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17.05.2012
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Ganz nah heran durften die Kinder an den Altar des Doms.

Ganz nah heran durften die Kinder an den Altar des Doms.

Erstkommunionkinder besichtigten den St.-Paulus-Dom

Von Heiligen, Omas, Planeten und Teufeln

Münster. Dass das Bistum Münster einen neuen Bischof hat, hatten die Erstkommunionkinder aus der Gemeinde St. Benedikt in Münster schon mitbekommen. Auch die Frage nach seinem Namen konnten sie mit "Felix Genn" richtig beantworten. Seinen Bischofssitz im St.-Paulus-Dom mit dem darüber hängenden Bischofswappen aber hatte noch keins der Kinder aus nächster Nähe gesehen.

Bei einer Führung mit Domkustos Udo Grote durch den St.-Paulus-Dom durften die Kinder nicht nur ganz nah an den Bischofssitz heran, sondern entdeckten viele Dinge, die selbst regelmäßigen Besuchern des Gotteshauses oft verborgen bleiben. Zum Beispiel die vielen kleinen Steinreliefs unter den Heiligenfiguren im Dom-Eingang, dem so genannten Paradies. "Diese schönen Darstellungen sind schon aus der Zeit um 1225, fast 800 Jahre alt", erklärte Grote. "Wenn man in den Dom geht und das nicht weiß, sieht man die gar nicht."

Die Kommunionkinder aber entdeckten beim genaueren Hinsehen einen Bauern mit Ochsenkarren bei der Feldarbeit, einen Falkner auf einem Pferd, Menschen, die säen und Getreide ernten, Steinmetze bei der Arbeit und Musikanten mit Instrumenten wie Drehleier, Oboe, Becken, einer Geige und einem Dudelsack. "Es sind fantastische Darstellungen von Musikinstrumenten, mit die frühsten, die es in Deutschland gibt", erklärte Grote.

Der Domkustos machte die Kinder auch auf die zahlreichen Heiligen aufmerksam, an denen den Kindern sofort eine Besonderheit auffiel: "Nur einer hat Schuhe an", fanden sie richtig heraus und bekamen die Erklärung dazu: "Dem Bartholomäus hat man die Haut abgezogen. Er ist der Patron der Schuster, deshalb hat er Schuhe an."

Vor dem Flügelaltar des ehemaligen Hochaltars, der Szenen aus dem Leben des heiligen Paulus darstellt, erzählte Grote den Kommunionkindern von dem Heiligen, der Patron des Bistums Münster ist. Besonders spannend fanden die Kinder auch den vor dem Flügelaltar liegenden Zugang zu den Bischofsgräbern, den sie aus Sicherheitsgründen aber nicht hinabsteigen durften.

Schutzpatron für den Tag

Stattdessen ging es weiter zum bronzenen Taufbecken. Von dort lenkte Grote den Blick der Kinder auf "einem großen Mann", dem heiligen Christophorus. Eines Tages trug der Riese ein kleines Kind durch einen Fluss, unter dessen immer größer werdendem Gewicht er fast in den Fluten versinkt, heißt es in der Legende. "Du hast in diesem Moment die ganze Welt getragen", habe das Kind dem Mann gesagt. "Es heißt, wenn man zu Christophorus betet, wird man an diesem Tag nicht sterben", erzählte Grote. "Deshalb hat man ihn in vielen Kirchen an den Eingang gestellt." Pünktlich zum Glockenschlag versammelten sich die Kinder vor der astronomischen Uhr. "Ich hab mein's gefunden", rief eins der Kinder und zeigte auf die Sternzeichen, die ebenso wie die Jahreszeiten auf der Uhr zu sehen sind. "Diese Uhr zeigt alles, was Gottes Schöpfung ausmacht: die ganze Welt", erklärte Grote. Sonne, Mond und einige Planeten entdeckten die Kinder auf der Weltzeituhr von 1540. Doch wo sind Uranus und Pluto? Udo Grote wusste die Antwort: "Die hatte man zu der Zeit noch nicht entdeckt."

Dann geht es weiter "zu einem interessanten Mann in der Geschichte von Münster". Grote führte die Kinder an das Grab von Clemens August von Galen. "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen", erklärte er die Überzeugung des Kardinals und erzählte von dessen Einsatz für Menschen mit Behinderung während der Nazizeit. Nach einem Besuch am Grab von Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen führte Grote die Kinder zur "Oma von Jesus", der heiligen Anna, die eine Jesusfigur mit einem Apfel in der Hand hält.

"Wollt ihr mal sehen, wo der Bischof gewählt wird?", fragte Grote. "Da kommt normalerweise keiner rein", sagte er und führte die Kinder in "einen der schönsten Räume in Europa": den Domkapitelssaal. 500 Jahre sei der Raum mit den dunklen Holzvertäfelungen alt, in dem früher 40 Domherren tagten. "Man wollte, dass der Raum immer bewacht wird", erzählte Grote und wies auf zwei Darstellungen am Fuß der Holzbänke: einen Hund und auf der gegenüberliegenden Seite einen gefesselten Teufel in Ketten.

Ein Teufel hat sich übrigens noch an einer anderen Stelle versteckt: Wer ganz genau hinschaut, endeckt in der Eingangshalle hinter einem Vorsprung eine Strichzeichnung: "Hier hat ein Kind einen kleinen Teufel an die Wand gemalt."

Text: Almud Schricke | Foto: Almud Schricke
15.06.2009

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