
Pfarrer Klaus Honermann feiert traditionell vor Weihnachten mit den Gläubigen eine Messe im Stall.
Viele kleine Schritte nach Betlehem
Strohmesse in Schermbeck: Tradition vor Weihnachten
Schermbeck. Pfarrer Klaus Honermann feiert mit seiner Gemeinde vor Weihnachten eine Messe im Stall. Eine Idee, die er aus Münster nach Schermbeck mitbrachte.
Friedlich liegt der Hof "Große Gehling" an der Rhader Straße. Eine Feuerstelle weist den vermummten Besuchern den Weg zum Gottesdienst in den Stall. Zunächst hatten die Veranstalter um den Schermbecker Pfarrer Klaus Honermann überlegt, den Weg von Schermbeck nach Uefte zu laufen. Doch dann wurde die Zeit zu knapp. Es sollte ja auch noch Zeit zur Besinnung bleiben, sagt Honermann.
Hund und Katze laufen ob der abendlichen "Störenfriede" unruhig hin und her. Im engen kalten Stall, zwischen Kühen, Kälbchen, Pferden und Eseln stehen Bänke, davor ein provisorisch hergerichteter Altar. Kerzen im Einmachglas, Duftwolken, Geräusche, die Wärme, die die Tiere ausstrahlen, der weihnachtlich geschmückte Stall, dies verbreitet eine anheimelnde Atmosphäre.
Pastor Klaus Honermann begrüßt die zahlreichen Teilnehmer der Messe. "So war das bestimmt mit Maria und Josef, die haben wohl auch gefroren", schmunzelt ein Junge, der auf einem Futtertrog sitzt. Im Arm einer Mutter schläft ein Baby friedlich und lässt sich von den Geräuschen nicht stören.
Stroh und Stall, das ist der graue und mühsame Alltag der kleinen Leute. "Viele Weihnachtslieder beschreiben, wie bitterkalt die Nacht in Betlehem war und wie sehr Maria und Josef frieren mussten, so wie auch uns manchmal der Wind um die Ohren pfeift und wir Geborgenheit im Leben vermissen", sagt der Geistliche.
"Wer sich auf den Weg nach Betlehem macht, wird erfahren, dass es vieler kleiner Schritte bedarf, um dem Ziel näher zu kommen", sagt Honermann. Er erzählt von Begegnungen mit Menschen an seiner Haustür, die abenteuerliche Geschichten erzählen, um Mitleid zu erwecken. "Das nehme ich ernst und sage mir, dass es Christus ist, der hier um Hilfe bittet", berichtet er. Auch die Begegnung zweier Menschen bei einer Krankensalbung, bei der die Liebe dieser beiden zueinander spürbar war, sei für ihn eine adventliche Begegnung gewesen. Oder das Aufstellen eines Wegekreuzes an der Straße, an der ein Mensch zu Tode gekommen ist.
Die Vierbeiner lassen sich indes nicht stören, fressen friedlich ihr Heu, Kälber trinken bei ihren Müttern und Kühe saufen an der Tränke. "Begegnungen" sind dann auch nach der Messe zwischen den Gottesdienstbesuchern bei einem Glas Glühwein möglich.
Die "Messe im Stall" hat Pastor Klaus Honermann aus seiner ehemaligen Gemeinde in Münster mitgebracht. Diese Gottesdienstform sei erwachsen aus dem so genannten Betlehem-Gang. "Die Gemeinde macht sich auf den Weg zum Geheimnis im Stall. Dass Gott in der Armut eines Stalls zur Welt kam, ist so ungeheuerlich, dass es kaum zu begreifen ist", sagt Honermann.
"Vor allem für Kinder, aber nicht nur für sie, ist es ein besonderes Gottesdiensterlebnis, inmitten von Kühen und auch in der Kälte, in großer Einfachheit Gottesdient zu feiern." Es gehe nicht um ein äußeres "Event", sondern vielmehr darum, das sichtbar zu machen, was im Glauben gefeiert werde.
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Text: Gaby Eggert | Foto: Gaby Eggert in
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