
Die Visbeker Taufschale: Fachleute sehen in ihr die Nachbildung einer Beckenschläger-Schüssel aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Die Abbildung ist dem Bildband entnommen.
Entdecker-Tour im Advent: Fürchte dich nicht, denn du wirst einen Sohn gebären
Die Taufschale "Mariä Verkündigung" aus St. Vitus
Visbek. Am Boden der Taufschale ist die Verkündigung Mariens zu sehen. Maria, an einem Lesepult, mit offenem, gelocktem Haar. Von ihrem Buch aufsehend blickt sie über ihre rechte Schulter dem Engel entgegen, der sich ihr aus dieser Richtung genähert hat.
Auch Einzelheiten seien gut zu erkennen, "trotz des Abriebs des Metalls", heißt es in der Beschreibung der Fachleute des Vasa-Sacra-Projekts. Dem Projekt, dem es zu verdanken ist, dass oldenburgische "Kirchenschätze" wie die Taufschale aus der St.-Vitus-Kirche in Visbek neu "entdeckt" und seit 2010 einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sind.
In einer Art Generalinventur wurden dabei alle sakralen Gegenstände in den mehr als 120 katholischen Kirchen zwischen Nordseeküste und Dammer Bergen erfasst. Zu einer Ausstellung mit etwa 100 der bedeutendsten Stücke im Museumsdorf Cloppenburg kamen im vergangenen Jahr fast 30.000 Besucher.
Der Erzengel Gabriel kniet vor Maria. Das Lilienzepter mit einem Kreuz, das er in der linken Hand trägt, soll als Zeichen des göttlichen Auftrags seiner Botschaft gelten. Seine rechte Hand ist zum Segensgruß erhoben. Die Szene wirkt wie eine Illustration des Lukasevangeliums. Und zwar eben die Stelle, wo es im ersten Kapitel heißt: "Gegrüßt seist du, voll der Gnade." Und weiter: "Fürchte Dich nicht, denn du hast Gnade gefunden bei Gott. Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären und sollst ihm den Namen Jesus geben."
Die Taube am Himmel symbolisiert den Heiligen Geist. Lichtstrahlen fallen von ihr auf Maria. Eine Art Vase im Hintergrund ist gefüllt mit Blütenzweigen. "Mit der Anordnung der Szene in einem geschlossenen Garten, dem "hortus conclusus" des Hohenlieds und der Lauretanischen Litanei, verweist die Taufschale auf die jungfräuliche Reinheit Marias, die dem Täufling auf seinem Lebensweg anempfohlen wird", schreiben Ruth Irmgard Dalinghaus und Peter Sieve im Bildband zum Vasa-Sacra-Projekt.
"Glück allzeit"
Dort findet sich auch die Übersetzung der Worte "GELVEK ALZEIT", die im Anschluss an ein Ornamentband um die Verkündigungsszene auf einem so genannten Schriftband fünf Mal zu lesen sind: "Glück allzeit".
Bisher auch für die Experten schwer interpretierbar geblieben sind jedoch die dazwischen geschriebenen Buchstabenfolgen "EH BART". Ähnliche Taufschalen mit einer Verkündigungsszene fänden sich beispielsweise auch in den Kirchen im hessischen Hausen, im märkischen Friedersdorf und im Berliner Stadtteil Lichtenberg, klärt der Vasa-Sacra-Bildband auf.
Solche in Metall-Negative geschlagene Messingschüsseln seien in Deutschland in der Zeit zwischen 1450 und 1550 vom Zentrum Nürnberg aus in sehr großer Zahl produziert und exportiert worden.
Bestimmte Indizien an der Schüssel deuten nach Ansicht der Fachleute jedoch darauf hin, dass es sich bei der Visbeker Taufschale wohl um eine spätere Nachbildung handele.
Buchhinweis:
Bildband
Da berühren sich Himmel und Erde –
Schätze aus den katholischen Kirchen des Oldenburger Landes
Aschendorff Verlag,
294 Seiten,
24,80 Euro,
ISBN 978-3-402-12839-8
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Text: Michael Rottmann | Foto: Willi Rolfes in
Kirche+Leben
11.12.2011
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