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21.05.2012
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"Erzählen und Zuhören kann entlasten", weiß Theo Niederschmid, Leiter der Telefonseelsorge Hamm.

"Erzählen und Zuhören kann entlasten", weiß Theo Niederschmid, Leiter der Telefonseelsorge Hamm.

"Guten Abend" – Gespräche gegen die Einsamkeit

Telefonseelsorge an Weihnachten

Hamm. 100 Ehrenamtliche arbeiten bei der Telefonseelsorge in Hamm. Einige von ihnen sind auch an Heiligabend und an den Weihnachtsfeiertagen im Einsatz. In Kirche+Leben berichtet eine Ehrenamtliche von ihren Erfahrungen.

Wenn das Telefon klingelt, drückt Carola Menzkis einen Knopf und sagt in ihr Headset:"Telefonseelsorge, guten Tag", oder"guten Abend". Je nachdem, denn Carola Menzkis ist auch nachts im Dienst. Und an Weihnachten. Wenn sie Heiligabend die Stufen zu dem Büro der ökumenischen Telefonseelsorge in Hamm hinaufsteigt, hüllt sie schon im Treppenhaus der frische harzige Duft des Christbaums ein:"Das ist ein bisschen wie Ankommen", sagt die 43-Jährige.

Bis zu 200 Anrufe

Seit fünf Jahren hört sie fremden Menschen am Telefon zu, auch an Heiligabend. In dem Telefonzimmer mit großem Fenster macht sie es sich dann bequem. Ein Plätzchenteller steht bereit, auch eine Couch, für die Nachtschichten. Unter dem Christbaum steht eine schlichte Holzkrippe, handgearbeitet von dem Mann einer Kollegin.

Still ist es. Nur die Schreibtischlampe spiegelt sich im Computermonitor auf dem Schreibtisch."Es ist jetzt nicht so, weil Weihnachten ist, das man angespannt auf Anrufe wartet. Sie kommen – oder eben nicht", beschreibt Menzkis ihren ehrenamtlichen Einsatz in der Heiligen Nacht. Aber meistens kommen sie, die Anrufe. Bis zu 200 Menschen rufen an den Feiertagen an.

Außer im Jahr 2008, da waren es mehr als 400. Eine Erklärung dafür hat Carola Menzkis nicht. Wenn es klingelt, nimmt sie sich Zeit. Durchschnittlich dauert ein Gespräch zwölf Minuten:"Ich hatte eine ältere Dame am Telefon. Sie fürchtet sich vor Weihnachten. Sie hat richtigen Horror vor dem Fest."

Einsamkeit, Beziehungsprobleme und Fragen nach Verhaltensregeln sind die drei großen Themen Ende Dezember, weiß Theo Niederschmid. Er leitet die Telefonseelsorge Hamm seit mehr als zehn Jahren:"Weihnachten ist ein sozial kontrolliertes Fest. Wenn jemand allein ist, geht das eigentlich nicht." Die Menschen, die anrufen, sind durchschnittlich 30 bis 50 Jahre alt. Das Ansprechen und Aussprechen von Problemen hilft:"Die akute Spitze in einem Drama wird genannt", verdeutlicht Niederschmid.

Durch die Person am anderen Ende des Telefonhörers erführen die Anrufer eine Distanz zum eigenen Erleben:"Das Erzählen und Zuhören kann entlasten", sagt der Supervisor. Er ist begeistert von seinem Team, das sich seit 30 Jahren bereiterklärt, auch an Weihnachten für andere Menschen da zu sein:"Die Pläne sind voll, das ist zwar immer etwas schwierig, aber sie sind voll", sagt er und zeigt eine dicke Mappe:"Wer kann Heiligabend arbeiten?", steht auf dem ersten Blatt, darunter sind die Namen zu lesen. An Weihnachten sind sechs Personen in sechs Schichten eingeplant. Über die drei Feiertage kommen so 22 Stunden an Gesprächen zusammen.

Wie ihre rund 100 ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen wurde Carola Menzkis zwei Jahre für ihre Aufgabe bei der Telefonseelsorge geschult. Sonst arbeitet sie als Sekretärin.

Nach der Bescherung ruft eine ältere Frau an und berichtet, ihre Kinder seien so undankbar. Das Familienfest sei so enttäuschend für sie gewesen. Wie solle sie sich da verhalten? Dann fragt Carola Menzkis nach, bemüht sich, Hintergründe zu beleuchten und behutsam nachzufühlen. Was ist schief gelaufen? Das ist viel Verantwortung für die Person am anderen Ende des Hörers. Daher weiß Carola Menzkis auch:"Ich kann keine pauschalen Antworten geben, und sagen "Schnipp – ich bin die gute Fee, alles wird gut"."

Nach einer drei Stunden langen Schicht von 17 bis 20 Uhr ist für den heutigen Einsatz Schluss. Draußen warten schon zwei andere Kolleginnen, die mit ihr ein bisschen Heiligabend feiern möchten. Darauf freut sich Carola Menzkis jedes Jahr:"Wir sitzen dann noch zusammen. Meistens hat jemand Berliner mitgebracht."

Hinweis:

Anonymität der Anrufenden und Schweigepflicht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei der Telefonseelsorge oberstes Gebot. Daher hat die Redaktion auch den Namen der ehrenamtlichen Mitarbeiterin geändert.

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Text: Marie-Theres Himstedt | Foto: Michael Bönte in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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