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11.12.2018
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Schwester Johanna Eichmann.

Ihre Verbindung zu Dorsten hält seit 75 Jahren: Schwester Johanna Eichmann.

Ein Leben zwischen zwei Kulturen

Ehrenbürgerwürde für Schwester Johanna

Dorsten. Über die Auszeichnung hat sich Schwester Johanna Eichmann wirklich gefreut: "Mit Dorsten bin ich ja nun tatsächlich verbunden", sagt die 85-Jährige über die einstimmige Entscheidung des Stadtrats, sie zur Ehrenbürgerin der Stadt Dorsten zu ernennen. Die Stadt würdigt damit ihre Verdienste als langjährige Leiterin des St.-Ursula-Gymnasiums, des Konvents der Ursulinen und nicht zuletzt als Mitbegründerin des Jüdischen Museums. Dort soll ihr das Ehrenbürgerrecht auch verliehen werden – voraussichtlich noch im Mai.

Dorsten ist die Stadt, die sie prägte und die sie selbst geprägt hat. Eine Verbindung, die 75 Jahre hält: 1936 kam sie als Sextanerin in das Internat der Ursulinen, und die Schule musste sie nur sechs Jahre später wieder verlassen, weil sie als Jüdin galt.

Doch diese Erfahrung von Ausgrenzung und Diskriminierung, die sie in der Zeit der Nazi-Dikatur erlebte, hat ihre Verbundenheit mit der Heimat und ihren Menschen keinen Abbruch tun können. Als Ordensschwester und Lehrkraft kehrte sie 1952 in das Ursulinen-Kloster zurück und war dort fast 30 Jahre Leiterin des Gymnasiums St. Ursula, später dann Oberin des Ursulinen-Konvents.

Dem herausragenden Engagement von Schwester Johanna Eichmann für die deutsch-jüdische Geschichte und Kultur ist es zu verdanken, dass das Jüdische Museum Westfalen mit Lehrhaus und Dokumentationszentrum 1992 seine Arbeit aufnehmen konnte. "Man sollte den damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau nicht vergessen, der unser Projekt zu dieser Zeit auch persönlich unterstützte", fügt Schwester Johanna hinzu.

Bis 2006 leitete sie selbst das Museum und den Trägerverein. Seitdem ist sie Ehrenvorsitzende des Trägervereins. In Dorsten hat sie sich in den 1980er Jahren in der Initiative "Dorsten unter dem Hakenkreuz" engagiert, die später mehrere bedeutende Publikationen herausgab.

Schwester Johanna ist nicht nur geschichtsinteressiert, sie hat Geschichte erlebt und erlitten. "Ich gehöre zu den wenigen Geretteten", sagt die Ursulinin, die 1926 als Tochter Ruth Eichmann einer jüdischen Mutter und eines katholischen Vaters in Münster geboren wurde. Sie wuchs in Recklinghausen auf, und zunächst, bis 1933, führte die Familie ein "durchschnittliches bürgerliches Leben".

Es folgten Jahre der Ausgrenzung und Angst. "Ich gehörte nicht richtig zu den Juden und auch nicht zu den Katholiken. Irgendwie war ich immer Außenseiterin", sagt sie über ihre Kindheit.

Es sind Erinnerungen, die sie in einem vor wenigen Wochen erschienenen Buch mit dem Titel "Du nix Jude, du blond, du deutsch" festgehalten hat. Darin schildert sie die Drangsalierungen in Schule und Freizeit während des NS-Zeit, das Ausweichen in den Schonraum eines katholischen Internats und die Behinderung der schulischen Laufbahn. Die Eltern ließen sie im September 1933 in der katholischen Petrus-Kirche in Recklinghausen taufen. "Es war eine Schutzmaßnahme", sagt Schwester Johanna. Schmunzelnd erinnert sie sich an den Satz der Großmutter: "Unser Rüthchen bleibt ein Jüdchen."

Doch auch als konvertierte Katholikin war sie vor der Verfolgung nicht sicher. Doch glückliche Umstände wollten es, dass sie überlebte. Ihr Vater sollte im Sommer 1945 erster Bürgermeister in Marl werden, sie selbst begann im Winter 1946 das Studium an der Universität Münster, das sie mit dem Abschluss in den Fächern Germanistik und Romanistik beendete. 1952 bat sie um Aufnahme in das Dorstener Ursulinenkloster. "Ab diesem Zeitpunkt beginnt der zweite Teil meiner Erinnerungen. Ich hoffe, diese bald druckfertig zu haben", sagt sie, und nicht nur die vielen Menschen, die die Schwester kennen, warten gespannt auf den zweiten Teil ihrer Autobiografie.

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Text: Johannes Bernard | Foto: Johannes Bernard in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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