
Lieselotte Harryiers, Melanie Otte, Nadin Falk und Pfarrer Karl-Josef Rieger (v. l.) vor dem Taufbecken in der St.-Josef-Kirche.
Taufe am Weißen Sonntag
Kraft und Geborgenheit gefunden
Kamp-Lintfort. Sie kann es kaum noch erwarten. Melanie Otte wartet seit Wochen gespannt auf Sonntag (01.05.2011). Auf den Tag, an dem sie gemeinsam mit Nadin Falk während des Sonntagsgottesdienstes in der Pfarrkirche St. Josef in Kamp-Lintfort getauft wird.
Seit dem ersten Fastensonntag, als Bischof Felix Genn die 38 Frauen und Männer im Rahmen einer feierlichen Vesper zum Empfang der Sakramente Taufe, Firmung und Eucharistie zugelassen hat, wurden die jungen Frauen von Lieselotte Harryiers auf dieses Ereignis vorbereitet.
Die beiden Krankenschwestern sind in verschiedenen Gegenden Deutschlands aufgewachsen und doch auf ähnliche Weise zur Taufe gekommen. Die 30-jährige Nadin Falk ist in Brandenburg zur Zeit der damaligen DDR groß geworden. Glaube und Kirche waren in ihrem Elternhaus kein Thema. Auch die Hinweise bei Bewerbungsgesprächen in einigen Krankenhäusern, wenn sie getauft sei, würde es leichter, eine Stelle zu bekommen, bewegten sie nicht, sich dem Thema Religion und Glaube zu nähern. Erst als sie ihren späteren Mann Andreas kennen lernte, bekam sie Kontakt zur Kirche. Er nahm sie mit in die Gottesdienste. In seiner Familie erlebte sie, was gelebter Glaube bedeutet und welche tragende Kraft er bekommen kann. Als sich innerhalb kürzester Zeit in ihrem Umfeld einige Todesfälle ereigneten, wandte sie sich dem Glauben zu. Sie nahm an zahlreichen Gottesdiensten teil. Die Gebete und die Lieder sowie die ganze Atmosphäre vermittelten ihr Geborgenheit. "Ich kann das Gefühl kaum in Worte fassen", sagt sie. Aber sie konnte während der Gottesdienste Kraft tanken. Als ihre Tochter Lina geboren wurde, stand ihr Entschluss fest: Sie wollte sich taufen lassen.
Die Eltern von Melanie Otte waren beide getauft. Die protestantischen Christen waren jedoch der Auffassung, dass sich ihre beiden Kinder später selbst entscheiden sollten, ob, und wenn ja, welcher Kirche sie angehören wollten. Die 32-jährige Krankenschwester hatte in ihrer Kindheit und Jugend kaum Kontakt zur Kirche und besuchte nur selten Gottesdienste. Ebenso wie bei Nadin Falk spielten ihr Mann und seine Familie eine entscheidende Rolle. Der Glaube wurde im Alltag gelebt, indem die Familie Gottesdienste besuchte, regelmäßig betete und ihr Leben nach dem kirchlichen Festkreis gestaltete.
Beide haben auch kirchlich geheiratet. "Ich habe gar nicht so intensiv nachgedacht", sagt Melanie Otte. "Irgendwann hat es klick gemacht." Mit ihrer Tochter Amelie ist sie öfter in die Krabbelgottesdienste gegangen. Darüber hinaus hat die Oma des Mannes ihr viel über Glaube und Kirche erzählt. "Irgendwann habe ich gefühlt, dass ich mich taufen lassen wollte, um dazuzugehören", sagt sie.
Pastor Karl-Josef Rieger, Pfarrer von St. Josef, kennt die beiden Täuflinge gut. Er freut sich, dass sie ihre Taufe in die Gemeindeliturgie einbinden. "Auf diese Weise wird die Feier auch zur Anfrage an die ganze Gemeinde. Die Getauften müssen sich fragen, inwieweit das Christentum bei ihnen angekommen ist, wie viel sie in ihrem alltäglichen Leben einfließen lassen."
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Text: Jürgen Kappel | Foto: Jürgen Kappel in
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