
Stellten den neuen Strukturplan für das Kreisdekanat Borken vor: Generalvikar Norbert Kleyboldt (l.) und Weihbischof Christoph Hegge (r.).
Bistumsleitung stellte Strukturplan für das Kreisdekanat Borken vor
Behutsame Änderungen bis 2015
Kreisdekanat Borken. In den nächsten Jahren wird es nur in wenigen Pfarreien des Kreisdekanats Borken zu strukturellen Veränderungen kommen. "Die Zahl der Zusammenführungen von Gemeinden hält sich in diesem Kreisdekanat in Grenzen, weil in den vergangenen Jahren schon gute Vorarbeiten geleistet worden sind", sagte der für die Region Borken-Steinfurt zuständige Regionalbischof Christoph Hegge bei der Vorstellung des Stellen- und Strukturplans für die Pfarreien des Kreisdekanats am Dienstag (25.01.2011) im Kapitelshaus in Borken.
Den Stellen- und Strukturplan stellten neben Weihbischof Hegge der Bischöfliche Generalvikar Norbert Kleyboldt und der Leiter der Haupabteilung Seelsorge-Personal im Bischöflichen Generalvikariat Münster, Domkapitular Hans Bernd Köppen, in Informationsveranstaltungen den Priestern, Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten sowie den Vorständen der Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände vor.
Zusammenlegungen in Ahaus und Bocholt
Nach den Plänen der Bistumsleitung wird es noch in den Dekanaten Ahaus und Bocholt zu strukturellen Veränderungen kommen, "die bislang noch nicht in den Gemeinden kommuniziert worden sind", wie Köppen feststellte. So sollen die Gemeinden der beiden Ahauser Ortsteile Wessum und Wüllen zusammen mit der Ahauser Stadtgemeinde St. Mariä Himmelfahrt einen pastoralen Raum bilden beziehungsweise die Zusammenlegung der Gemeinden zu einer neuen Pfarrei mit etwa 21500 Gemeindemitgliedern vorbereiten. Ebenso sollen die beiden zu Ahaus gehörenden Gemeinden St. Mariä Himmelfahrt in Alstätte und St. Georg in Ottenstein eine Pfarrei bilden. Die Größe dieser Pfarrei liegt dann bei 7.500 Gemeindemitgliedern.
In Bocholt stehen folgende Veränderungen an: Die Gemeinde St. Bernhard in Bocholt-Lowick wird mit der Bocholter Pfarrei St. Georg zusammengelegt, zur Bocholter Stadtpfarrei Liebfrauen mit derzeit 16.500 Mitgliedern kommt die Gemeinde St. Paul, die 2.100 Gläubige zählt. Auf dem Weg, einen gemeinsamen pastoralen Raum zu bilden, sind bereits die vier Isselburger Gemeinden St. Bartholomäus, St. Pankratius, Dreifaltigkeit und St. Peter und Paul, die zusammen knapp 6.000 Katholiken zählen. Die Zusammenführung zu einer Pfarrei ist zudem in den Borkener Landgemeinden Heilig Kreuz in Borkenwirthe, St. Marien Burlo und St. Ludgerus in Weseke geplant. Dieser pastorale Raum zählt 6.800 Katholiken, während nach der Zusammenführung der Borkener Gemeinden St. Remigius und Christus König in Borken-Gemen diese neu zu errichtende Pfarrei 22.500 Katholiken zählen wird.
"Nichts über einen Kamm geschert"
Diese unterschiedlichen Gemeindegrößen sind von der Bistumsleitung gewollt, wie Generalvikar Kleyboldt betonte: "Es wird nichts über einen Kamm geschert. Neben großen Pfarreien mit mehr als 20.000 Gemeindemitgliedern wird es nach wie vor Pfarreien gebe, die 5.000 oder 8.000 Gläubige zählen. Wir nehmen Rücksicht auf gewachsene Strukturen und auf die Entwicklungen in den Städten und Dörfern."
Nach Auskunft von Domkapitular Köppen wird es im Bistum Münster auch nur in Ausnahmefällen zu Gemeindezusammenlegungen über kommunale Grenzen hinaus geben. Nach dem Strukturplan bleiben so kleinere Pfarreien wie die in Heiden, Legden, Isselburg, Schöppingen, Südlohn und Heek, deren Gemeindegrößen zwischen 5.500 und 8.000 Katholiken liegen, weiter auf längere Sicht selbstständig.
