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24.08.2016
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Eine andere Welt: Der "Russenfriedhof" bei Münster-Gievenbeck.

Eine andere Welt: Der "Russenfriedhof" bei Münster-Gievenbeck.

Start der Serie "Sommer-Reporter 2012"

Der Friedhof von Haus Spital

Münster-Gievenbeck. Wenn man mit dem Rad durchs Grüne in Richtung Nordwesten aus Münster hinausfährt, stößt man jenseits von Gievenbeck auf Hinweisschilder auf eine Kriegsgräberstätte. Und wenn man ein bestimmtes Bild von solch einem Friedhof vor Augen hat und nichts Besonderes erwartet, fährt man wahrscheinlich einfach an dem Abzweig vorbei und lässt den Friedhof Friedhof sein. Der Abstecher lohnt sich aber, nicht nur, weil der Weg einen idyllischen Ausblick über Felder und auf Wälder gibt. In der Nähe von Haus Spital steht man plötzlich direkt vor dem Friedhofstor. Und schon ist man in einer anderen Welt.

Dieser Friedhof entstand während des Ersten Weltkriegs. Er wurde von Kriegsgefangenen angelegt, die für die in der Gefangenschaft gestorbenen Soldaten Grabsteine, ein Ehrenmal und das schmiedeeiserne Eingangstor gestalteten. Auf dem Friedhof waren einmal 816 Tote des Ersten und später dann auch fast 300 Gefallene des Zweiten Weltkriegs bestattet. Jeweils nach Kriegsende wurden die englischen, französischen, italienischen und belgischen Toten umgebettet.

Die verbliebenen Grabsteine spiegeln durch religiöse Symbole den Glauben derer, die unter ihnen bestattet sind: Christen, auch orthodoxe, Muslime, Juden und auch ein Inder haben hier ihre letzte Ruhestätte. Manche Offiziersgräber sind mit einem aufwändiger gestalteten Grabstein geschmückt. Alle werden beschattet von Bäumen, die auch den Besuchern Schutz vor der Sonne bieten und unter denen eine Bank zum Verweilen einlädt.

Im Nordwesten von Münster liegt der Soldatenfriedhof relativ verborgen.

"Russenfriedhof"

Obwohl der "Russenfriedhof", wie die Stätte auch genannt wird, inzwischen vielen ein Begriff ist, herrscht hier eine geradezu idyllische Ruhe, die im Widerspruch zu den Zuständen im Kriegsgefangenlager steht, das während des Ersten Weltkriegs eines der größten in Nordwestdeutschland war. Die Not, die hier an der Tagesordnung gewesen sein muss, ist auch Eugenio Pacelli nicht verborgen geblieben. Der damalige Apostolische Nuntius in Deutschland und spätere Papst Pius XII. (1876-1958, Papst seit 1939) hatte Gefangenenlager und Friedhof am 24. September 1918 besucht. Wie es zu dem Aufenthalt Pacellis in Münster kam, untersucht unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Dr. Hubert Wolf zurzeit ein Forschungsteam, das die Edition sämtlicher Nuntiaturberichte Pacellis von 1917 bis 1929 betreibt. Dr. Barbara Schüler, Mitarbeiterin Wolfs, kennt diese Berichte und verrät: "Da sind noch spannende Ergebnisse zu erwarten."

Der Friedhof ist auch in den Blick der "Arbeitsstelle Forschungstranfer" (AFO) der Universität Münster geraten. Die AFO will mit ihrem Projekt "Expedition Münsterland" auf Wissenschaftsspuren im nur scheinbar unspektakulären Münsterland aufmerksam machen. Ihr Leiter, Dr. Wilhelm Bauhus, gerät ins Schwärmen, wenn er über den Friedhof bei Haus Spital spricht: "Das ist einer der anspruchsvollsten Orte der Expedition Münsterland. Mich beeindruckt das friedliche Beisammensein so vieler Religionen im Tod."

Freiwillige Pflegeaktion

Und wirklich übt dieser Ort eine besondere Anziehungskraft aus, die auch Stabsfeldwebel Michael Kersting von der Bundeswehr erfahren hat. Im Rahmen einer Offiziersweiterbildung fand vor einigen Jahren eine Führung über den Friedhof statt. Damals allerdings war die Anlage in keinem guten Zustand. Seine Frage nach der Pflege des Friedhofs beantwortete sich Kersting selbst, indem er den Vorschlag machte, hier mit einigen freiwilligen Soldaten tätig zu werden. Am Weltumwelttag 2011 machten sich die Männer an die Arbeit und schnitten Hecken, jäteten Unkraut und reinigten die Grabsteine. Kersting erinnert sich auch an die Blumen, die gepflanzt wurden und resümiert: "Das war eine ganz runde Sache."

Der "Ehrenfriedhof Haus Spital" liegt zwischen Gievenbeck und Nienberge noch südlich des Autobahnkreuzes Münster Nord nahe der Straße Am Gievenbach und ist über die Ausschilderung als Kriegsgräberstätte leicht zu finden.

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Text: Claudia Maria Korsmeier | Foto: Claudia Maria Korsmeier
17.07.2012

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