
Weihbischof em. Friedrich Ostermann.
Weihnachtsgruß von Weihbischof em. Friedrich Ostermann
Die Herrlichkeit Gottes
Region Münster/Warendorf. Dunkel ist es geworden im Heiligen Land. Nahe Betlehem wachen noch Hirten bei ihrer Herde – im Dunkeln, in der Finsternis.
Plötzlich ist da ein Engel, und die Herrlichkeit Gottes umstrahlt sie in der Finsternis. Die Hirten sind nicht nur überrascht, sie geraten auch in Furcht. Vielleicht auch in Furcht und Schrecken, doch dann hören sie den Engel sagen: "Fürchtet euch nicht."
Durch die Worte "Fürchtet euch nicht" ist die Furcht nicht gewichen, und darum gibt der Engel noch einen Grund an: "Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr."
Sollte es wirklich im Dunkel des Heiligen Lands und überhaupt in der Finsternis der Welt einen Retter geben? Wer kann schon das Dunkel vertreiben? Doch der Engel gibt auch den Grund an, warum ihre Furcht zu überwinden ist. Der angekündigte Retter ist der lang erwartete Messias, und er ist der Kyrios – der Herr. Auf den Messias hatte Israel so konkret schon über 700 Jahre gewartet. Er sollte, ganz vom Heiligen Geist erfüllt, ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens herauf führen.
"Jetzt ist er da", so sagt der Engel. Der Messias überwindet auch die Finsternis und dadurch die Furcht der Menschen, weil er der HERR ist. Vom Herrn aller Herren, vom König aller Könige, hatten sie schon viele Jahrhunderte in ihren Gebeten gesprochen.
Sie wussten es aus ihrer ganzen Tradition, dass die Könige und ihre Reiche kamen und gingen. Sie wussten auch, dass ihre Reiche nicht unbedingt Reiche des Friedens und der Gerechtigkeit waren. Sie wussten auch, dass es da noch den Herrn der Herren und den König der Könige gab, nämlich den Schöpfer von Himmel und Erde. Ihre Heilige Schrift begann ja mit den Worten: Im Anfang erschuf Gott den Himmel und die Erde.
Nun umstrahlte sie die Herrlichkeit Gottes, und verkündet wurde der Gesalbte und der Herr aller Herren. Aber die Botschaft des Engels war noch nicht zu Ende. Sehr eigenartig, eher unverständlich, war das Zeichen für den neugeborenen Retter – es sollte ein Kind, in Windeln gewickelt, in einer Krippe sein. Wer sollte das verstehen können? Aber genau dort, wo die äußerste Armseligkeit angesprochen ist, dort leuchtet neu und großartiger die Herrlichkeit Gottes auf. Ein großes himmlisches Heer, das lobte und sprach: "Herrlich ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Frieden bei den Menschen seiner Gnade."
Durch dieses armselige Kind ist Gott verherrlicht. Durch dieses hilflose Wesen gibt es Frieden bei den Menschen auf Erden – bei den Menschen seiner Huld und Gnade.
Dieses Kind wird den anderen Weg gehen. Den Weg der Demut und des Gehorsams, bis zum Tod am Kreuz.
Ja, es musste schon etwas ganz besonderes geschehen, um den Kurs der Menschheitsgeschichte zu ändern. Wir Deutschen können es an unserer eigenen Geschichte sehen. Größenwahn war immer unsere Versuchung. Aufgipfelnd im Nationalsozialismus. Hier hätte es nie einen wirklichen Neuanfang gegeben, wenn nicht der Größenwahn radikal erschüttert worden wäre. Und der Weg scheint noch weit zu sein, bis wir uns nicht mehr stolz über andere Völker erheben, sondern uns geschwisterlich mit allen Menschen diese Erde teilen.
Ja, um der Welt eine neue Richtung zu geben, musste schon etwas ganz Außergewöhnliches geschehen. Gott musste Mensch werden. Damit durch ihn, und nicht gegen ihn, die Gott-Ähnlichkeit des Menschen aufleuchtete.
Weihnachten, Beginn des neuen Menschen, Beginn der neuen Schöpfung.
Hat diese neue Schöpfung denn wirklich begonnen? Das ist nicht zu bestreiten, denn ihr Geist durchdringt sogar die moderne Gesellschaft. Bei allem Jagen nach Erfolg und menschlichem Glück, in dem der andere oft nur noch instrumentalisiert wird, hat man einige Tage, vielleicht sogar eine ganze Woche Zeit füreinander. Viele haben sogar ein wenig Zeit für Gott. Die vielen Lichter auf unseren Straßen und in unseren Häusern erinnern an IHN, das eigentliche Licht der Welt. Das Licht der Weihnacht ist nicht das Licht der Straßenlaternen, ist nicht das Licht unserer Bahnhöfe und Kaufhäuser, es ist auch nicht das Licht der Kongresshallen und der Theater – nein, es ist das Licht, das auch das Dunkel des Todes erhellt.
Licht ist erschienen im Heiligen Land in unserer Welt – darum können wir aus ganzem Herzen singen: "Menschen, die ihr wart verloren, lebet auf, erfreuet euch."
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Text: Weihbischof em. Friedrich Ostermann | Foto: Archiv in
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23.12.2010
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