
Die Künstlerin Dorothea Hemmis-Rösler vor zwei Bildern ihres Kreuzwegs.
14 Bilder des Leidenswegs Christi
Wie aus "Wolken" ein Kreuzweg wurde
Hamm-Heessen. "Man muss genau hinschauen. Manche Menschen erkennen erst nach längerer Betrachtung, was die Bilder zeigen", sagt Dorothea Hemmis-Rösler. Darum spreche sie von einem meditativen Kreuzweg, den sie für die St.-Theresia-Kirche in Hamm-Heessen geschaffen hat.
Für den flüchtigen Betrachter ist auf einem Großteil der 14 Bilder an den Wänden im Innern der Kirche, die zur Gemeinde Papst Johannes gehört, nicht viel zu erkennen. Doch bei genauerem Hinschauen erwachsen aus den Umrissen und Farbverläufen zum Beispiel das Kreuz oder das Gesicht von Jesus Christus.
Das angewandte künstlerische Verfahren, genannt Monotypie, lässt dem Betrachter Spielräume. "Ich war selbst unsicher, ob auf diese Weise tatsächlich ein Kreuzweg entstehen kann", sagt Dorothea Hemmis-Rösler. Darum hat sie auch außer ihrem Mann niemandem davon erzählt, dass sie überlegte, die 14 Stationen des Leidenswegs Jesu Christi anzufertigen. Der alte Kreuzweg der Theresienkirche sei in keinem guten Zustand mehr gewesen. Viele der Bilder dort waren ausgeblichen und einige der Bilderrahmen sogar zerbrochen, erinnert sich Hemmis-Rösler.
Während sie über ihre Idee nachdachte, gewann sie auf Reisen Eindrücke von anderen Kreuzwegen. Außerdem informierte sie sich in Büchern, sagt Hemmis-Rösler, die als evangelische Christin selbst noch keinen Kreuzweg gebetet hat.
Im Sommer des vergangenen Jahrs habe sie sich dann dazu entschieden, eine so genannte Sommerakademie zu nutzen, um es mit dem Kreuzweg zu versuchen. "Ich wollte mehrere Tage am Stück konzentriert daran arbeiten", erklärt die Künstlerin. Dass bei diesen Werkwochen mehrere Künstler mit demselben Verfahren arbeiten und es kennen lernen oder ihre Fertigkeiten darin verbessern können, war für sie zweitrangig. "Zu Hause lässt man sich viel zu leicht ablenken."
Bereits nach vier Tagen war sie fertig. Entstanden waren 14 sandfarbene Bilder, auf denen mit Wasser vermischte Farbe "Wolken" hinterlassen hat, wie es Hemmis-Rösler beschreibt. Die Blätter vor sich ausgebreitet, habe sie die Werke intensiv betrachtet, um zu sehen, was darin zu erkennen oder zu entdecken sei. "Das war unglaublich spannend, denn ich wusste ja auch nicht, ob das funktioniert", sagt sie. Bei einem Großteil der Bilder hat die Künstlerin mit Bleistift einige Details hinzugefügt oder Umrisse verstärkt. "Aber die meisten Linien und Schattierungen waren schon da."
Beim Verfahren der Monotypie, in dem die Bilder des Heessener Kreuzwegs entstanden sind, wird auf einer glatten Oberfläche wie etwa einer Glasscheibe oder einer Keramikfliese Acrylfarbe vermischt mit Wasser aufgetragen. "Das Wasser ist wichtig, damit die Farbe wolkig wird", sagt Hemmis-Rösler. Es können verschiedene Farbtöne sein, von hell bis dunkel. Dann legt man ein Blatt Papier darauf und zieht es nach kurzer Zeit wieder ab. Dabei kann man das Papier schnell oder langsam abziehen, es dabei drehen oder schieben. Ein wenig lässt sich das Resultat dadurch beeinflussen, ein Großteil entsteht jedoch zufällig. Mit einem Bleistift dürfen Konturen verstärkt und einzelne Details ergänzt werden.
Diese Arbeitsweise passt zu Dorothea Hemmis-Rösler, die seit 1986 künstlerisch wirkt. Bestimmte Bewegungen oder anatomische Einzelheiten würden ihr nur schwer von der Hand gehen. Aber Umrisse von Köpfen, Armen oder Beinen in den Bildern zu erkennen und sie mit dem Bleistift zeichnerisch zu verstärken, falle ihr dagegen nicht schwer.
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Text: Georg Thomas | Foto: Georg Thomas in
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