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21.05.2012
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Martina Lerbs

Mit Kraft, um den Alltag im eigenen Geschäft zu meistern, ist Martina Lerbs aus Ascheberg-Herbern aus Lourdes zurückgekommen.

Martina Lerbs ist erstmals in den Marien-Wallfahrtsort Lourdes gepilgert

Den Tränen freien Lauf lassen

Ascheberg-Herbern. Viele Eindrücke hat Martina Lerbs von ihrer Pilgerreise im vergangenen Herbst nach Lourdes mitgebracht. Eindrücke, die ihr für einige Monate wieder Kraft gegeben haben. "Wenn es mir schlecht geht, hole ich mir die Bilder und Gefühle vor mein inneres Auge.Das hilft und tut unheimlich gut", sagt die 49-Jährige, bei der die Ärzte vor 28 Jahren die Krankheit Multiple Sklerose diagnostizierten.

Kurz vor ihrem 22. Geburtstag erhielt Martina Lerbs die Diagnose: MS – Multiple Sklerose – eine neurologische Erkrankung, die häufig junge Menschen trifft. Eine Krankheit, die heimtückisch und schleichend verläuft. Doch die heute 49-Jährige ließ und lässt sich von der Diagnose nicht unterkriegen, machte Karriere in ihrem Beruf, richtete das Warenwirtschafts- und Kassensystem für die ersten Filialen eines namhaften Bekleidungsherstellers in Köln, Frankfurt und Berlin ein. Dann zog sie – sehr zur Freude ihrer Eltern – mit einem neuen Jobangebot in Münster in den Ort zurück, in dem sie aufgewachsen war: nach Ascheberg. Vor 13 Jahren machte sich Lerbs nach einer zweimonatigen Arbeitslosigkeit selbstständig und eröffnete im Ortsteil Herbern ein Geschäft mit modischer Bekleidung für Damen, Herren und Kinder. "Eröffnet habe ich am 1. April. Wenn es nicht klappt, kann ich immer noch sagen, es sei ein Aprilscherz gewesen", sagt Lerbs in der ihr eigenen humorvollen Art.

Der Laden ist ihr "Kind". Das Geschäft gibt ihr Halt, auch wenn sie manche Arbeiten aufgrund der fortschreitenden Krankheit inzwischen nicht mehr erledigen kann. "Die Kontakte sind für mich sehr wichtig. Ich bekomme viel Unterstützung von meinem Partner, meiner Familie und meinen Freunden." Auf diese Hilfe sei sie inzwischen angewiesen, denn gesundheitlich ginge es ihr im Augenblick nicht so gut. "Ich freue mich noch über jeden Tag, an dem ich aufstehen und laufen kann, an dem ich das schaffe, was von mir erwartet wird", sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht. Bei ihr ist das Glas eben halbvoll und nicht halbleer.

Ihre Fahrt in den französischen Wallfahrtsort Lourdes war nicht vorrangig mit dem Wunsch nach Heilung und damit einem Wunder verbunden. "Viele Menschen, die dort waren, haben mir Quellwasser mitgebracht", berichtet sie. Eine Flasche besitze sie seit 30 Jahren. "Das Lourdes-Wassser ist immer noch klar." Ihre Freundin Gabriele Hönekop-Annegarn, ebenfalls Geschäftsfrau in Herbern, hatte sie angesprochen, ob sie gemeinsam diese Reise in den weltweit meistbesuchten Wallfahrtsort nah der spanischen Grenze unternehmen wollten. "Sie ist zwei Mal einen Teil des Jakobswegs gelaufen und wollte gern nach Lourdes. Ihre Mutter hat viel davon erzählt, denn sie ist vor 40 Jahren schon dort gewesen", erzählt Lerbs. Sie selbst hatte ebenfalls länger mit dem Gedanken gespielt, nach Lourdes zu fahren. Lange habe sie überlegt, ob sie das Angebot der Freundin annehmen könne, hatte Befürchtungen, ihr auf der Reise zur Last zu fallen. "Aber sie meinte nur: 'Das schaffen wir schon.' " Die beiden Frauen studierten Prospekte. Eine geeignete Reise fanden sie bei der Diözesanpilgerstelle "Emmaus-Reisen". "Dann haben wir geplant. Zwischendurch hatte ich die Sorge, dass ich die Reise nicht schaffe, denn ich kann keine 500 Meter mehr allein gehen", drückt sie ihre Ängste aus. Der September rückte näher und "ich habe fünf Tage erlebt, die unglaublich schön waren, von der ersten bis zur letzten Sekunde".