Die Vertreter der Gemeinden verfolgten aufmerksam die Ausführungen zum neuen Strukturplan. |
"Rasche Entscheidungsfindung"
Die Gemeinden, für die eine Neuordnung vorgesehen ist, haben acht Wochen Zeit, schriftliche Eingaben an die Bistumsleitung zu machen. "Wir stehen für Gespräche bereit. Doch wir möchten zu einer raschen Entscheidungsfindung kommen. Wir können nicht mehr alles auf die lange Bank schieben", warb Köppen um Verständnis, in den betreffenden Gemeinden die Pläne bald bekannt zu geben. Die Gemeinden haben bis 2015 Zeit, den Strukturplan umzusetzen. "Konkret heißt das: Die Zusammenführung der Gemeinden in Ottenstein und Alstätte ist etwa bis 2015 zu realisieren. Gut wäre es, wenn die Zusammenarbeit schon heute gesucht wird", nannte Köppen ein praktisches Beispiel.
Der Personalchef legte zudem für jede Pfarrei einen eigenen Stellenplan vor, der bis 2020 Gültigkeit besitzen soll. Aufgelistet ist damit der Einsatz der Diözesanpriester, der Priester aus der Weltkirche, wie die ausländischen Priester bezeichnet werden, der Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten und der Priester, die als Vicarius Cooperator ihren Dienst versehen. "Mit dem Stellenplan möchten wir eine gerechte Verteilung der Priester und der hauptamtlich tätigen Laien erreichen. Wir schaffen Transparenz für jede Pfarrei, und wir schaffen eine verlässliche Planung für den Personaleinsatz", sagte Köppen.
Blick auf Veränderungen
Für die große Vredener Gemeinde St. Georg mit ihren fast 19.000 Gemeindemitgliedern bedeutet dies etwa einen Stellenplan bis 2020 mit folgendem Personal: zwei Diözesanpriester, zwei Priester aus der Weltkirche, zwei Pastoralreferenten und einem Seelsorger für das Krankenhaus. "Ich bin mit den Gemeindegrößen zufrieden. Mich hat dieser Plan des Bistums nicht überrascht", sagte Dechant Guido Wachtel aus Vreden. Im Dekanat Vreden wird es übrigens keine Strukturveränderungen geben: Die Gemeinden Stadtlohn, Südlohn und Vreden hätten schon vor Jahren "ihre Hausaufgaben" gemacht und die Zusammenlegungen vollzogen.
Die Informationsveranstaltungen nutzten der Generalvikar Kleyboldt, Regionalbischof Hegge und Domkapitular Köppen auch dazu, um auf die kirchlichen Veränderungen einzugehen. Der rückläufige Kirchenbesuch, die zurückgehenden Priesterzahlen und der demografische Wandel hätten Auswirkungen auf die Seelsorge und die Strukturen von Pfarreien. "Unsere Gemeinden werden kleiner. Die Zahl der Katholiken auch im Westmünsterland sinkt. Auf diese Veränderungen müssen wir uns rechtzeitig einstellen", sagte Kleyboldt.
"Nicht pausenlos mit Strukturen beschäftigen"
Weihbischof Hegge hofft, die Strukturveränderungen bald abschließen zu können, um sich wieder verstärkt den Themen des Glaubens widmen zu können. "Der Auftrag der Kirche besteht nicht darin, sich pausenlos mit Strukturen zu beschäftigen. Die Gemeinden und jeder einzelne Christ müssen sich fragen lassen, in welcher Beziehung sie zu Jesus Christus stehen. Verkündigung, Katechese und der karitative Dienst sind die eigentlichen Schwerpunkte unserer Arbeit", sagte Hegge. Er warb dafür, Pastoralkonzepte zu entwickeln.
Der Struktur- und Stellenplan soll im Herbst 2011 durch Bischof Felix Genn in Kraft gesetzt werden.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Stimmen zum Struktur-und Stellenplan im Kreisdekanat Borken (07.02.2011)
Kommentiert: Reaktion auf die Pläne (07.02.2011)
Struktur- und Stellenplan: Häufig gestellte Fragen
Text: Johannes Bernard | Foto: Johannes Bernard
26.01.2011
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