Mutiger Bekenner und "Coesfelds Fels in der braunen Flut"
Neues Buch über KZ-Priester Josef Lodde
Coesfeld. Am 28. Februar 1943 verstarb der Coesfelder Dechant Josef Lodde im Konzentrationslager Dachau. Über seinen Lebensweg haben Hans-Karl Seeger und Hermann Hüsken ein Buch geschrieben, das die Zivilcourage Loddes aufzeigt.
Alle Quellen, die über Dechant Josef Lodde (1879-1943) verfügbar sind, haben Hans-Karl Seeger und Hermann Hüsken gesichtet für eine umfangreiche Lebensbeschreibung über den Coesfelder Dechanten. "Was Bischof Graf von Galen für das Bistum war, war Lodde für Coesfeld", sagt Hüsken. Dechant Lodde ist einer von 1106 katholischen Märtyrer-Priestern, die im KZ Dachau starben. Lodde, der in Münster geboren wurde und 1927 Pfarrdechant der Coesfelder St.-Lamberti-Pfarrei wurde, geriet schon früh ins Visier der Nationalsozialisten. 1935 verwarnte ihn der Regierungspräsident, weil er die Parteigenossen nicht grüßte. 1939 verlas Lodde einen Hirtenbrief gegen die NS-Schulpolitik, was ihm eine Anzeige einbrachte. Der NS-Ortsgruppenleiter klassifizierte ihn als politisch unzuverlässig, er greife in jeder Predigt die Partei an und sei ein übler Hetzer und Störenfried.
Im Februar 1940 erfolgte die erste Verhaftung Loddes, weil er angeblich die Wehrkraft zersetzen wollte. Im Oktober 1942 schließlich erfolgte eine weitere Verhaftung. Der Vorwurf: Lodde soll die Zivilehe einer geschiedenen Frau kritisiert haben. Am Silvesterabend 1942 wurde er in das KZ Dachau eingeliefert. Dort erlebte er sofort Schikanen, vom Blockältesten wurde er zusammengeschlagen. Nach einem Schlaganfall und einer Typhus-Erkrankung starb Lodde am 28. Februar 1943 im Krankenrevier.
Hans-Karl Seeger charakterisiert den KZ-Priester so: "Dechant Lodde war eine aufrechte Persönlichkeit. Er beugte sein Knie und sein Haupt vor keinem Menschen. Er hob seine Hand nicht zum Heil-Gruß vor Adolf Hitler und seinen Nazi-Größen. Er beugte sein Knie und sein Haupt nur vor einem: vor Gott, dem Allmächtigen, und seinem einzigen König Jesus Christus." Lodde, der im Ersten Weltkrieg Feldgeistlicher war und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde, gehört zu jenen Opfern, die aus einer konservativen Grundhaltung heraus den Nazis Paroli boten.
Buchtipp
Hans-Karl Seeger / Hermann Hüsken
"Dechant Josef Lodde – Coesfelds Fels in der braunen Flut /
Christliche Zivilcourage zur Zeit des Nationalsozialismus"
162 Seiten,
19,90 €
Lit-Verlag,
ISBN 978-3-643-11457-0
Text: Johannes Bernard in
Kirche+Leben
19.01.2012
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