Bereits bei der Begrüßung am Flughafen habe sie gespürt, dass es eine besondere Fahrt werden würde. "Man gehörte sofort zur Gruppe, trotz der Altersunterschiede. Selbst die Kranken, die vorn im Flugzeug saßen, haben mir durch ihre Freundlichkeit und Zuversicht viel gegeben. Alle Bedenken waren wie weggeblasen."

Innere Einkehr und der heiligen Bernadette nah zu sein, der wiederholt die Muttergottes erschienen war, seien ihre Motive gewesen, die Fahrt anzutreten. Um so schockierter sei sie gewesen, als sie am ersten Tag den Rummel und Trubel rund um die Souvenirläden in dem Wallfahrtsort erlebte. "Es hat nur noch ein Karussell gefehlt", beschreibt sie ihre Empfindungen. Ruhiger sei es geworden bei der Feier der heiligen Messe am Mittag und vor allem bei der abendlichen Lichterprozession. "Tausende Menschen strahlten Ruhe aus. Es war beeindruckend, die verschiedenen Ave-Maria-Gebete zu hören, neben Menschen aus allen Nationen zu laufen, in ihre Gesichter zu schauen und zu sehen, dass sie genauso ergriffen waren wie ich es war", versucht Lerbs ihre Empfindungen zu beschreiben. Der erste Schreck über den Trubel sei vergessen gewesen, und "wir haben uns so wohlgefühlt". Erstaunt sei sie ebenso gewesen, dass sie es geschafft habe, die gesamte Runde  mitzulaufen. "Dann sind mir die Tränen gekommen. Ich hatte keine Ahnung warum. Aber ich musste mich nicht schämen", sagt Lerbs und blickt auf ihren Arm, an dem sich allein bei der Erinnerung an die Momente die kleinen Härchen aufstellen. "Gänsehaut pur!"

In der Gruppe, aber auch in dem Wallfahrtsort habe sie immer eine besondere Stimmung erlebt. "Das Miteinander und Füreinander war zu spüren. Oft habe ich den vielen jungen Helfern innerlich für ihren Einsatz gedankt." Auch war es in der Reisegruppe selbstverständlich, Mitreisenden zu helfen und als "Pferdchen" vor einem Rollstuhlwagen einzuspringen. Der heiligen Bernadette sei sie nah gewesen, als sie deren Weg gegangen sei. "Ich habe es bis nach oben geschafft. Ich weiß nicht wie, und ich frage mich heute, woher ich die Kraft hatte, alle Wege in diesen Tagen mitgehen zu können", blickt sie glücklich zurück. Auch die Sensibilität bei den Mitreisenden habe sie beeindruckt. Innige Gespräche mit einigen Teilnehmern und den begleitenden Priestern hätten ebenso zu dieser Reise gehört. "Das ist etwas ganz anderes als eine normale Gruppenreise."

Besonders die Bilder des Abreisetags hat Lerbs vor Augen. Gemeinsam mit ihrer Freundin machte sie sich früh morgens auf den Weg. "Gabi und ich waren allein auf dem großen Platz mit der Statue der Muttergottes. Wir haben in Ruhe Kerzen im Gedenken an bestimmte Menschen aufgestellt", berichtet sie von diesem Morgen. Als sie auf die Basilika blickten, sei gerade die Sonne aufgegangen und habe das Gotteshaus angestrahlt. "Ein besonderes und unbeschreibliches Gefühl."

Aus diesen und vielen anderen Erinnerungen schöpfen die beiden Frauen bis heute Kraft. "Diese Reise hätten wir nicht unternehmen können, wenn wir nicht so viel Rückhalt von unseren Familien bekommen hätten", weiß Lerbs die Hilfe zu schätzen. Und zum Schluss verrät sie: "Wir sparen übrigens schon für die nächste Lourdes-Reise. Wenn alles klappt und nichts dazwischen kommt, fahren wir dieses Jahr wieder dorthin."

Stichwort: Reisen nach Lourdes

In dem kürzlich erschienen Katalog der Diözesanpilgerstelle finden sich unterschiedliche Fahrten ins südfranzösische Lourdes. Im Mai und September organisiert "Emmaus-Reisen" acht Flugpilgerreisen, darunter zwei speziell für Kranke und Behinderte. Informationen gibt es unter Telefon 0251 / 265500 oder im Internet unter www.emmaus-reisen.de.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Wallfahrt - "Beten mit den Füßen"
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Maria - Mutter Jesu

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.emmaus-reisen.de

Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaele Kiepe in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
19.02.2011

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