
Zwischen Wiesen und Feldern, an Bahnschienen entlang: Mit ihren Bannern sind die Frauen auf dem Weg zur Basilika nach Bethen.
"Abgestempelt – wie Marta und Maria?"
Landes-Frauenwallfahrt nach Bethen
Bethen. Auf der Bundesstraße 213 rauscht der Feierabend-Verkehr. Lastwagen dröhnen, Motorräder knattern, Kleinwagen hupen. Die Straße führt auf einer breiten Betonbrücke über einen schmalen Teerweg. Dort pilgern zwischen Wiesen und Maisfeldern einige hundert Frauen. Ihr Gang ist bedächtig. Zu dritt oder zu viert laufen sie zusammen, stimmen Lobgesänge, Psalmen und Gebete an.
Die Unterführung ist schmutzig, mit Schmierereien auf den grauen Wänden. Ganz anders die aufwändig gestalteten Banner der Frauen. Sie zeigen Maria mit dem Jesuskind. Viele sind aus Samt oder anderen weichen Stoffen gefertigt, blau, weinrot, weiß. Goldene Stickereien zeugen von mühsamer Handarbeit.
Frauen aus dem ganzen Offizialatsbezirk sind zur diesjährigen Landes-Frauenwallfahrt nach Bethen gekommen. Von der Jugendburg Sankt Michael in Cloppenburg haben sie sich auf den Weg zur Wallfahrtsbasilika gemacht.
200 Meter Prozession
Die Prozession – sie scheint kein Ende zu nehmen. Zweihundert Meter ist der Zug lang. Dass es an diesem Abend entgegen aller Planung keine Lautsprecher gibt, stört niemanden. Die Frauen sind spontan. Vorne stimmt eine "Segne du Maria" an, in der Mitte beten sie gemeinsam die Weg-Litanei, hinten Psalm 43.
Auf dem Platz vor der Basilika ist alles für den Gottesdienst bereitet: Die große Bühne mit dem Altar, Holzbänke, Technik, Körbe für die Kollekte. Ältere Frauen, die den Weg nicht mitgehen konnten, haben sich schon hier eingefunden. Auch der Gospelchor aus Altenoythe und Organist Christian Kienel sind bereit für ihren Auftritt.
Mehr als 3.700 Euro
Frauen aus dem Dekanat Friesoythe haben den Gottesdienst vorbereitet und mitgestaltet. Zelebriert wird er von Bertholt Kerkhoff aus Löningen, dem Landes-Frauenseelsorger, und Wallfahrtsrektor Dirk Költgen. Sie stehen vor 1.400 Frauen.
Das Thema des Gottesdienstes knüpft an die Alltagssorgen vieler Frauen an: "Abgestempelt – wie Marta und Maria?" Zu dick, zu fromm, zu wenig Geld, geschieden: Die Teilnehmerinnen aus dem Dekanat Friesoythe machen in einem Laienspiel auf verschiedene Frauenbilder aufmerksam.
Die Teilnehmerinnen der Wallfahrt fühlen sich an diesem Abend auch mit inhaftierten Frauen verbunden. Erstmals gehört Josefine May zur Vorbereitungsgruppe. Sie ist Gefängnisseelsorgerin in Vechta und kann so die Stimmen der Inhaftierten einbringen. Auch die Kollekte ist für die Seelsorge im Frauengefängnis bestimmt. Ebenso kommt sie dem Vechtaer Projekt "Lichtblick für Haiti" zugute.
Nach dem Segen bleiben die Pilgerinnen noch auf dem Kirchplatz zusammen. Überall stehen kleine Grüppchen. Frauen aus dem Süden des Dekanates Damme sorgen für Schnittchen, Sekt, Saft und Wasser. Auch das gute Wetter lädt dazu ein. "Wir kommen jedes Jahr hierher", sagt Ruth van Kampen aus Sande bei Wilhelmshaven, "mir gefällt die Gemeinschaft hier." Angeregte Gespräche, gemeinsames Lachen. Die acht Frauen aus Sande haben sicher den weitesten Heimweg. Doch daran mag jetzt noch niemand denken.
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Text: Katharina Deuling | Foto: Katharina Deuling in
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18.07.2011
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