
Die Lieblingsstation von Pfarrer Albert Wöstmann: "Mittragen".
Der Kreuzweg in Havixbeck auf den Baumberg hinauf ist ein Zeichen des Glaubens
"Aussichtsweg auf Gottes großartige Schöpfung"
Havixbeck. Nach oben führt der Weg. Das entspricht der biblischen Gegebenheit, denn auch von Jerusalem nach Golgatha geht es bergauf. Pfarrer Albert Wöstmann (83) geht "seinen" Kreuzweg immer noch oft und gern. Als langjähriger Pfarrer der Gemeinde in Havixbeck kennen ihn viele Spaziergänger, die diesen "Aussichtsweg auf Gottes großartige Schöpfung" gehen. Manchmal komme er im Gespräch schnell auf Themen wie Ehe und Familie, Kirche und Gesellschaft. So erlebe er diese Begegnungen auch als eine Seelsorge im Vorbeigehen.
Vor mehr als 30 Jahren hatte Pfarrer Wöstmann mit dem damaligen Weihbischof Reinhard Lettmann auf dem Baumberg gestanden. Gemeinsam haben sie die Aussicht auf das Münsterland genossen. Seine Vision, dort ein Zeichen des Glaubens zu setzen, machte Wöstmann Jahre später mit dem Bau der Bruder-Klaus-Kapelle auf der Anhöhe und dem 850 Meter langen Kreuzweg wahr. Mit dem Rheiner Künstler Joseph Krautwald entwickelte er die 14 Kreuzwegstationen. Oft war er in der Künstlerwerkstatt zu Besuch. Gemeinsam hätten sie ihre Ideen für die Bildunterschriften auf einen Block geschrieben. Herausgekommen sind wenige, aber klare Worte, Ein-Wort-Sätze. Wie beispielsweise an der ersten Station: Ich diene; der zweiten Station: Unschuldig; der dritten Station: Freiwillig. Den Bildunterschriften entsprechen "die ausgeprägten, schnörkellosen, kernigen Darstellungen" des Künstlers aus Ibbenbürener Sandstein, der im Vergleich zum weicheren Baumberger Sandstein für den Außenbereich besser geeignet ist. Die Bildstöcke sind fest in den Boden betoniert, doch sie wachsen gleichsam aus dem Boden, sind mit dem Baumberg verwachsen. Josef Gesmann, damaliger Rektor der Havixbecker Hauptschule, hat zu den Stationen ein Textheft verfasst, das durch "einprägsame Worte der Wahrheit ohne frömmelnde Formulierungen" den Wanderer auf dem Weg begleiten soll.
Die Stationsgruppe in der Mitte des Kreuzwegs beeindruckt Pfarrer Wöstmann besonders. Anders als die anderen Bildstöcke am Wegesrand, stehen diese vier Stationen weiter in den Wald hinein, auf einem Grundstück, das der Pfarrgemeinde gehört. In der Gruppe steht auch seine Lieblingsstation mit Simon von Zyrene, unterschrieben mit "Mittragen". Simon sei gezwungen worden, das Kreuz mitzutragen, was ihm zum Heil geworden sei. Jeder von uns sollte überlegen, wo er selbst in Kirche und Gesellschaft "zupacken" kann, wo es "not-wendig" ist, so seine Auslegung in das Heute hinein.
Die Baumberge hatten immer schon eine besondere Anziehungskraft für die Münsterländer. Sowohl Familien, Paare als auch Einzelpersonen kommen, zuweilen auch mit dem Zug, der am Fuß der Baumberge Station macht, verbringen hier ihren Sonntagnachmittag, "spazieren und meditieren" den Kreuzweg und trinken anschließend Kaffee.
Gruppen gehen immer wieder den Kreuzweg, vor allem in der Fastenzeit. Die Frauengemeinschaft und die Kolpingsfamilie haben Pfarrer Wöstmann dieses Jahr wieder angefragt, ob er sie begleitet. Selbst aus dem Ruhrgebiet kommen Pilger. Und auch evangelische Christen, die diese Frömmigkeitsformen "nicht so kennen", oder Menschen, die nichts mit der Kirche zu tun haben, hätten Interesse an einem spirituellen Zugang zum Kreuzweg.
Die 14. Station "Ich lebe" ist die letzte Station am Ausgang des Walds, mit Blick auf die Bruder-Klaus-Kapelle, die Friedenskapelle, die mit dem Kreuzweg eine Einheit bildet. "Unser Leben ist nicht zu Ende, sondern es geht weiter, die aufgehende Sonne, der Ostermorgen, die ausgebreiteten Hände, die die Schöpfung, das Münsterland, umarmen." Der Weg endet an der Friedenskapelle: "Wer sich für den Frieden einsetzt, muss manchmal einen schweren 'Kreuzweg' gehen, weil er verkannt wird."
Um den Kreuzweg zu gehen, müsse man sich eine knappe Stunde Zeit nehmen, erklärt Pfarrer Wöstmann. Dann kommt man zur Ruhe und kann seine Sorgen im Tal zurücklassen. Mit seinen elf Kaplänen, die er im Lauf seiner 36 Jahre als Pfarrer in Havixbeck hatte, sei er so manches Mal auf den Baumberg gegangen, um mit ihnen zu beten. Und manche verliebten Paare, so habe er sich sagen lassen – "Ich kann ja auch nicht immer dabei sein" – hätten an lauen Sommerabenden eine wichtige Lebensentscheidung auf diesem Weg getroffen.
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Text: Christoph Kirchhoff | Foto: Christoph Kirchhoff in
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06.04.2010
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