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11.12.2018
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Pater Karl Heinz Fischer auf dem Eltenberg.

Pater Karl Heinz Fischer auf dem Eltenberg.

Serie "Sommer-Reporter", Teil 6

Emmerich-Hochelten: Über der Ebene des Niederrheins

Emmerich-Hochelten. Pater Karl Heinz Fischer steht am Tor und blickt versonnen auf die mehr als 1.000 Jahre alte Stiftskirche St. Vitus in Hochelten. "Hier oben lässt sich gut leben", sagt der 72-jährige Jesuit. Und wenn er diesen Satz wie ein Resümee seiner Überlegungen ausspricht, denkt er an zweierlei: an die Landschaft und die Geschichte des Ortes.

Schon wenn man den Rhein auf der Emmericher Brücke – mit 803 Metern die längste Hängebrücke Deutschlands – überquert, sieht man die Kirche auf dem Eltenberg. Wie ein Wahrzeichen überragt sie die niederrheinische Ebene. Ist man dann auf dem Berg angekommen, kann man durch die Skulptur "Steinernes Tor" – geschaffen von Christoph Wilmsen-Wigmann aus Kalkar – bis zur Schwanenburg nach Kleve schauen. Der Rhein durchschneidet fast in der Mitte als silbernes Band die Ebene. Man fühlt sich hier oben fast als Wächter, der die sich ausbreitende Landschaft überblickt.

Reichsstift bis 1802

Und dann die Geschichte, die einem auf Schritt und Tritt begegnet. "Überall, wo ich war, habe ich mich sehr für die jeweilige Geschichte interessiert", sagt Pater Fischer. Die Beschäftigung mit der Historie helfe ihm, heimatliche Gefühle für den Ort zu entwickeln, wo er gerade sei. Und da der Jesuitenpater öfters seinen Einsatzort wechseln musste, konnte er auf diese Weise immer wieder Fuß fassen.

Geschichtsträchtig ist der Ort: Auf dem Eltenberg stand das vom Grafen Wichmann von Hamalan um 967 gegründete adelige Damenstift. Auch wenn es fast immer zum Streit zwischen Kirchen und der weltlichen Macht kam, insbesondere, wenn es um die Investitur der Äbtissin ging, behielt das Reichsstift seine Aufgaben als Versorgungsinstitut für adlige Damen bis zum 6. Juni 1802.

Hochelten liegt im Nordzipfel des Kreisdekanats Kleve, unweit der niederländischen Grenze.

Erste Protestanten in Elten

Mit diesem Tag nahm König Friedrich Wilhelm III. von Preußen Stift und Abtei Elten als Entschädigung für die an Frankreich gefallenen Gebiete westlich des Rheins in den Besitz des Staates. Hierdurch wurde es erstmals möglich, dass evangelische Bürger in Elten Wohnsitz nehmen konnten. Denn bis dahin war jedem Protestanten die Niederlassung in Elten verboten.

Pater Fischer wohnt in einer der beiden Äbtissinnenwohnungen, die von der Spitzhacke verschont blieben. Von dem ehemaligen Abteigebäude, dessen eindrucksvolle Bauten auf alten Stichen noch bestaunt werden können, ist zudem noch der Drususbrunnen übrig. Sein Name erinnert an den römischen Feldherrn Drusus, Sohn der Livia, der 9 bis 12 nach Christus zahlreiche Feldzüge in Germanien durchgeführt hatte. Der Brunnen, durchaus eine technische Meisterleistung, ist Pater Fischer zufolge um 950 erbaut worden.

Buchstaben auf der Fassade

Vom Tor aus weist der Geistliche auf die Fassade, auf der die Buchstaben ASFZECZEGZSVR zu sehen sind. Die Auflösung nennt ein Schild: "Anna Salome Fürstin zu Essen Cüsterin zu Elten Gräfin zu Salm V (und) Reifferscheid". Der Spruch weist das Gebäude als Wohnung der Gräfin und Äbtissin aus. "Seit sechs Jahren bin ich jetzt hier", sagt Pater Fischer und weist auf die Segenssprüche der Heiligen Drei Könige, die untereinander an der Haustür angebracht sind.

Der Jesuit hat einen tollen Blick. Unmittelbar vor Augen die Stiftskirche, ein Kleinod romanischer Baukunst. "Ich bin hier als Vicarius Cooperator im Dienst der Seelsorgeeinheit St. Martinus, St. Vitus und St. Georg tätig." Er macht kein Hehl daraus, dass er seinen Dienst hier gern verrichtet.

Begegnungs- und Exerzitienhaus

Doch dies umfasst nur 50 Prozent seiner Tätigkeit. In der übrigen Arbeitszeit leitet er das Stanislaus-Kolleg, Begegnungs- und Exerzitienhaus der Jesuiten. Die Einrichtungen ist – ebenso wie der Eltenberg insgesamt – zwischen den Deutschen und den Niederländern hin- und hergereicht worden. Fischer kann stundenlang über die Besitzverhältnisse und die Entwicklung referieren, ohne dass es langweilig würde.

Nach dem Krieg war der Berg ab 1949 im Besitz der Holländer, ab 1963 wieder deutsch. Für die Jesuiten war der Wechsel ohne größere Bedeutung. Sie hatten das Areal 1921 gekauft, um ihre Novizen dort auszubilden. 1940 wurden sie enteignet 1967 wurde das 1.000-jährige Jubiläum der St.-Vitus-Kirche gefeiert.

Blick auf die St.-Vitus-Kirche in Hochelten.

Der letzte Jesuit im Bistum

Schon diese Daten machen die Bedeutung des Berges deutlich. Es ist der nördlichste Zipfel der deutschen Kultur wie der römisch-katholischen Konfession. Die Eltener sind durchaus stolz darauf. Und es heißt, dass sie – eingemeindet nach Emmerich – immer Wert darauf legten, als Ortsteil eine besondere Rolle zu spielen.

Nach dem Krieg kümmerte sich Pater Paul Sträter um die Einrichtung. Pater Sträter folgte Pater Syndicus, ihm Pater Wirtz und jetzt ist Pater Fischer hier tätig. "Ich bin der vierte Jesuit nach dem Krieg und heute der letzte Jesuit im Bistum", sagt er. Damit wird auch an seiner Person die Entwicklung der Kirche in neuester Zeit deutlich.

Bischöfe in Exerzitien

Im Begegnungshaus kommen Pfarrgemeinderäte, Presbyter, Notfallsseelsorger und natürlich katholische Geistliche zu Ruhe und Besinnung. "Wir bringen auch zahlreiche einzelne Personen hier unter, die ihre Exerzitien absolvieren. Auch bedeutende Geistliche wie die früheren Bischöfe Averkamp und Kamphaus kommen hier her", sagt Fischer durchaus stolz. 50 bis 55 Kurse im Jahr sind es, die er mit anderen Mitarbeitern, die zum Teil stundenweise beschäftigt sind, betreut.

Pater Fischer weist auf einen Platz vor der Kirche. "Der wurde unlängst neu gestaltet. Es ist ein Platz für die Menschen und ein neuer Glanzpunkt für das Areal", sagt er und hofft, dass sich Ruhesuchende wie Touristen noch lange auf dem Eltenberg wohl fühlen.

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Text: Jürgen Kappel | Fotos: Jürgen Kappel
07.08.2012

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