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17.05.2012
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Kaplan Ulrich Witte.

Kaplan Ulrich Witte vor den Regalen mit seiner Spielsammlung.

Am Schaukasten von Schillig packte den Tischler Ulrich Witte die Idee:

Priester, das wäre vielleicht etwas für mich

Garrel. Ulrich Witte ist seit kurzem neuer Kaplan in der Sankt-Johannes- Gemeinde Garrel. Ein gebürtiger Westfale, der an der oldenburgischen Nordseeküste zum ersten Mal auf die Idee mit dem Priesteramt gekommen war. Und den sie seither nicht wieder losgelassen hatte.

Seine Brüder hatten ihm das lange Zeit nicht geglaubt. Ulrich Witte lächelt. "Die einzige, die von Anfang an begeistert war, das war meine Oma." Als sie hörte, dass er Priester werden wolle, "da stieg ich sofort zu ihrem Lieblingsenkel auf", sagt er.

Mittlerweile wissen die Brüder, dass er es von Beginn an ernst meinte. Aber Ulrich Witte kann ihre Zweifel ziemlich gut nachvollziehen. Denn das Ganze sei ja für ihn selbst eigentlich ziemlich plötzlich und unerwartet gekommen.

Erst einmal Tischler

Plötzlich und unerwartet – so beschreibt Ulrich Witte den Anfang seines Weges in die neue Richtung. Als bei einem zufälligen Besuch in Schillig ein Prospekt der "Priesterausbildung in der Praxis" sein Interesse weckte.

"Ich habe mir das durchgelesen und gedacht: Priester – das könnte auch mein Weg sein." Der Kaplan zuckt mit den Schultern. "Aber: Priester werden? Ich hätte doch vorher im Leben nicht an so etwas gedacht."

Stattdessen war er bis dahin gewissermaßen in die Fußstapfen seines Vaters getreten, hatte nach der Realschule Tischler gelernt. "Rund hundert Mann zählte der Ausbildungsbetrieb. Laden- und Innenausbau, Einrichtungen für Spielbanken oder Chefetagen."

Die Abendschule sollte ihn im Beruf voranbringen, mit Fach- abitur als Vorbereitung auf die Meisterschule oder Weg in ein Ingenieurstudium.

Nach Schillig war er gefahren, weil er früher mit den Eltern und Brüdern hier oben oft Urlaub gemacht hatte, in einem Ferienhaus an der Nordsee. Er wollte sich nur für ein paar Tage entspannen.

So stand er da vor dem Schaukasten der Sankt-Marien-Kirche  – und las den Handzettel der "Priesterausbildung in der Praxis".

Unerwartete Wendung

Priester werden? Er ging die Sache in Gedanken durch. Erst wie irgendeine von vielen Möglichkeiten, die das Leben einem jungen Mann Anfang 20 bietet. "Und das Beunruhigende war: Es ließ mich nicht wieder los."

Am Ende siegte das "Warum eigentlich nicht?" So legte er tatsächlich 1995, mit 23 Jahren, Hammer, Hobel und Säge beiseite – um in Bad Driburg das Abitur nachzuholen.

Zielstrebig ging er die Sache an. Begann das Theologiestudium in Münster, verdiente sich in freien Zeiten in seiner alten Fensterbau-Firma etwas dazu, Schaffte trotzdem sein Diplom in der Regelstudienzeit.

"Ich wollte fertig werden, wollte in die Praxis", sagt er. "Studium, das war für mich nicht mehr als  ein Mittel zum Zweck."

Das Gemeindejahr und sein Diakonat führten ihn von Münster aus in die Richtung, mit der der er auch seine Berufung verbunden wusste: in den Norden, nach Oldenburg Sankt Marien.

"Eine schöne und wichtige Zeit", erinnert sich Ulrich Witte und denkt etwa daran zurück, wie er eine Pilotgruppe auf dem Weg zum Weltjugendtag begleiten durfte.

Dazu die für ihn ganz neue Diaspora-Erfahrung. Der Kaplan schwärmt vom Zusammenhalt der Gemeinde, dem Miteinander und manchen kleinen Ermutigungen.

"Ich habe einmal eine regelmäßige Anbetungszeit angeboten – mit gestaltetem Anfang und gestaltetem Ende. Da kamen zuerst fünf und später regelmäßig 25 Leute."

Ferienlager entdeckt

Oder die Ferienlager. "Ich war bis dahin kein ›Lagertyp‹", erklärt er. Aber in der Mariengemeinde – da sei er auf den Geschmack gekommen.

Und für ihn stand nach seiner ersten Kaplanszeit in Emmerich am Niederrhein fest: "Ich wollte als Kaplan sehr gerne wieder ins Oldenburger Land."

So brauchte er nicht lange zu überlegen als er Anfang März die Stimme des Regens am Telefon hatte: Ob er sich eine Kaplansstelle in Garrel vorstellen könne? Ulrich Witte: "Ich habe am nächsten Tag zugesagt."

Seit ein paar Wochen ist er nun in der Sankt-Johannes-Gemeinde. Die 90 Umzugskartons sind größtenteils ausgepackt in seiner Wohnung am Birkenweg. Die Seelsorge kann kommen.

Auftrag Jugendarbeit

Vorwiegend Jugendarbeit in den Gemeindeteilen steht auf dem Plan. Messdiener, mehrere Landjugendgruppen, Jungkolping, Lager und die Vorbereitung der Firmlinge, die im kommenden Jahr erstmals nach dem neunten Schuljahr das Sakrament empfangen.

Und in der Freizeit? "Ich bin unmusikalisch und Sport ist nicht mein Ding", sagt Ulrich Witte. "Aber Lesen zählt zu meinen Hobbies. Aber keine Krimis, lieber Fantasy- oder historische Romane. Und spielen." Um das zu erklären, geht er zu einer Regalwand in seinem Gästezimmer. Die ist bis oben  mit Spielen gefüllt. Aber nicht nur zum Anschauen, ziemlich regelmäßig verabrede er sich mit Freunden auf die eine oder andere Partie.

Text: Michael Rottmann | Foto: Michael Rottmann in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
25.05.2010

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