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17.05.2012
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Weihbischof Timmerevers und Bischof Genn in einer Schülergruppe

Weibischof Heinrich Timmerevers (links) und Bischof Felix Genn (rechts) in einer Schülergruppe der Franziskusschule.

Bischof Felix Genn besucht Wilhelmshaven

Wo aus gutem Geist gelehrt wird

Wilhelmshaven. Wilhelmshaven ist jetzt kein "weißer Fleck" mehr für ihn. Einen Tag lang hat Bischof Felix Genn der Jade-Stadt einen Besuch abgestattet und dabei auch die bischöflichen Schulen besucht. So konnte er zum Beispiel einen kleinen Eindruck gewinnen vom Hauptschul-Reformprojekt "Weil du so wertvoll bist" in der Franziskusschule oder den besonderen Akzenten am nördlichsten bischöflichen Gymnasium seines Bistums.

Mucksmäuschenstill ist es in der Klasse. Übendes Lernen steht auf dem Stundenplan. Ein Junge pinnt Vokabeln ab. "So kann ich sie mir besser einprägen", flüstert der Blondschopf. Anderswo wird leise gerechnet, gelesen, gemalt.

In der Mitte auf dem Boden brennt eine Kerze. Die Kinder lassen sich nicht stören. Auch nicht, als Bischof Felix Genn in Begleitung von Weihbischof Heinrich Timmerevers, Pfarrer Andreas Bolten und Rektor Alfred Haak leise durch die Reihen gehen. Ab und zu schaut höchstens mal ein Junge oder ein Mädchen lächelnd hoch.

Konzentriertes Lernen als Hauptschul-Wirklichkeit. Und so ganz anders, als die geläufigen Schreckensbilder vom Alltag dort. Der Bischof beugt sich über Hefte, lässt sich von Kindern Aufgaben erklären, fragt nach, zeigt auf der Deutschlandkarte seinen Heimatort, spricht mit der Lehrerin über ihre Arbeit.

"Ihren Ansatz finde ich gut", hatte er kurz zuvor im Lehrerzimmer erklärt. Und meinte nicht nur das "Übende Lernen", sondern das neue Gesamtkonzept, mit der die bischöflichen Hauptschulen im Offizialatsbezirk sich ihrer Schüler annehmen.

Schließlich kenne er aus dem Ruhrgebiet die Perspektivlosigkeit, mit der manche Kinder aufwüchsen – und die Sorge um die Hauptschulen dort. Und er hat jetzt vor Ort erfahren, dass nicht nur Gelsenkirchen, sondern auch Wilhelmshaven mit hoher Arbeitslosigkeit und Strukturschwächen zu kämpfen hat.

Lob für die Hauptschul-Reform

Im Lehrerzimmer erklärt Rektor Haak, was in Kürze noch zu seiner Schule gesagt werden kann: dass rund vierzig Lehrer für 540 Schüler zuständig sind, dass man sich bemühe, den Kindern zu vermitteln, wie man aus dem Glauben leben kann, dass zum Beispiel die Firmkatechese auch schon mal in der Schule stattfinde.

"So sind wir auch Teil der Pastoral hier", sagt der Rektor, der selbst Vorsitzender des Wilhelmshavener Seelsorgerates ist. Wie eine Bestätigung wirkt die Szene kurz darauf: als ein Schüler auf dem Flur Pfarrer Bolten grüßt und "Wir sehen uns ja heute Nachmittag noch" ruft.

Schulen mit gutem Ruf

Alfred Haak vergisst nicht, auf den "guten Ruf" der Schule hinzuweisen. Auch wenn der zwei Seiten habe: Zum einen die erfreulich hohe Nachfrage, zum anderen die begrenzte Aufnahmekapazität. "Haben Sie auch Kindern absagen müssen?", möchte der Bischof wissen. Alfred Haak nickt schulterzuckend. "Sechzig bis achtzig waren es diesmal."

Aus der Stadt, aber auch aus dem Umland drängt es nicht nur katholische Eltern, ihre Kinder auf die katholischen Schulen der Jadestadt zu schicken. Sie wissen zu schätzen, wie die katholische Kirche in der friesischen  Diaspora mehr als nur einen Akzent setzt: eine von drei Realschulen, eine von vier Hauptschulen, eins von drei Gymnasien der Stadt befinden sich in bischöflicher Trägerschaft – bei gerade einmal zwölf Prozent Katholiken.

So war auch für Weihbischof Heinrich Timmerevers von Beginn an klar, was unbedingt auf der Tagesordnung in Wilhelmshaven auf dem Programm stehen musste. "Da können wir gar nicht an den bischöflichen Schulen vorbei", sagt er.

Auch nicht an der Cäcilienschule. Der "gute Ruf" ist auch hier Thema. Rund achthundert Jungen und Mädchen lernen an dem bischöflichen Gymnasium direkt neben der Franziskusschule. Die ebenfalls mit eigenen Angeboten Akzente setzt. Von denen sie bei diesem kurzen Besuch nur ein paar kurz vorstellen kann.

In einem Musiksaal wartet die "Streicherklasse" auf den Bischof. Kinder mit Violinen, Bratschen und Celli lassen zunächst "Freude schöner Götterfunken" erklingen; anschließend noch "Old Mac Donald had a farm".

Begabungen fördern

Die Instrumente können die Schüler ausleihen. "Jeder soll mitmachen können", erklärt Schulleiter Günter Barkam auf dem Flur. Am Geld dürfe das nicht scheitern.

Der Schulleiter zeigt dem Bischof das "Selbstlernzentrum" für besonders begabte Schüler, führt ihn in den Computerraum, wo Dutzende von Flachbildschirme von den Möglichkeiten der Schule künden – und eben auch hier zum "guten Ruf" der "Cäci" mit beitragen.

Auch beim anschließenden Gespräch mit Schülern, Lehrern und einer Elternvertreterin des Gymnasium geht es  die Frage, was denn hier den "guten Ruf" ausmache. "Er liegt für mich darin begründet, dass man sich hier an dieser Schule um die Schüler kümmert", sagt die Elternvertreterin.

Lehrer geben Schule Gesicht

Und? Was erwartet Bischof Genn von seinen Lehrern in der Diaspora?

"Dass Sie eine Atmosphäre schaffen, wo Schüler ihr Leben gestalten lernen aus gutem Geist und aus dem Geist des Evangeliums." Dabei komme es in erster Linie auf Sie, die Lehrer, an. "Die Schüler gehen nach neun Jahren wieder. Aber die Lehrer bleiben. Deshalb ist es ganz wichtig ist, dass Sie der Schule ein Gesicht geben. Dafür will ich ihnen danken."

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Bischof Felix Genn

Text: Michael Rottmann | Foto: Michael Rottmann in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
08.06.2009

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