
Ob agressiv oder filigran: Ton ist ein Material, mit dem Andrea Wübberling (l.) und Petra Benning gern in der Begleitung von trauernden Kindern arbeiten.
Die Hospizgruppe nimmt trauernde Kinder in den Blick
Kinder trauern anders als Erwachsene
Billerbeck. Einen geschützten Rahmen und speziell für die Kindertrauerarbeit ausgebildete Ehrenamtliche bietet ein Angebot der Hospizgruppe Billerbeck, das Anfang März startet.
Zum zweiten Mal bietet die Hospizgruppe Billerbeck eine Gruppe für trauernde Kinder an. "Das erste Angebot ist aus einer Not heraus geboren worden. Unsere Erfahrungen aus unseren Begleitungen, dass Kinder anders trauern als Erwachsene, haben uns damals bestärkt, ein zusätzliches Angebot zu schaffen", erzählt Petra Benning. Sie hatte eine Ausbildung zur Kindertrauerbegleiterin absolviert und den ersten Kursus geleitet. "Trauer ist bei Kindern kein fortdauernder Prozess wie bei Erwachsenen. Manchmal hören sie eine Bemerkung und fühlen sich wieder angesprochen. Trauer bedeutet auch nicht, dass sie ständig weinen", erklärt sie.
"Die Kinder reagieren sehr unterschiedlich. Manche sind wütend, andere aggressiv, wieder andere weinen viel. Es gibt auch Kinder, die mit körperlichem Schmerz wie zum Beispiel Bauchschmerzen reagieren", ergänzt Andrea Wübbeling. Die Sicherheit, die sie in ihrem Alltag erfahren hätten, breche durch den Tod eines Angehörigen weg. Im Gegensatz zu Erwachsenen, die kognitiv dem Thema begegnen, reagierten Kinder verstärkt emotional.
"Die Verabschiedungsphase ist für Kinder sehr wichtig. Das ist die Zeit zwischen dem Tod und der Beerdigung. Was in dieser Zeit verpasst wird, ist kaum aufzuarbeiten", betont Ulrike Büscher, seit drei Jahren hauptamtliche Koordinatorin bei der Hospizgruppe Billerbeck. Wichtig sei es, dass Kinder mit allen Sinnen dem Tod begegnen und zum Beispiel auch den Toten noch einmal anfassen.
Die Begegnungen in der Gruppe seien wichtig für die Kinder. "Sie können hier in einem geschützten Raum über ihre Erlebnisse sprechen ohne das Gefühl zu haben, sie würden ihre Angehörigen belasten", sagt Wübbeling. Zudem lernten sie andere Kinder kennen, die auch einen Verlust zu verkraften hätten. "Sie erleben, dass es in diesem Rahmen Normalität ist", sagt Benning.
Die erste Gruppe richtete sich an Kinder im Alter zwischen drei und 15 Jahren. Daraus entwickelten die Aktiven ein neues Konzept. Das aktualisierte Angebot richtet sich nun an Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren. "Sie haben ein ähnliches Verständnis vom Tod. Die Jugendlichen suchen das Gespräch mit ihren Freunden sowie mit ihren Eltern", berichtet Büscher. Wichtig sei es, den Kindern eine Möglichkeit zu geben, Gefühle zuzulassen.
Bei den Treffen, die im zweiwöchigen Turnus parallel zum offenen Angebot der Hospizgruppe stattfinden, geben die Begleiterinnen am Anfang der 90 Minuten den Kindern einen Anlass, sich zu erinnern. "Wir haben das Glück, dass uns das Ludgerus-Stift neben unseren Büro- und Gesprächsräumen einen zusätzlichen Raum zur Verfügung gestellt hat. Diesen haben wir zum Werkraum umgebaut, damit wir mit den Kindern gestalterisch arbeiten können", berichtet Büscher.
Denn ihre Aggressionen könnten Betroffene beispielsweise wunderbar am dort aufgehängten Boxsack oder an einem Klumpen Ton abreagieren, Gefühle über das Malen, Tanzen oder Schreiben ausdrücken. "Wichtig ist es, die Kinder machen zu lassen, damit sie ihren Weg finden. Zudem ist es wichtig, jedes Kind in seinem Prozess zu sehen", erklärt Wübbeling, die die neue Gruppe leiten wird. Deshalb wird die Teilnehmerzahl auf maximal sechs Kinder beschränkt, die von zwei zu Kindertrauerbegleitern ausgebildeten Ehrenamtlichen betreut werden. Fünf Aktive der Hospizgruppe haben diese Weiterbildung inzwischen absolviert. Neben der Gruppe bieten die in der Hospizarbeit Tätigen aber auch ihre Beratung an für Menschen, die mit trauernden Kindern zu tun haben. "Wir denken besonders an Lehrer", sagt Büscher. Wichtig ist den Aktiven, dass sie keinen therapeutischen Ansatz verfolgen. "Wir sind keine Therapeuten und erheben diesen Anspruch auch nicht. Wir begleiten Trauernde. Dazu braucht es keinen Therapeuten", sagt Büscher. Deshalb seien Gespräche mit den Angehörigen der Kinder so wichtig.
Die neue Gruppe für trauernde Kinder startet am Dienstag (02.03.2010) und umfasst zehn Einheiten. Die Treffen finden im zweiwöchigen Rhythmus dienstags von 17.30 bis 19 Uhr parallel zum offenen Gesprächsangebot für Trauernde in den Räumen der Hospizgruppe Billerbeck statt. Zehn Treffen sind vorgesehen. Im Vorfeld bieten die Aktiven Informationsgespräche für Eltern. Einen begleitenden Elternabend gibt es zur Kursmitte. Weitere Informationen erteilt Ulrike Büscher unter Telefon 02543 / 931188.
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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe in
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