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17.05.2012
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Im Salonwagen zum Gnadenbild der Muttergottes

Lokführer Helmut Boeckhoff, Pfarrer Michael Borth und Weihbischof Heinrich Timmerevers an der Diesel-Lok.

Weihbischof Heinrich Timmerevers begleitete die erste Eisenbahn-Wallfahrt

Im Salonwagen zum Gnadenbild der Muttergottes

Friesoythe / Bethen. Auf einem Gleis mitten in Friesoythe steht eine Lokomotive mit zwei Waggons. Einen Bahnhof gibt es nicht. Die Blätter der Bäume sind in Nebel gehüllt. Vögel zwitschern, bis die Bässe lauter Musik sie übertönen. Auf einem Parkplatz nebenan treffen sich einige Jugendliche. Es ist kurz nach acht Uhr am Morgen und kühl. Zwei Männer vom Museumseisenbahn-Verein Friesoythe-Cloppenburg stehen neben  dem Zug, sie tragen kurzärmlige Hemden.

Nostalgisch unterwegs

Auf dem Bahnsteig treffen die ersten Mitglieder der Friesoyther St.-Marien-Gemeinde ein. Sie tragen dünne Sommerjacken. Gemeinsam mit Pfarrer Michael Borth wollen sie zu einer Wallfahrt zum Gnadenbild der Muttergottes nach Bethen aufbrechen – mit der Museumseisenbahn. Eine Premiere für die Friesoyther Gemeinde und auch für Weihbischof Heinrich Timmerevers, der zum ersten Mal eine Eisenbahnwallfahrt begleitet. Die Idee, die oldenburgische Wallfahrtssaison mit diesem Zug nach Bethen zu eröffnen, stammt von Pfarrer Michael Borth und dem Bethener Wallfahrtsrektor Prälat Dirk Költgen.

Mit einem lauten Pfeifen startet der Motor der Lokomotive, nach zweimaligem Tuten rollt der Zug an. In den Salonwagen aus dem Jahr 1926 riecht es nach warmer Heizungsluft. Cremefarbene Tischdeckchen mit einer kleinen Blumendekoration schmücken die braunen Holztische. An jedem Platz liegt ein Faltblatt mit Liedern und Gebeten. Weiß-gelbe Wimpel hängen ringsherum an den geputzten Scheiben und erinnern daran, dass die Gruppe sich auf einer Wallfahrt befindet.

"Jetzt sind Sie dran", sagt Karl-Heinz Böhmer vom Museumseisenbahn-Verein und überreicht nach einer kurzen Begrüßung das Mikrofon an Pfarrer Michael Borth. Die Blicke der 70 Teilnehmer schwanken zwischen der Landschaft und dem Liedblatt, als sie "Gegrüßet seist du, Königin" anstimmen. Bei der Stelle "grüßet eure Königin" tutet die Lokomotive, als wolle sie mitsingen. In den Pausen zwischen den Liedern gibt das Rattern des Zuges den Ton an. Blickt man nach vorn auf die Lok, wirkt es, als schaukele der Wagen über die Unebenheiten der Strecke wie ein Boot auf dem Meer.

Seit mehr als 100 Jahren gibt es die 26 Kilometer lange Eisenbahnstrecke zwischen Friesoythe und Cloppenburg. Ende der 1960-er Jahre hatte allerdings das Auto den Bahnverkehr fast vollständig abgelöst. Im Lauf der Zeit verfielen die Bahnhöfe und Haltestellen an der Strecke. Vor fast sechs Jahren gründeten Eisenbahn-Freunde den Museumseisenbahn-Verein und setzten die Strecke wieder instand.

Langsam fährt der Zug an Wohnhäusern entlang. Wenig später geht es über einen Bach, vorbei an einer Sandgrube und vielen Äckern, die übersät sind von Trecker-Spuren. Aus dem Grün und Braun der vorbeiziehenden Landschaft ragen die roten Dächer einiger Ställe heraus. Der Geruch von Gülle zieht für kurze Zeit durch den Wagen.

Über Schotter und Sand

Die Pilger singen "Maria, dich lieben", sie singen "Maria, wir verehren den heiligen Namen dein", Weihbischof Timmerevers betet mit ihnen "Weißt Du, was Liebe ist?".

Der Zug erreicht um 9.30 Uhr Bethen. Am Bahnsteig steht Prälat Költgen mit neun Messdienern und nimmt die Wallfahrer in Empfang.

Weihbischof Timmerevers legt liturgische Gewänder an, die Prozession setzt sich in Bewegung. Über Schotter und Sand, dann auf Asphalt zur Basilika in Bethen, entlang an weiß-gelben Fahnen, die den Weg säumen. Prälat Költgen hat ein Mikrofon um den Hals, ein Messdiener trägt zwei Lautsprecher, sodass alle die Gebete hören können.

Zum Pontifikalamt haben sich 300 Menschen in der St.-Marien-Basilika eingefunden. Zu Beginn seiner Predigt geht Weihbischof Heinrich Timmerevers auf den heiligen Josef ein. Josef sei immer offen gewesen für die "Stimme Gottes". Die Menschen sollten wieder stärker auf Gott hören und ihm vertrauen, auch wenn es in der heutigen Zeit manchmal schwer sei, seine Botschaft herauszuhören.

"Eines ist jedoch sicher, wenn sich der Mensch bemüht und sich auf Gottes Worte einlässt, dann bringt es ihm und seiner Seele tiefen Frieden." Maria und Josef hätten sich auf den Weg Gottes eingelassen, und "sie haben ihr Ziel erreicht", sagt er. "Wenn wir nun vor dem Gnadenbild der Muttergottes stehen, sollten wir Maria bitten, dass sie uns ihre Liebe schenkt und für uns bei Gott Fürsprache hält", sagt Timmerevers abschließend.

Im Anschluss an den Gottesdienst ziehen die Pilger aus Friesoythe in einer feierlichen Prozession um die Wallfahrts-Basilika zum Gnadenbild der Muttergottes und entzünden eine Kerze.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Wallfahrt
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterBistumshandbuch: Bethen (Wallfahrtsort im Bistum)

Text: Georg Thomas | Foto: Georg Thomas in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
20.06.2009

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