Stifts gewacht wurde.

Diese Konzentration auf die Bewahrung und noch dazu stetige Vergrößerung des Besitzes führte aber auch in Freckenhorst zu einer Verwahrlosung des geistlichen Lebens. Die Reformationsideen fielen im Stift hochadeliger Damen dann auch auf fruchtbaren Boden und führten, bis ins 17. Jahrhundert hinein, zu einer Vermengung katholischen und protestantischen Gedankenguts. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde die Stiftskirche geplündert.

Dass das Stift Freckenhorst im 18. Jahrhundert erfolgreich einen neuen Aufschwung gewagt hatte, zeigt sich auch in der regen Bautätigkeit. Es entstand ein neues Abteigebäude, das heutige Schloss. Der Ort wuchs weiter und durfte sich Stadt nennen. Diese Blüte des Stifts wurde dann durch die napoleonischen Kriege und ihre Folgen jäh beendet, der gesamte Besitz vom Königreich Preußen übernommen.

Im Jahr 1811 aufgelöst

Durch die Bestimmungen des Reichsdeputations-Hauptschlusses von 1803 stand es dem jeweiligen Landesherrn zu, mit den Klöstern und Stiften nach Belieben zu verfahren. Freckenhorst wurde vom preußischen König in eine Einrichtung zur Versorgung adeliger Damen aller Konfessionen umgewandelt. Unter französische Herrschaft gelangt, wurde es dann aber im Jahr 1811 gänzlich aufgelöst, Vermögenswerte wurden eingezogen, Kultgegenstände versteigert.

Manche Klöster wurden durch die Aufhebung womöglich "erlöst", weil ihr Niedergang aus vielerlei Gründen unaufhaltsam war. Nach dem erzwungenen Ende des klösterlichen Lebens wurden die Einrichtungen, die dem Staat wirtschaftlichen Nutzen versprachen, unter anderen Vorzeichen, fortgeführt. Ablehnung – gleichgültig, aus welchen Quellen sie sich speist – schlug Ordensgemeinschaften im Lauf der Jahrhunderte immer wieder entgegen. Nicht immer bot sich eine Chance, dem Zeitgeist ein wirksames Zeugnis des Glaubenslebens entgegenzusetzen, es überhaupt in der Form des klösterlichen Lebens fortzusetzen.

Das kulturelle Erbe, das das Stift Freckenhorst hinterlassen und das sich erhalten hat, wird gepflegt und richtet so einen weiteren Blick auf die reiche Klosterlandschaft des Münsterlands und Westfalens, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch die politischen Ereignisse zerstört wurde.

Zeugnisse der Blüte des Freckenhorster Stifts werden in dem kleinen Museum Stiftskammer in der Petrikapelle direkt neben der Stiftskirche gezeigt.

Öffnungszeiten

Stiftskammer in der Petrikapelle: April bis Oktober sonntags von 11:30 Uhr bis 12:30 Uhr und 15 Uhr bis 16 Uhr

Text: Claudia Maria Korsmeier | Foto: Claudia Maria Korsmeier in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
22.08.2016

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