
Petra Jasper (r.) unterstützt das Ehepaar Sindermann bei ihren wöchentlichen Besuchen.
Petra Jasper hat sich zur Seniorenbegleiterin fortgebildet
Demenz-Betreuung: Sie ist auch eine Wunscherfüllerin
Dülmen. Ein Mal in der Woche bekommen Margret und Adolf Sindermann Besuch von Petra Jasper. Die Seniorenbegleiterin ist ein gern gesehener Gast und wird immer herzlich begrüßt. Die kommenden zwei Stunden verbringen die drei Dülmener gemeinsam. Wenn das Wetter es zulässt, gehen sie zusammen spazieren, sie unterhalten sich oder spielen ein Gesellschaftsspiel. Das ist nicht immer einfach, denn der 86-jährige Adolf Sindermann ist an Demenz erkrankt. "Was aber noch gut klappt, ist ›Kniffeln‹, ein Würfelspiel, das mein Mann immer schon gern gespielt hat", sagt Margret Sindermann. Adolf Sindermann sitzt mit den beiden Frauen am Tisch. Seine Mimik ist meistens reglos. Doch beim Kniffeln lebt er auf. Er legt sich die Würfel zurecht, steckt die übrigen wieder in den Knobelbecher und rechnet nach dreimal würfeln seine erzielten Punkte selbst zusammen. Jasper ermutigt ihn immer wieder. "Es ist wichtig, das zu erhalten, was noch da ist", erklärt sie die pädagogische Seite der Knobelrunde. "Und das Kopfrechnen klappt noch wunderbar, nicht wahr", sagt sie mit Blick auf Adolf Sindermann.
Die Seniorenbegleiterin sieht ihre Rolle als Unterstützerin und "Wunscherfüllerin". So sei sie mit dem Ehepaar beispielsweise auf deren Wunsch einmal nach Senden gefahren oder hätte die Sindermanns bei einem Arztbesuch begleitet. "Da muss man einfach flexibel sein", sagt die 42-Jährige, die ihren Dienst liebt. Sie möchte das Ehepaar so unterstützen, wie dieses es wünscht und es ihr möglich ist. "Ich versuche, etwas hineinzubringen, was im Alltag verloren geht", betont sie.
Von Anfang an haben sich die drei verstanden. "Für mich war es erst nicht einfach, loszulassen. Ich musste erst das Gefühl haben, mein Mann versteht sich mit Petra Jasper, denn zu Fremden hält er normalerweise Abstand", erklärt Margret Sindermann. Zudem sei es nicht immer einfach, Hilfe anzunehmen. "Aber Petra Jasper hat gute Tipps parat, wie ich meinen Mann fördern kann", freut sich die 76-Jährige.
Ein Mal in der Woche verbringt Adolf Sindermann einen Tag in der Tagespflege. "In der Zeit versuche ich, alles zu erledigen, was anfällt", berichtet Margret Sindermann. "Wenn Petra Jasper dann kommt, ist es schön, wenn wir zu dritt etwas unternehmen. Das entlastet mich als Angehörige", fügt sie hinzu. Zusätzlich besucht Margret Sindermann einen Gesprächskreis für pflegende Angehörige. "Für mich ist es wichtig, mich mit anderen auszutauschen. Denn es ist nicht einfach, mit einem Partner zu leben, der an Demenz erkrankt ist." Eine Unterhaltung käme mit ihrem Mann kaum mehr zustande. Das sei schwierig. "Außer, er erzählt von früher. Das fördere ich, damit er überhaupt spricht", sagt Jasper mit Blick auf den ehemaligen Bergmann.
Für Margret Sindermann sei es ebenso wichtig, zwischendurch einmal an der Küste Urlaub zu machen. "Das tut meinen Bronchien gut, und ich kann für eine Woche vom Alltag abschalten." Für diese Zeit hat sie für ihren Ehemann einen Platz in der Kurzzeitpflege organisiert.
30 Stunden monatlich arbeitet Jasper für die "Mobile Pflege Dülmen" der Abteilung "Pflege und Gesundheit" des Caritasverbands für den Kreis Coesfeld als Seniorenbegleiterin. Für diese Arbeit ist sie qualifiziert. "Eigentlich hatte ich den Kursus bei der Familienbildungsstätte zur Seniorenbegleiterin vor drei Jahren für mich machen wollen. Ich hatte nicht vor, in diesem Bereich zu arbeiten. Aber das, was ich theoretisch gelernt habe, und das, was ich in den praktischen Einheiten erfahren habe, hat mir eine andere Welt erschlossen. Vorher habe ich in einem Büro gearbeitet, doch nun möchte ich nichts anderes mehr machen", ist die zweifache Mutter begeistert. Für sie sei es eine sinnvolle Betätigung, die sie bereichere. "Die Dankbarkeit, die ich zurückbekomme, ist erfüllend. Ich kann Zeit verschenken", sagt Jasper, die durch das Ehrenamt in diese Berufstätigkeit gekommen ist.
Die Stunden mit Jasper finanziert das Ehepaar über die Pflegeversicherung. "Den Angehörigen stehen bis zu 200 Euro monatlich aus der Pflegeversicherung für die Betreuung zu", klärt die Fachfrau auf. Noch pflegt und kümmert sich Margret Sindermann allein um ihren Mann. Das klappe auch ganz gut. "Er ist sehr auf mich fixiert. Alles, was er kennt, funktioniert gut. Aber sobald etwas neu ist, irritiert es ihn", erklärt Margret Sindermann. Früher habe ihr Mann ganze Gesellschaften mit seinem Humor und seinem Talent unterhalten. "Er war genau das Gegenteil von dem, wie man ihn heute erlebt", berichtet sie.
Vor acht Jahren ist das Ehepaar nach Dülmen in die altengerechte Wohnung gezogen. "Ich habe einen Platz gesucht, an dem wir zusammen leben können", betont Margret Sindermann und fügt mit Blick auf ihren Mann hinzu: "Ich nehme es so, wie es kommt. Und es kommt jeden Tag etwas anders."
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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe in
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06.02.2012
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